177th Annual General Conference, April 2007

Heute

Elder Henry B. Eyring
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Wir alle werden seine Hilfe brauchen, um die Trag?die abzuwenden, das aufzuschieben, was wir hier und jetzt tun m?ssen, um einmal ewiges Leben zu haben.

Das Wort irgendwann birgt Gefahr in sich, wenn man damit sagen will ?nicht heute?. ?Irgendwann werde ich umkehren.? ?Irgendwann werde ich ihm vergeben.? ?Irgendwann werde ich meinem Freund von der Kirche erz?hlen.? ?Irgendwann werde ich anfangen, den Zehnten zu zahlen.? ?Irgendwann werde ich wieder in den Tempel gehen.? ?Irgendwann.??

Die heiligen Schriften machen deutlich, welche Gefahr mit dem Hinausz?gern verbunden ist: N?mlich dass wir vielleicht feststellen, dass die Zeit abgelaufen ist. Der Gott, der uns einen jeden Tag als Schatz gibt, wird Rechenschaft verlangen. Wir werden weinen, und er wird weinen, wenn wir den Vorsatz hatten, in einer Zukunft, die niemals kam, umzukehren und ihm zu dienen, oder wenn wir von einem Gestern getr?umt haben, in dem die Chance zu handeln schon vor?ber war. Der heutige Tag ist eine kostbare Gabe Gottes. Der Gedanke ?irgendwann werde ich? kann uns die Gelegenheiten der Zeit und die Segnungen der Ewigkeit rauben.

Die folgenden im Buch Mormon aufgezeichneten Worte sind eine ernste Warnung. Wir werden ermahnt:

?Und nun, wie ich euch schon zuvor gesagt habe, da ihr so viele Zeugnisse habt, deshalb flehe ich euch an, den Tag eurer Umkehr nicht bis zum Ende aufzuschieben; denn nach diesem Tag des Lebens, der uns gegeben ist, damit wir uns auf die Ewigkeit vorbereiten, siehe ? wenn wir unsere Zeit w?hrend dieses Lebens nicht nutzbringend anwenden, dann kommt die Nacht der Finsternis, in der keine Arbeit verrichtet werden kann.

Wenn ihr an diesen furchtbaren Punkt gebracht werdet, k?nnt ihr nicht sagen: Ich will umkehren, ich will zu meinem Gott zur?ckkehren. Nein, das k?nnt ihr nicht sagen; denn der gleiche Geist, der euren K?rper zu der Zeit beherrscht, da ihr aus diesem Leben scheidet, dieser selbe Geist wird die Macht haben, euren K?rper in jener ewigen Welt zu beherrschen.?1

Amulek warnt dann: Wenn man es aufschiebt, Umkehr zu ?ben und zu dienen, kann das zur Folge haben, dass der Geist des Herrn sich von einem zur?ckzieht.

Aber mit der Warnung gibt er uns auch diese Hoffnung: ?Und dies wei? ich, weil der Herr gesagt hat, er wohne nicht in unheiligen Tempeln, sondern im Herzen der Rechtschaffenen wohne er; ja, und er hat auch gesagt, die Rechtschaffenen werden sich in seinem Reich niedersetzen und nie mehr hinausgehen; ihre Kleider aber werden durch das Blut des Lammes wei? gemacht.?2

In den heiligen Schriften gibt es viele Beispiele von klugen Dienern Gottes, die den jeweiligen Tag als Schatz betrachteten und sich daf?r entschieden, alles zu tun, was sie konnten, um zur Reinigung beizutragen. Josua war einer von ihnen: ?Entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt?, sagte er, ?ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.?3

Wenn wir ihm dienen, laden wir den Heiligen Geist ein, bei uns zu sein. Und der Heilige Geist reinigt von S?nden.

Selbst der Erretter, der ohne S?nde war, gab ein Beispiel daf?r, dass man nichts aufschieben darf. Er sagte:

?Wir m?ssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.?4

Als der auferstandene Heiland ist er heute und f?r immer das Licht der Welt. Er ist es, der uns auffordert, zu ihm zu kommen und ihm zu dienen, ohne es hinauszuz?gern. Er spornt Sie und mich mit diesen Worten an: ?Ich liebe alle, die mich lieben, und wer mich sucht, der wird mich finden.?5

Das gilt f?r jeden Tag ebenso wie f?r das ganze Leben. Ein Gebet am Morgen und das Forschen in den heiligen Schriften zu fr?her Stunde, um zu erfahren, was wir f?r den Herrn tun sollen, k?nnen den Kurs eines Tages bestimmen. Wir k?nnen erfahren, welche Aufgabe von denen, die uns zur Wahl stehen, Gott und damit auch uns am wichtigsten ist. Ich habe festgestellt, dass ein solches Gebet immer beantwortet wird, wenn wir f?gsam wie ein Kind bitten und dar?ber nachdenken, und dann bereit sind, ohne Z?gern zu handeln und auch den einfachsten Dienst zu tun.

An vielen Tagen wird das, was am wichtigsten ist, nicht leicht zu erf?llen sein. Das soll es auch nicht. Gottes Absicht bei der Sch?pfung war, dass wir uns beweisen. Der Plan wurde uns in der Geisterwelt vor unserer Geburt erkl?rt. Wir waren dort tapfer genug, uns die Gelegenheit zu verdienen, hier Versuchungen zu widerstehen, und uns so auf das ewige Leben, die gr??te aller Gaben Gottes, vorzubereiten. Wir freuten uns, weil wir wussten, dass es in dieser Pr?fung um glaubenstreuen Gehorsam gehen sollte, auch wenn es nicht einfach werden w?rde: ?Und wir wollen sie hierdurch pr?fen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet.?6

Obwohl wir wussten, dass die Pr?fung schwer sein w?rde, freuten wir uns, weil wir ?berzeugt waren, sie bestehen zu k?nnen. Unsere Zuversicht beruhte auf dem Wissen, dass Jesus Christus als unser Erretter in die Welt kommen w?rde. Er w?rde den Tod ?berwinden. Er w?rde es uns erm?glichen, von unseren S?nden gereinigt zu werden, indem wir uns f?r die Auswirkungen seines S?hnopfers w?rdig machen.

Wir kannten auch einige beruhigende Tatsachen dar?ber, was f?r die Reinigung erforderlich sein w?rde, die wir ben?tigen w?rden. Alles, was f?r diese Reinigung gebraucht wird ? Taufe mit Vollmacht, den Heiligen Geist unter den H?nden von bevollm?chtigten Priestertumstr?gern empfangen, an den Herrn denken und so seinen Geist mit uns haben und dann seine Gebote halten ?, all das sollte auch dem Einfachsten von uns m?glich sein. Weder ein herausragender Intellekt noch Reichtum noch ein langes Leben w?rden daf?r notwendig sein. Und wir wussten, dass der Erretter uns zu sich ziehen und die Macht haben w?rde, uns zu helfen, wenn die Pr?fung schwer und die Versuchung, etwas aufzuschieben, gro? werden w?rde. Der gro?e Prophet Alma beschrieb, wie Christus diese F?higkeit erworben hat:

?Und er wird hingehen und Schmerzen und Bedr?ngnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und dies, damit sich das Wort erf?lle, das da sagt, er werde die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen.

Und er wird den Tod auf sich nehmen, auf dass er die Bande des Todes l?se, die sein Volk binden; und er wird ihre Schw?chen auf sich nehmen, auf dass sein Inneres von Barmherzigkeit erf?llt sei gem?? dem Fleische, damit er gem?? dem Fleische wisse, wie er seinem Volk beistehen k?nne gem?? dessen Schw?chen.?7

Wir alle werden seine Hilfe brauchen, um die Trag?die abzuwenden, das aufzuschieben, was wir hier und jetzt tun m?ssen, um einmal ewiges Leben zu haben. F?r die meisten von uns r?hrt die Versuchung, etwas hinauszuz?gern, von mindestens einem zweier Gef?hle her, die v?llig gegens?tzlich sind: einerseits die Selbstgef?lligkeit aufgrund dessen, was man schon geschafft hat, andererseits die ?berw?ltigende Einsicht, dass man mehr tun muss.

Selbstgef?lligkeit ist f?r uns alle eine Gefahr. Sie kann naive Jugendliche ?berkommen, die meinen, dass sie in Zukunft noch genug Zeit haben, sich um Geistiges zu k?mmern. Sie denken vielleicht, dass sie f?r die kurze Zeit, die sie erst gelebt haben, schon genug getan haben. Ich wei? aus Erfahrung, wie der Herr solchen Jugendlichen erkennen helfen kann, dass sie bereits jetzt von Geistigem umgeben sind. Er kann euch erkennen helfen, dass eure Klassenkameraden euch beobachten. Er kann euch erkennen helfen, dass ihre ewige Zukunft dadurch gepr?gt wird, was sie euch tun sehen oder auch nicht. Ein einfaches ?Danke? f?r ihren guten Einfluss auf euch kann erhebender f?r sie sein, als ihr euch vorstellen k?nnt. Wenn ihr Gott bittet, kann und wird er euch M?glichkeiten offenbaren, wie ihr andere, mit denen er euch seit eurer Kindheit umgeben hat, stellvertretend f?r ihn aufrichten k?nnt.

Selbstgef?lligkeit kann auch einem erfahrenen Erwachsenen zu schaffen machen. Je besser und l?nger Sie schon dienen, desto eher wird der Versucher Ihnen diese L?ge in den Sinn kommen lassen: ?Du hast dir eine Pause verdient.? Sie sind vielleicht schon zweimal in Ihrem kleinen Zweig PV-Leiterin gewesen. Oder Sie haben lange und hart w?hrend Ihrer Mission gearbeitet und viel geopfert, um zu dienen. Oder Sie haben dort, wo Sie leben, die Kirche aufgebaut. Ihnen kommt vielleicht der Gedanke: ?Warum nicht das Dienen den neuen Leuten ?berlassen? Ich habe meinen Teil getan.? Die Versuchung ist dann der Gedanke, dass man ja irgendwann wieder dienen wird.

Der Herr kann Ihnen helfen, die Gefahr zu erkennen, die darin liegt, dass man sich eine Pause g?nnt, weil man meint, genug getan zu haben. Er hat mir geholfen, indem er mir ein Gespr?ch mit einem seiner betagten Knechte erm?glicht hat. Dieser war matt, sein K?rper war von jahrzehntelanger treuer Arbeit und durch Krankheit geschw?cht. Seine ?rzte erlaubten ihm nicht mehr, das Haus zu verlassen. Auf seine Bitte hin berichtete ich von einer Reise durch mehrere L?nder, die ich im Dienste des Herrn unternommen hatte. Ich war in Dutzenden Versammlungen gewesen und hatte in vielen pers?nlichen Gespr?chen Einzelnen und Familien geholfen. Ich erz?hlte ihm, welche Dankbarkeit f?r ihn und seinen jahrelangen Dienst die Menschen mir gegen?ber ge?u?ert hatten. Er fragte mich, ob ich in n?chster Zeit einen neuen Auftrag habe. Ich erz?hlte ihm von einer weiteren langen Reise, die vor mir lag. Er ?berraschte mich und gab mir eine Impfung gegen Selbstgef?lligkeit, die hoffentlich f?r immer wirkt. Er fasste mich am Arm und sagte: ?Ach bitte, nimm mich mit!?

Es ist schwer zu wissen, wann wir genug daf?r getan haben, dass das S?hnopfer unser Wesen wandelt und uns somit f?r das ewige Leben bereitmacht. Und wir wissen nicht, wie viele Tage uns noch bleiben, den Dienst zu leisten, der erforderlich ist, um diese m?chtige Wandlung zu bewirken. Aber wir wissen, dass uns genug Tage gegeben sind, wenn wir sie nur nicht verschwenden. Hier ist die gute Nachricht:

?Und die Tage der Menschenkinder wurden verl?ngert gem?? dem Willen Gottes, sodass sie umkehren k?nnen, solange sie im Fleische weilen; darum wurde ihr Zustand zu einem Zustand der Bew?hrung, und ihre Zeit wurde verl?ngert, gem?? den Geboten, die der Herr, Gott, den Menschenkindern gab.?8

Diese Zusicherung des Meisters kann denjenigen von uns helfen, die sich von ihren Lebensumst?nden ?berw?ltigt f?hlen. In den schwierigsten Pr?fungen k?nnen Sie, solange Sie die Kraft zum Beten haben, Gott, der Sie liebt, bitten: ?Bitte lass mich heute dienen. Es kommt mir nicht darauf an, wie wenig ich vielleicht nur tun kann. Lass mich einfach wissen, was ich tun kann. Ich werde heute gehorchen. Ich wei?, dass ich es mit deiner Hilfe kann.?

Die leise Aufforderung an Sie kann etwas ganz Einfaches sein, etwa jemandem, der Sie gekr?nkt hat, zu vergeben. Sie k?nnen dies von einem Krankenhausbett aus tun. Es kann sein, dass Sie jemandem helfen sollen, der hungrig ist. Sie f?hlen sich vielleicht ?berw?ltigt von Ihrer eigenen Not und der Arbeit, die an dem Tag vor Ihnen liegt. Aber wenn Sie beschlie?en, nicht zu warten, bis Sie mehr Kraft oder mehr Geld haben, und wenn Sie um den Heiligen Geist bitten, wenn Sie losgehen, werden Sie, wenn Sie ankommen, wissen, was zu tun ist und wie Sie jemandem, der noch schlimmer dran ist als Sie, helfen k?nnen. Wenn Sie bei ihm ankommen, erfahren Sie vielleicht, dass der Betreffende gebetet und erwartet hat, dass jemand wie Sie kommt ? im Namen des Herrn.

Denjenigen, die aufgrund ihrer Lebensumst?nde entmutigt und daher versucht sind, zu meinen, sie k?nnen dem Herrn heute nicht dienen, mache ich zwei Verhei?ungen: So schwer alles heute auch sein mag, am n?chsten Tag wird es besser sein, wenn Sie beschlie?en, dem Herrn heute von ganzem Herzen zu dienen. Ihre Umst?nde werden sich vielleicht nicht in jeder Hinsicht so verbessern, wie Sie es sich w?nschen. Aber Sie werden neue Kraft bekommen, Ihre Lasten zu tragen, und neue Zuversicht, dass der Herr, dem Sie ja gedient haben, das tragen wird, was Sie nicht tragen k?nnen, wenn Ihre Lasten zu schwer werden. Er wei?, wie es geht. Er hat sich vor langer Zeit darauf vorbereitet. Er hat Ihre Schw?chen und Ihren Kummer gelitten, als er im Fleisch war, um zu erfahren, wie er Ihnen beistehen kann.

Meine andere Verhei?ung an Sie ist: Wenn Sie beschlie?en, ihm heute zu dienen, werden Sie seine Liebe sp?ren und mehr Liebe f?r ihn empfinden. Sie kennen vielleicht die Schriftstelle:

?Ich sage euch, ich m?chte, dass ihr daran denkt, dass ihr euch den Namen immer ins Herz geschrieben bewahrt, ? damit ihr die Stimme vernehmt und erkennt, von der ihr gerufen werdet, und auch den Namen, womit er euch rufen wird.

Denn wie soll jemand den Herrn kennen, dem er nicht gedient hat und der f?r ihn ein Fremder ist und den Gedanken und Absichten seines Herzens ferne steht??9

Wenn Sie ihm heute dienen, werden Sie ihn besser kennenlernen. Sie werden seine Liebe und Wertsch?tzung sp?ren. Sie w?rden es nicht hinausschieben wollen, diese Segnung zu empfangen. Und wenn Sie seine Liebe sp?ren, wird Sie das in seinen Dienst zur?ckholen und sowohl Selbstgef?lligkeit als auch Entmutigung wegwischen.

Wenn Sie ihm dienen, werden Sie die Stimme, von der Sie gerufen werden, besser kennenlernen. Wenn Sie am Ende eines Tages zu Bett gehen, werden Sie sich vielleicht an diese Worte erinnern: ?Sehr gut, du bist ein t?chtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen.?10 Ich bete um diesen Segen f?r heute, f?r jeden Tag und f?r unser ganzes Leben.

Ich wei?, der himmlische Vater lebt und erh?rt unsere Gebete. Ich wei?, Jesus ist der lebendige Christus, der Erretter der Welt, und wir k?nnen uns daf?r entscheiden, heute in seinem Dienst Freude und Frieden zu sp?ren. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Alma 34:33,34
  2. Alma 34:36
  3. Josua 24:15
  4. Johannes 9:4,5
  5. Sprichw?rter 8:17
  6. Abraham 3:25
  7. Alma 7:11,12
  8. 2 Nephi 2:21
  9. Mosia 5:12,13
  10. Matth?us 25:21; siehe auch Vers 23