177th Annual General Conference, April 2007

Der ?Point of Safe Return?

Elder Dieter F. Uchtdorf
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Das S?hnopfer Jesu Christi, das uns geschenkt wurde, er?ffnet uns jederzeit und ?berall die Segnungen der Umkehr und der Vergebung.

W?hrend  meiner Ausbildung zum Flugkapit?n musste ich lernen, wie man ein Flugzeug auf Langstrecken steuert. Ein Flug ?ber die Weiten der Meere, ?ber endlose W?sten hinweg von einem Kontinent zum anderen verlangt nach sorgf?ltiger Planung, wenn man sicher am vorgesehenen Bestimmungsort ankommen will. So ein Nonstop-Flug kann sich ?ber bis zu 14 Stunden und an die 14 000 Kilometer erstrecken.

Auf solch langen Fl?gen gibt es einen entscheidenden Punkt, den man gemeinhin als Point of Safe Return oder als Punkt, an dem eine sichere R?ckkehr m?glich ist, kennt. Bis dahin hat das Flugzeug gen?gend Treibstoff, um wenden und sicher zum Ausgangsflughafen zur?ckkehren zu k?nnen. Ist dieser Punkt ?berschritten, f?llt diese M?glichkeit weg, und der Kapit?n muss weiterfliegen. Deshalb spricht man oft auch vom Point of No Return oder vom Punkt, an dem es kein Zur?ck mehr gibt.

Gibt es in unserem Leben Punkte, an denen es kein Zur?ck mehr gibt?

Der Satan, ?der Vater aller L?gen? (2 Nephi 2:18), ?der Vater des Streites? (3 Nephi 11:29), ?der Urheber aller S?nde? (Helaman 6:30) und der ?Feind Gottes? (Moroni 7:12) bedient sich der Kr?fte des B?sen, um uns weiszumachen, dass es kein Zur?ck mehr gibt, wenn wir s?ndigen. In der heiligen Schrift wird er der Verleumder genannt, weil er uns das Gef?hl geben m?chte, Vergebung sei f?r uns au?er Reichweite. Der Satan m?chte uns glauben machen, dass wir den Punkt, an dem es kein Zur?ck mehr gibt, ?berschreiten, wenn wir eine S?nde begehen. In unserer sch?nen, aber auch problembeladenen Welt ist diese Ansicht leider tats?chlich die Ursache f?r gro?en Kummer, Trauer und Leid in Familien, bei Ehepaaren und bei vielen Einzelnen.

Der Satan versucht, Gottes Werk zu verf?lschen, und viele lassen sich von ihm t?uschen. Er verwendet sogar Schriftstellen, damit seine L?gen plausibler erscheinen. Er will uns die Hoffnung nehmen. Damit wir uns so elend f?hlen wie er selbst und glauben, Vergebung sei au?er Reichweite, verdreht der Satan bisweilen sogar Worte aus den heiligen Schriften, die Gottes Gerechtigkeit hervorheben, so, dass wir den Eindruck gewinnen, es gebe keine Barmherzigkeit.

Welchen Plan hat der Herr f?r unsere sichere R?ckkehr?

Schutz vor dem Einfluss des Teufels finden wir im Evangelium Jesu Christi. Die gute Botschaft lautet: Jesus Christus hat f?r alle Menschen ein vollkommenes S?hnopfer dargebracht. Es k?ndet von Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit und davon, dass der Mensch sich mit Gott vers?hnen kann.

Man s?ndigt, wenn man absichtlich ein Gesetz Gottes ?bertritt. Gott hat seinen Kindern das S?hnopfer Jesu Christi geschenkt, um die Folgen der S?nde zu ?berwinden. Gott liebt alle seine Kinder; er wird nie aufh?ren, uns zu lieben, und niemals die Hoffnung f?r uns aufgeben. Der Plan des himmlischen Vaters ist eindeutig; was er verhei?t, ist gro?artig: ?Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt ? gerettet wird.? (Johannes 3:17.)

Wenn wir einen falschen Kurs eingeschlagen haben, kann uns das S?hnopfer Jesu Christi die Gewissheit geben, dass S?nde kein Punkt ist, an dem es kein Zur?ck mehr gibt. Eine sichere R?ckkehr ist m?glich, wenn wir dem Plan Gottes folgen.

Diesen Plan haben wir von der h?chsten Autorit?t im Universum empfangen, n?mlich von Gott, unserem himmlischen Vater. Dieser Plan ist schon vor Grundlegung der Welt bereitet worden. Es ist ein gro?er Plan des Gl?cklichseins, ein Plan der Barmherzigkeit, ein Plan der Errettung. Dieser Plan erm?glicht uns die Erfahrung eines k?rperlichen Daseins, zu dem auch das Erdenleben geh?rt, eine Zeit der Bew?hrung, und die R?ckkehr in die Gegenwart Gottes, wo wir ewig gl?cklich sein und in Herrlichkeit leben k?nnen. Er wird in den Lehren des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi erkl?rt.

Folgen wir diesem Plan, so wirkt es sich f?r die Ewigkeit wunderbar aus ? f?r uns selbst, f?r unsere Familie, f?r k?nftige Generationen und sogar f?r die Generationen, die uns vorausgegangen sind. Vers?hnung und Vergebung sind Bestandteile dieses Plans.

Wie k?nnen wir Vergebung von Gott erlangen?

Wir r?umen ein, dass ?alle ? ges?ndigt und die Herrlichkeit Gottes verloren [haben]? (R?mer 3:23), aber wir verk?ndigen auch voller ?berzeugung, dass Umkehr und Vergebung ebenso wirklich sein k?nnen wie die S?nde.

Das S?hnopfer Jesu Christi bewirkt, dass jeder Mensch sich f?r seine eigenen S?nden verantworten muss. Wir ?berwinden die Auswirkungen unserer eigenen S?nden, indem wir Anspruch auf die Segnungen und die Vorteile erheben, die das S?hnopfer Jesu Christi mit sich bringt.

Pr?sident David O. McKay hat gesagt: ?Jeder Grundsatz und jede Verordnung des Evangeliums Jesu Christi ist bedeutsam und wichtig ?, aber nichts ist so entscheidend f?r die Errettung der Menschheit wie der g?ttliche und ewig g?ltige Grundsatz Umkehr.? (Gospel Ideals, 1953, Seite 13.)

?Denn Errettung wird keinem ? zuteil, au?er durch Umkehr und Glauben an den Herrn Jesus Christus.? (Mosia 3:12.)

Es ist nicht die Umkehr an sich, die den Menschen rettet. Es ist das Blut Jesu Christi, das uns errettet. Wir werden nicht allein durch unsere ehrliche und aufrichtige Verhaltens?nderung gerettet, sondern ?durch Gnade ?, nach allem, was wir tun k?nnen? (2 Nephi 25:23). Wahre Umkehr ist allerdings die Bedingung daf?r, dass Gottes Vergebung in unserem Leben wirksam wird. Wahre Umkehr verwandelt ?die finsterste Nacht in einen strahlend hellen Tag? (Lehren der Pr?sidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 41).

Was macht wahre Umkehr aus?

Wir brauchen starken Glauben an Christus, um umkehren zu k?nnen. Unser Glaube muss eine ?richtige Vorstellung von [Gottes] Wesen, seiner Vollkommenheit und seinen Eigenschaften? einschlie?en (Lectures on Faith, 1985, Seite 38). Wenn wir glauben, dass Gott alles wei?, dass er uns liebt und dass er barmherzig ist, k?nnen wir ohne jeden Zweifel auf ihn vertrauen, was unsere Errettung betrifft. Der Glaube an Christus ?ndert alle Gedanken, Ansichten und Verhaltensweisen, die nicht mit dem Willen Gottes im Einklang stehen.

Wahre Umkehr bringt uns dahin zur?ck, dass wir das Rechte tun. Zur wahren Umkehr geh?rt, dass wir unsere S?nden einsehen und Reue, also gottgewollte Traurigkeit, empfinden, und diese S?nden Gott bekennen. Wenn wir eine schwere S?nde begangen haben, m?ssen wir sie auch dem f?r uns zust?ndigen Priestertumsf?hrer bekennen. Wir m?ssen Gott um Vergebung bitten und tun, was wir k?nnen, um Schaden wiedergutzumachen, den wir durch unser Verhalten angerichtet haben. Umkehr bedeutet einen Herzens- und Sinneswandel ? wir h?ren auf, das Falsche zu tun, und beginnen, das Rechte zu tun. Daraus erw?chst eine neue Einstellung zu Gott, zu uns selbst und zum Leben allgemein.

Was sind die Fr?chte der Vergebung?

Wahre Umkehr bringt in unser Leben viele segensreiche Auswirkungen des S?hnopfers: Wir f?hlen, dass Gott uns vergibt, und k?nnen seinen Frieden sp?ren; Schuld und Trauer werden von uns genommen; wir versp?ren in gr??erem Ma?e den Einfluss des Geistes, und wir sind besser darauf vorbereitet, beim himmlischen Vater zu leben.

Pr?sident Spencer W. Kimball hat gesagt: ?Das Wesentliche am Wunder der Vergebung ist, dass die angsterf?llte, ruhelose, ungl?ckliche und vielleicht gepeinigte Seele dadurch Frieden findet. ? Gott [wischt] die Tr?nen der Seelenpein, der Gewissensqual ?, der Furcht und Schuld ? ab.? (Lehren der Pr?sidenten der Kirche: Spencer W. Kimball, Seite 41f.)

Der Prophet Alma, der durch Gottes Vergebung aus der S?nde ins Gl?cklichsein zur?ckgef?hrt wurde, hat verk?ndet: ?Schlecht zu sein hat noch nie gl?cklich gemacht.? (Alma 41:10.) Er hatte die bitteren Qualen der S?nde erlebt, aber er sprach auch voll Begeisterung ?ber das Gl?cksgef?hl, das wahre Umkehr und Vergebung begleitet: ?Ja, ich sage dir, ? nichts [kann] so au?erordentlich und so s?? sein, wie meine Freude es war.? (Alma 36:21.) Alma schloss mit eindrucksvollen und weisen Worten an all jene, die nach Vergebung trachten: ?Und nun ? w?nsche ich, [ihr w?rdet euch] von diesen Dingen nicht mehr beunruhigen lassen, sondern [euch] nur von [euren] S?nden beunruhigen lassen, mit jener Unruhe, die [euch] hinabf?hrt zur Umkehr.? (Alma 42:29.)

Wie k?nnen wir erkennen, dass Gott uns vergeben hat?

Pr?sident Harold B. Lee hat gesagt: ?Wenn Sie alles in Ihrer Macht Stehende getan haben, um Ihre Fehler abzulegen, und im Herzen den Entschluss gefasst haben, sie nie mehr zu wiederholen, ? [kann in Ihre] Seele ein Frieden einziehen, der Ihnen die Gewissheit gibt, dass Ihre S?nden vergeben sind.? (Aus ?Law of Chastity Vital, Girls Told?, Church News, 2. September 1972, Seite 7.)

Sobald wir wahrhaft umgekehrt sind, wird Christus die Last der Schuld f?r unsere S?nden von uns nehmen. Wir k?nnen selbst Gewissheit erlangen, dass uns vergeben wurde und dass wir rein gemacht worden sind. Der Heilige Geist wird uns dies best?tigen; er ist es, der uns heiligt. Kein Zeugnis k?nnte gr??er sein!

Der Herr hat gesagt: ?Wer umkehrt und die Gebote des Herrn tut, dem wird vergeben.? (LuB 1:32; Hervorhebung hinzugef?gt.) ?Sei treu und eifrig ?, dann werde ich dich mit den Armen meiner Liebe umschlie?en.? (LuB 6:20.)

Au?erdem hat er verk?ndigt: ?Siehe, wer von seinen S?nden umgekehrt ist, dem ist vergeben, und ich, der Herr, denke nicht mehr an sie.? (LuB 58:42.)

Der Satan m?chte uns glauben machen, unsere S?nden seien uns nicht vergeben, weil wir uns an sie erinnern k?nnen. Der Satan ist ein L?gner; er will uns den Blick vernebeln und uns vom Pfad der Umkehr und Vergebung wegf?hren. Allerdings hat Gott nicht verhei?en, dass wir nicht mehr an unsere S?nden denken werden. Die Erinnerung hilft uns, die gleichen Fehler nicht zu wiederholen. Wenn wir aber treu bleiben, wird die Erinnerung an unsere S?nden nachlassen und mit der Zeit verblassen. Das ist Teil des unerl?sslichen Prozesses der Heilung und Heiligung. Alma bezeugte, dass er sich an seine S?nden zwar noch immer erinnern konnte, nachdem er Jesus um Gnade angefleht hatte, aber diese Erinnerung verfolgte und qu?lte ihn nicht mehr, weil er wusste, dass ihm vergeben worden war (siehe Alma 36:17-19).

Wir m?ssen alles vermeiden, was alte, s?ndhafte Erinnerungen wieder aufleben lassen k?nnte. Wenn wir uns ein ?reuige[s] Herz und einen zerknirschte[n] Geist? (3 Nephi 12:19) bewahren, k?nnen wir darauf vertrauen, dass Gott nicht mehr an unsere S?nden denkt.

Inwiefern hilft uns unsere Vergebungsbereitschaft, selbst Vergebung zu finden?

Jesus lehrte eine ewige Wahrheit, als er uns beten lehrte: ?Vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben. ? Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; wenn ihr aber ? nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.? (3 Nephi 13:11,14,15.)

Anderen vergeben ist daher eine Voraussetzung daf?r, dass einem vergeben wird.

Wir brauchen sittlichen Mut, um anderen zu vergeben und selbst um Vergebung zu bitten. Nichts macht unsere Seele edler und nie beweisen wir gr??eren Mut, als wenn wir vergeben. Dazu geh?rt auch, dass wir uns selbst vergeben.

Wir alle unterstehen der gottgegebenen Verpflichtung, aufeinander mit G?te und Barmherzigkeit zuzugehen und einander zu vergeben. Blo?e Lippenbekenntnisse sind nicht genug. Die Bereitschaft, sich zu vers?hnen und respektvoll miteinander zu reden, r?umt viele Schwierigkeiten aus und ist ein Segen f?r jeden. Diese christlichen Eigenschaften brauchen wir dringend ? in unserer Familie, in unserer Ehe, in unseren Gemeinden und Pf?hlen, in unserem Lebensumfeld und in unserem Land.

Wir m?ssen uns in Herz und Sinn von bitteren Gef?hlen und Gedanken reinigen und das Licht und die Liebe Christi einlassen. Dann wird der Geist des Herrn unsere Seele mit Freude und unser Gewissen mit Frieden erf?llen (siehe Mosia 4:2,3).

Liebe Br?der und Schwestern, liebe junge Freunde, wenn der Kapit?n eines Langstreckenflugzeugs den Punkt, an dem eine sichere R?ckkehr noch m?glich w?re, ?berschritten hat und der Gegenwind zu stark oder die Flugh?he zu niedrig ist, ist er vielleicht gezwungen, einen anderen als den geplanten Zielort anzusteuern. Nicht so auf unserer Reise durch das Leben, zur?ck zu unserem himmlischen Zuhause. Wo immer Sie sich auf ihrer Reise durchs Leben auch befinden, welchen Herausforderungen Sie auch begegnen: Es gibt immer einen Punkt, an dem eine sichere R?ckkehr m?glich ist, es gibt immer Hoffnung. Sie sind der Kapit?n in Ihrem Leben, und Gott hat einen Plan erstellt, wie Sie sicher zu ihm zur?ckkehren k?nnen. Das ist unser Bestimmungsort.

Das S?hnopfer Jesu Christi, das uns geschenkt wurde, er?ffnet uns jederzeit und ?berall die Segnungen der Umkehr und der Vergebung. Dank dieses Gottesgeschenks steht uns allen die M?glichkeit offen, den verh?ngnisvollen Kurs, auf den uns die S?nde bringt, zu verlassen und sicher zur?ckzukehren.

Daf?r danke ich unserem himmlischen Vater von ganzem Herzen und davon gebe ich aus ganzer Seele Zeugnis. Im Namen Jesu Christi. Amen.