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176th Annual General Conference, April 2006

Das Ende von Anfang an vor Augen haben

Elder Dieter F. Uchtdorf
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Wenn ihr dem Herrn vertraut und ihm folgt, wird er euch helfen, das gro?artige Potenzial zu verwirklichen, das er in euch sieht.

Meine lieben Br?der, es ist wunderbar und stimmt mich dem?tig, heute Abend in dieser weltweiten Versammlung von Priestertumstr?gern bei Ihnen und bei euch zu sein. Ich betrachte es als eine Ehre, zu Ihnen zu z?hlen. Ich gr??e Sie, die Sie die Vollmacht haben, im Namen Gottes zu handeln und die heiligen Handlungen zu vollziehen, die ein lebenswichtiger Kraftquell f?r die Ewigkeit und das Wohl der ganzen Menschheit sind.

Heute spreche ich zu euch, den au?ergew?hnlichen jungen M?nnern des Aaronischen und Melchisedekischen Priestertums, die ihr euch bereitmacht, die Welt zum Besseren zu ver?ndern. Ihr tragt das Priestertum Gottes – eine wunderbare Macht, mit der ihr Gutes bewirken k?nnt. Ihr lebt in einer Zeit gro?er Herausforderungen und M?glichkeiten. Als Geists?hnen himmlischer Eltern steht es euch frei, euch richtig zu entscheiden. Dazu geh?rt harte Arbeit, Selbstdisziplin, aber auch ein optimistischer Blick in die Zukunft. Das wird euch Freude und Sicherheit in euer Leben bringen, sowohl jetzt als auch in der Zukunft.

Der Herr sagte zu Abraham: „Mein Name ist Jehova, und ich wei? das Ende von Anfang an; darum wird meine Hand ?ber dir sein.“1 Wenn ihr ihm vertraut und ihm folgt, wird er euch helfen, das gro?artige Potenzial zu verwirklichen, das er in euch sieht.

Doch lasst mich zuerst ein Erlebnis aus meiner Kindheit erz?hlen. Als ich elf Jahre alt war, musste meine Familie ?ber Nacht Ostdeutschland verlassen und sich im Westen eine neue Existenz aufbauen. Bis mein Vater in seinen angestammten Beruf als Zollbeamter zur?ckkehren konnte, betrieben meine Eltern eine kleine W?scherei in Bergen-Enkheim, wo wir wohnten. Ich wurde der Laufbursche dieser W?scherei. Um dieser Aufgabe gut nachzukommen, brauchte ich ein Fahrrad, mit dem ich die schwere W?schekarre zog. Ich hatte mir schon immer ein schickes, schnittiges, funkelndes rotes Sportfahrrad gew?nscht. Aber wir hatten nie genug Geld, um mir diesen Traum zu erf?llen. Stattdessen bekam ich nun ein schweres, h?ssliches, schwarzes, robustes Arbeitstier von einem Rad, mit dem ich die schwere W?schekarre ziehen konnte. Mit diesem Fahrrad lieferte ich einige Jahre lang vor und nach der Schule W?sche aus. Die meiste Zeit bereiteten mir das Rad, die Karre und meine Arbeit kein allzu gro?es Vergn?gen. Manchmal kam mir die Karre so schwer und die Arbeit so erm?dend vor, dass ich anhalten und nach Luft schnappen musste, weil ich dachte, mir platzt gleich die Lunge. Ich erf?llte meine Aufgabe aber trotzdem, weil ich wusste, dass die Familie dringend ein Einkommen brauchte und ich so dazu beitragen konnte.

Wenn ich damals nur schon gewusst h?tte, was ich erst viele Jahre sp?ter erfahren sollte – wenn ich das Ende von Anfang an vor Augen gehabt h?tte – w?re ich f?r diese Erfahrungen dankbarer gewesen, und meine Arbeit w?re mir bestimmt viel leichter gefallen.

Viele Jahre sp?ter, als meine Einberufung zur Bundeswehr bevorstand, meldete ich mich freiwillig zur Luftwaffe, um Pilot zu werden. Der Fliegerei galt meine gro?e Liebe, und so schien mir Pilot genau das Richtige zu sein.

Um angenommen zu werden, musste ich eine Reihe Tests ?ber mich ergehen lassen, und so wurde auch mein Gesundheitszustand eingehend untersucht. Die ?rzte waren ziemlich verwundert, als sie die Befunde bewerteten, und f?hrten noch mehr Tests durch. Schlie?lich erkl?rten Sie mir: „Sie haben Narben an der Lunge, die auf eine Erkrankung im fr?hen Teenageralter hinweisen, aber offenbar sind Sie jetzt gesund.“ Die ?rzte fragten mich, welche Behandlung ich wohl bekommen hatte, dass die Lunge wieder heil war. Bis zum Tage der Untersuchung hatte ich keine Ahnung gehabt, dass ich ?berhaupt an der Lunge erkrankt gewesen war. Da wurde mir pl?tzlich klar, dass meine regelm??ige k?rperliche Bet?tigung an der frischen Luft als W?schereijunge entscheidend zur Heilung der Krankheit beigetragen hatte. H?tte ich damals nicht tagein, tagaus mit dem schweren Fahrrad die W?schekarre die Stra?en in unserem Wohnort hinauf- und hinunterziehen m?ssen, w?re es mir vielleicht nie gelungen, einmal Kampfpilot und sp?ter Kapit?n einer 747 zu werden.

Nicht immer wissen wir genau, was die Zukunft f?r uns bereith?lt. Wir wissen nicht, was vor uns liegt. Wir leben in ungewissen Zeiten. Von allen Seiten stellen sich uns Herausforderungen. Gelegentlich macht sich im Alltag sogar Entmutigung breit; Entt?uschung mag sich unserer Gedanken bem?chtigen, Zweifel am Wert unserer Arbeit aufkommen. In solch finsteren Augenblicken fl?stert uns der Satan ins Ohr, dass wir es niemals schaffen werden, dass der Lohn die M?he nicht wert ist und dass das Wenige, was wir leisten k?nnen, niemals etwas ?ndern kann. Als der Vater aller L?gen wird er zu verhindern suchen, dass wir von Anfang an das Ende vor Augen haben.

Zum Gl?ck werdet ihr jungen Priestertumstr?ger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage von Propheten, Sehern und Offenbarern unserer Zeit unterwiesen. Die Erste Pr?sidentschaft hat gesagt: „Wir setzen gro?es Vertrauen in euch. Ihr seid auserw?hlte Geistkinder ? Ihr habt eure Reise durch das Erdenleben gerade erst angetreten. Euer Vater im Himmel m?chte, dass euer Leben gl?cklich wird, und er m?chte euch in seine Gegenwart zur?ckf?hren. Die Entscheidungen, die ihr jetzt trefft, haben gro?e Auswirkungen auf den Verlauf eures Lebens hier und in der Ewigkeit.“2 „Es ist [eure] Aufgabe zu erkennen, was der himmlische Vater von [euch] erwartet, und seinen Willen dann so gut [ihr k?nnt] zu befolgen.“3

Solch ein prophetischer Blickwinkel f?hrt euch das Ende von Anfang an vor Augen.

Der Herr liebt euch, deshalb hat er euch Gebote und die Worte der Propheten gegeben, die euch auf eurer Reise durch das Leben leiten sollen. Einige der wichtigsten Richtlinien f?r euer Leben findet ihr in der Brosch?re F?r eine starke Jugend. So, wie dieses kleine B?chlein aussieht, k?nnte man gut das Wort aus den heiligen Schriften darauf beziehen, dass aus „etwas Kleinem ? das Gro?e“ hervorgeht.4 Die Brosch?re selbst hat nur einen geringen Materialwert, es sind vielleicht nur ein paar Cents. Sie ist aber von unsch?tzbarem Wert und ein Segen f?r euch, wenn ihr euch mit den Lehren und Grunds?tzen besch?ftigt, die darin stehen, und sie annehmt. Falls ihr 18 Jahre oder ?lter seid und keine Brosch?re mehr habt, besorgt euch eine, behaltet sie und benutzt sie. Dieses kleine B?chlein ist ein Kleinod f?r jede Altersgruppe und hat die Ma?st?be zum Inhalt, die uns als heilige Symbole unserer Mitgliedschaft gelten.

Ich m?chte eure Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass die Brosch?re F?r eine starke Jugend, die dazugeh?rige Anleitung f?r Eltern und Jugendf?hrer und der Tempelschein der Kirche allesamt als Symbol auf der Vorderseite ein Bild vom Salt-Lake-Tempel aufweisen. Der Tempel ist das Bindeglied zwischen den Generationen – in diesem Leben und in der Ewigkeit. Alle Tempel sind demselben Zweck geweiht worden, n?mlich dazu beizutragen, dass das Werk und die Herrlichkeit Gottes, unseres ewigen Vaters, verwirklicht wird, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen“.5 Die Tempel sind heilige Geb?ude, in denen Fragen von ewiger Bedeutung beantwortet, Wahrheiten gelehrt und heilige Handlungen vollzogen werden, damit wir in Kenntnis unseres g?ttlichen Erbes als Kinder Gottes und im Bewusstsein unseres Potenzials als ewige Wesen leben k?nnen. Die Tempel helfen euch, das Ende von Anfang an vor Augen zu haben.

So, wie euch der Tempel Gottes heilig ist, so ist es auch mit dem K?rper. Der Apostel Paulus hat gesagt: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr geh?rt nicht euch selbst, denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib.“6

Liebe Priestertumstr?ger jeden Alters und an allen Orten der Erde, lassen Sie uns unsere Gedanken, unsere Intelligenz, unser Herz und unseren K?rper in einer w?rde- und achtungsvollen Weise nutzen, die eines heiligen Tempels, der uns von unserem himmlischen Vater gegeben wurde, w?rdig ist.

Die Propheten unserer Tage haben euch, meine jungen Freunde, versprochen, dass ihr in der Lage sein werdet, euer Lebenswerk mit gr??erer Weisheit und gr??eren F?higkeiten zu vollenden und Pr?fungen mit gr??erem Mut zu bestehen, wenn ihr euch an die Ma?st?be aus der Brosch?re F?r eine starke Jugend haltet und nach der Wahrheit aus den heiligen Schriften lebt. Der Heilige Geist wird euch helfen. Ihr werdet w?rdig sein, in den Tempel zu gehen und dort die heiligen Handlungen zu empfangen. Diese Segnungen und noch viele weitere k?nnen euch geh?ren.7

Wir wissen, dass Gott h?lt, was er verspricht. Wir m?ssen unseren Teil tun, um diese Segnungen erlangen zu k?nnen. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Wenn wir irgendeine Segnung von Gott erlangen, dann nur, indem wir das Gesetz befolgen, auf dem sie beruht.“8

Jedes Mitglied, das in den Tempel gehen m?chte, muss sich ungeachtet seines Alters auf diesen heiligen Augenblick vorbereiten. Euer Bischof und euer Pfahlpr?sident werden euch wichtige Fragen stellen wie die, ob ihr ehrlich und sittlich rein seid, ob ihr das Wort der Weisheit haltet, das Gesetz des Zehnten befolgt und die Autorit?ten der Kirche anerkennt. Die Antworten auf diese Schl?sselfragen spiegeln eure Einstellung und eure Verhaltensweisen wider.

Euch jungen Br?dern ist vielleicht nicht bewusst, dass die Ma?st?be, die der Herr in den Fragen zum Tempelschein vorgegeben hat, sehr den Ma?st?ben ?hneln, die in der Brosch?re F?r eine starke Jugend angesprochen werden. Diese Ma?st?be helfen euch, stets das Rechte zu w?hlen – in ruhigen und entspannten Zeiten, aber auch in Momenten der gef?hrlichsten Versuchung. Unter dem Einfluss des Heiligen Geistes werdet ihr euch richtig entscheiden, was Ausbildung, Freunde, Kleidung und ?u?ere Erscheinung, Unterhaltung und Medien, Ausdrucksweise, gute Verabredungen, sexuelle Reinheit, Ehrlichkeit, das Verhalten am Sonntag und den Dienst am N?chsten betrifft. Wie ihr diese Ma?st?be im Leben umsetzt, sagt viel dar?ber aus, wer ihr seid und wer ihr sein wollt.

Der Herr m?chte, dass ihr, meine jungen Freunde, von ganzem Herzen bestrebt seid, nach diesen Ma?st?ben und nach der Wahrheit in den heiligen Schriften zu leben. Wenn ihr dies tut, werdet ihr ?ber den Augenblick hinausschauen, und ihr werdet eine strahlend sch?ne Zukunft vor euch sehen, die gro?e Chancen und Aufgaben f?r euch bereith?lt. Ihr werdet erkennen, dass euer Lebenspfad euch zun?chst ins Haus des Herrn f?hrt und dann zu einer Vollzeitmission, auf der ihr den Erretter vertretet, wo immer er euch hinschickt. Nach eurer Mission werdet ihr euer Leben und eure Zukunft weiterhin nach diesen Ma?st?ben ausrichten und planen. Dann werdet ihr vor eurem geistigen Auge sehen, wie ihr in den Tempel geht, um eine ewige Ehe und Familie zu gr?nden. Eure Priorit?ten im Leben werden sich in die Priorit?ten wandeln, die der Erretter uns gesetzt hat. Gott wird euch segnen und die Augen eures Verst?ndnisses ?ffnen, und ihr werdet das Ende von Anfang an vor Augen haben.

Wenn ihr nach den Ma?st?ben aus der Brosch?re F?r eine starke Jugend lebt, werdet ihr an Gottvertrauen und Selbstvertrauen zunehmen. Pr?gt euch diese Ma?st?be in Herz und Sinn ein und lebt danach. Vergegenw?rtigt euch bei jedem einzelnen Ma?stab, wo ihr heute steht. Achtet auf den Heiligen Geist, der euch sagt, was ihr tun m?sst, um mehr so zu werden wie Jesus. Wenn ihr merkt, dass ihr etwas ?ndern m?sst, dann ?ndert es und z?gert nicht. Bedient euch wahrer Umkehr und der Gabe und Macht des S?hnopfers Jesu Christi, um das zu bereinigen, was euch hindert, euer wahres Potenzial auszusch?pfen. Wenn euch dieses Verfahren manchmal schwer erscheint – bleibt dran, bei?t euch durch! Es lohnt sich! Der Herr verhei?t euch das, was er auch dem Propheten Joseph Smith verhei?en hat: „Wisse, mein Sohn, dass dies alles dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen wird.“9

Wir Gro?v?ter, V?ter, Onkel, Br?der und Freunde unserer jungen Leute k?nnen in diesem Entwicklungsprozess eine entscheidende St?tze sein. K?nig Benjamin erkl?rte, wie wir, durch unsere eigene Bekehrung, unserer Jugend helfen k?nnen, „auf den Wegen der Wahrheit und Ernsthaftigkeit zu wandeln; [und] ihr werdet sie lehren, einander zu lieben und einander zu dienen.“10 Jemand hat einmal gesagt: „Durch Beispiel lehren ist eine Art zu lehren.“ Ich w?rde sagen: „Durch Beispiel lehren ist die beste Art zu lehren.“

Bitte lehren Sie unsere jungen Leute durch Ihr Beispiel als ein tempelw?rdiger Priestertumstr?ger. Ihr gutes Leben, Ihre Liebe, Ihr praktiziertes Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi werden eine ?berzeugende Wirkung auf die Jugend der Kirche haben und ihr helfen, das Ende von Anfang an vor Augen zu haben.

Meine jungen Freunde, bitte vervollkommnet euch in diesen Ma?st?ben, die der Herr durch die Propheten unserer Zeit gegeben hat. Indem ihr euch bem?ht, dies Schritt f?r Schritt und Tag f?r Tag zu tun, ehrt ihr das Priestertum Gottes und macht euch bereit, die Welt zum Besseren zu ver?ndern. Damit liegt ihr auch auf dem richtigen Kurs, um ehrenhaft zu unserem himmlischen Vater zur?ckzukehren.

Liebe Mitknechte im Priestertum, ich verspreche euch heute, wenn ihr diesen Weg geht, wird Gott mehr aus eurem Leben machen, als ihr es selbst je k?nntet, und der Herr wird euch helfen, immer das Ende von Anfang an vor Augen zu haben!

Das bezeuge ich als ein Apostel des Herrn und im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Abraham 2:8
  2. F?r eine starke Jugend, Seite 2
  3. Aaronisches Priestertum – unsere Pflicht vor Gott erf?llen, Seite 4
  4. LuB 64:33
  5. Mose 1:39
  6. 1 Korinther 6:19,20
  7. Vgl. F?r eine starke Jugend, Seite 3
  8. LuB 130:21
  9. LuB 122:7
  10. Mosia 4:15