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177th Annual General Conference, April 2007

Erinnerungen an das Tabernakel

Pr?sident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft

Wenn dieses Geb?ude heute erneut geweiht wird, m?gen wir geloben, unser Leben dem Werk unseres Herrn und Erl?sers, Jesus Christus, erneut zu weihen.

Br?der und Schwestern, sowohl hier im Tabernakel als auch Sie, die dank verschiedenster Hilfsmittel in aller Welt zuh?ren, es ist mir eine Freude, noch einmal in diesem herrlichen Geb?ude vor Ihnen zu stehen. An diesem Ort kann man nicht umhin, den Geist der Heiligen der Anfangszeit zu versp?ren, die dieses sch?ne Haus der Gottesverehrung errichtet haben, so wie auch derer, die ?ber die Jahre daf?r gesorgt haben, es zu erhalten und zu versch?nern.

In letzter Zeit habe ich an die vielen bedeutsamen Ereignisse in meinem Leben gedacht, die mit dem Tabernakel in Salt Lake City zu tun haben. Es sind zwar viel zu viele, als dass ich sie heute alle erw?hnen k?nnte, aber ich m?chte doch gern ?ber einige wenige sprechen.

Ich erinnere mich an die Zeit kurz vor meiner Taufe, als ich acht Jahre alt war. Mutter sprach mit mir ?ber Umkehr und die Bedeutung der Taufe, und dann brachte sie mich an einem Samstag im September 1935 mit der Stra?enbahn zum Taufraum des Tabernakels, der sich bis vor kurzem hier in diesem Geb?ude befand. Damals war es nicht so ?blich wie heute, dass V?ter ihre Kinder tauften, denn die heilige Handlung wurde meist an einem Samstagvormittag oder -nachmittag vollzogen, und viele V?ter gingen da noch ihrer t?glichen Arbeit oder ihren Gesch?ften nach. Ich zog wei?e Kleidung an und wurde getauft. Ich erinnere mich an diesen Tag, als sei es gestern gewesen, und auch, wie gl?cklich ich war, als diese heilige Handlung vollzogen wurde.

Im Laufe der Jahre, insbesondere w?hrend meiner Zeit als Bischof, wurde ich Zeuge vieler weiterer Taufen im Taufbecken des Tabernakels. Jede war ein besonderes und inspirierendes Erlebnis, und jede bewirkte, dass ich mich an meine eigene Taufe erinnerte.

Im April 1950 nahmen meine Frau Frances und ich an der Generalkonferenz-Versammlung am Sonntagnachmittag teil, die in diesem Geb?ude stattfand. Pr?sident George Albert Smith war der Pr?sident der Kirche, und er gab am Ende der Konferenz eine inspirierende und machtvolle Botschaft ?ber die Auferstehung unseres Herrn und Erretters, Jesus Christus. Bevor er seine Ausf?hrungen beendete, sprach er jedoch eine prophetische Warnung aus. Er sagte: ?Es dauert nicht mehr lange, dann wird Unheil ?ber die ganze Menschheit kommen, es sei denn, sie kehrt schnell um. Es dauert nicht mehr lange, bis die, die auf der ganzen Erde zerstreut sind, zu Millionen sterben werden ? aufgrund dessen, was kommen wird.? (Fr?hjahrs-Generalkonferenz 1950.) Das waren alarmierende Worte, denn sie kamen von einem Propheten Gottes.

Zweieinhalb Monate nach dieser Generalkonferenz, am 25. Juni 1950, brach der Korea-Krieg aus ? ein Krieg, der letztlich sch?tzungsweise 2,5 Millionen Menschenleben fordern sollte. Als das geschah, musste ich daran denken, was Pr?sident Smith gesagt hatte, als wir an jenem Fr?hlingstag in diesem Geb?ude sa?en.

Ich bin bei vielen Generalkonferenz-Versammlungen im Tabernakel gewesen, und immer bin ich von den Worten der f?hrenden Br?der erbaut und inspiriert worden. Dann bat mich im Oktober 1963 Pr?sident David O. McKay in sein B?ro und berief mich als Mitglied des Kollegiums der Zw?lf Apostel. Er forderte mich auf, diese heilige Berufung f?r mich zu behalten, mit niemandem dar?ber zu sprechen au?er meiner Frau und am kommenden Tag bei der Generalkonferenz im Tabernakel anwesend zu sein, wenn mein Name verlesen werde.

Am n?chsten Morgen betrat ich das Tabernakel, ohne genau zu wissen, wo ich sitzen sollte. Da ich dem Priestertumskomitee f?r das Heimlehren angeh?rte, beschloss ich, bei den Mitgliedern dieses Komitees Platz zu nehmen. Ich entdeckte einen meiner Freunde namens Hugh Smith, der ebenfalls in diesem Komitee war. Er winkte mir zu, ich solle mich neben ihn setzen. Ich konnte ihm nichts ?ber meine Berufung erz?hlen, aber ich setzte mich.

W?hrend der Versammlung wurden die Mitglieder des Kollegiums der Zw?lf Apostel best?tigt, und nat?rlich wurde auch mein Name vorgelesen. Ich glaube, der Weg von den Zuh?rerreihen zum Podium war die l?ngste Wegstrecke, die ich in meinem ganzen Leben zur?ckgelegt habe.

Fast vierundvierzig Jahre sind seit dieser Konferenz vergangen. Bis zum Jahr 2000, als das Konferenzzentrum geweiht wurde, durfte ich 101 Generalkonferenzansprachen vom Pult in diesem Geb?ude halten, die Ansprachen bei Konferenzen der Hilfsorganisationen und in anderen Versammlungen, die hier stattfanden, nicht mitgez?hlt. Mit meiner heutigen Ansprache komme ich auf 102. Im Laufe der Jahre, in denen ich hier gestanden habe, habe ich viele geistige Erlebnisse gehabt.

W?hrend der Ansprache, die ich bei der Herbst-Generalkonferenz 1975 hielt, f?hlte ich mich gedr?ngt, meine Worte an ein kleines M?dchen mit langem, blondem Haar zu richten, das auf der Empore dieses Geb?udes sa?. Ich machte die Zuh?rer auf das Kind aufmerksam, und die Worte kamen mir so leicht ?ber die Lippen, dass es f?r mich ein Zeugnis war, dass dieses kleine M?dchen die Botschaft ?ber den Glauben einer anderen jungen Frau, die ich im Sinn hatte, wohl brauchte.

Nach der Versammlung ging ich wieder zu meinem B?ro, wo ein Kind namens Misti White mit seinen Gro?eltern und einer Tante bereits auf mich wartete. Als ich sie begr??te, erkannte ich in Misti das M?dchen auf der Empore, an das ich meine Ansprache gerichtet hatte. Ich erfuhr, dass ihr achter Geburtstag bevorstand und sie unschl?ssig war, ob sie sich taufen lassen solle oder nicht. Sie hatte das Gef?hl, sie w?rde sich gern taufen lassen, und ihre Gro?eltern, bei denen sie lebte, wollten das auch. Aber ihre weniger aktive Mutter meinte, sie solle warten, bis sie achtzehn sei, um die Entscheidung zu treffen. Misti hatte zu ihren Gro?eltern gesagt: ?Wenn wir zur Konferenz in Salt Lake City fahren, sagt mir der himmlische Vater vielleicht, was ich tun soll.?

Misti, ihre Gro?eltern und ihre Tante waren von Kalifornien nach Salt Lake City zur Konferenz gereist und hatten Pl?tze im Tabernakel f?r die Versammlung am Samstagnachmittag bekommen. Genau dort sa?en sie, als ich auf Misti aufmerksam wurde und mich entschloss, zu ihr zu sprechen.

Als wir nach der Versammlung schon eine Weile zusammen waren, sagte Mistis Gro?mutter zu mir: ?Ich glaube, es da gibt etwas, was Misti Ihnen gern sagen m?chte.? Dieses niedliche kleine M?dchen sagte: ?Bruder Monson, als Sie bei der Konferenz gesprochen haben, haben Sie meine Frage beantwortet. Ich m?chte mich taufen lassen!?

Die Familie kehrte nach Kalifornien zur?ck, und Misti wurde getauft und als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage konfirmiert. ?ber all die Jahre ist Misti dem Evangelium Jesu Christi treu und standhaft geblieben. Vor vierzehn Jahren hatte ich die Freude, f?r sie die Eheschlie?ung im Tempel mit einem guten jungen Mann vorzunehmen. Heute ziehen die beiden f?nf wunderbare Kinder gro?, ein weiteres ist unterwegs.

Br?der und Schwestern, ich empfinde es als ein Vorzug, noch einmal am Rednerpult des Tabernakels, in diesem Geb?ude, zu stehen, das f?r mich so wunderbare Erinnerungen birgt. Das Tabernakel ist ein Teil meines Lebens ? ein Teil, der mir kostbar ist.

Ich hatte die Ehre und Freude, im Laufe meines Lebens meinen Arm rechtwinklig zu heben, um neun Pr?sidenten der Kirche zu best?tigen, als ihr Name verlesen wurde. Heute Morgen habe ich mit Ihnen zusammen ein weiteres Mal unseren geliebten Propheten, Pr?sident Gordon B. Hinckley, best?tigt. Es ist eine Freude und ein Vorzug, gemeinsam mit Pr?sident Faust an seiner Seite zu dienen.

Wenn dieses Geb?ude heute erneut geweiht wird, m?gen wir geloben, unser Leben dem Werk unseres Herrn und Erl?sers, Jesus Christus, erneut zu weihen ? dem Werk dessen, der so bereitwillig starb, damit wir leben m?gen. M?gen wir jeden Tag auf seinen Spuren wandeln. Darum bitte ich dem?tig im Namen Jesu Christi. Amen.