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177th Annual General Conference, April 2007

Wenn diese alten Mauern sprechen k?nnten

Bischof H. David Burton
Pr?sidierender Bischof

L?nger als ein Jahrhundert sind die Worte der Propheten, Seher und Offenbarer der Letzten Tage von diesem Podium aus an die Welt gegangen.

Pr?sident Gordon B. Hinckley hat im Oktober 2004 bei einer Pressekonferenz gesagt: ?Ich habe Achtung vor diesem Bauwerk. Ich mag dieses Bauwerk. Ich halte es in Ehren. Ich m?chte, dass es erhalten bleibt. ? Ich m?chte, dass das alte, urspr?ngliche Tabernakel mit seinen geschw?chten Verbindungen erneuert ? und gest?rkt wird und seine nat?rliche und herrliche Sch?nheit erhalten bleibt.? Dann sah er mich an und sagte: ?Tun Sie nichts, was Sie nicht tun d?rfen, aber tun Sie das, was Sie tun, gut und richtig.?1

Mit diesen ergreifenden, aber auch Respekt einfl??enden Worten wurde der Auftrag erteilt, das alte, urspr?ngliche Tabernakel in Salt Lake City zu erhalten, zu st?rken und erneuert zur?ckzugeben, damit es uns auch in Zukunft ausgezeichnete Dienste leisten kann.

Lieber Pr?sident, wir sehen heute dieses betagte Geb?ude in neuem Glanz erstrahlen, fest zusammengef?gt und in seiner historischen Eleganz ? wenn auch ein wenig komfortabler. Gemeinsam mit mehr als 2000 Handwerkern ?bergibt die Pr?sidierende Bischofschaft voller Stolz das ?alte, urspr?ngliche Tabernakel? mit einer Garantie f?r 100 Jahre.

Pr?sident Hinckleys Vorgabe, ?das alte, urspr?ngliche Tabernakel? wiederherzustellen, wurde zum Ma?stab bei schwierigen architektonischen und baulichen Entscheidungen. Mit dieser Formulierung wurde das Wesen und das Ziel des Projekts zum Ausdruck gebracht. Sie war so etwas wie das Banner der Freiheit von Hauptmann Moroni ? sie wurde quasi ?auf allen T?rmen? gehisst und ??berall?, wo es n?tig war.2

Wenn diese alten Mauern sprechen k?nnten, dann w?rden sie mit uns zusammen den Architekten von FFKR, dem Bauunternehmen Jacobsen, besonders der ganzen Projektgruppe der Kirche und den vielen, deren Fertigkeiten dieses komplexe Unterfangen m?glich gemacht haben, aufrichtig danken. Ein Vorgesetzter in der Gruppe meinte: ?Wenn wir miteinander Rat hielten, konnte der Herr uns F?higkeiten geben, die unsere naturgegebenen M?glichkeiten ?berstiegen.?

Alle, die bei diesem Projekt mitwirkten, empfanden gro?e Ehrfurcht vor der Sch?nheit des Tabernakels, vor seinen urspr?nglichen Erbauern und der Qualit?t ihrer Arbeit. Sie waren tief beeindruckt davon, dass l?nger als ein Jahrhundert die Worte der Propheten, Seher und Offenbarer der Letzten Tage von diesem Podium aus an die Welt gegangen sind.

Ich bin ?berzeugt: Wenn diese alten Mauern sprechen k?nnten, dann w?rden sie sich anerkennend ?ber ihr neues, festes Fundament ?u?ern. Diese alten Mauern w?rden erfreut sein ?ber ihren neuen Stahlg?rtel, der sie umschlingt und aufrecht h?lt. Diese alten Mauern w?rden sich daf?r bedanken, dass von der Decke vierzehn Schichten Farbe abgekratzt wurden, die Decke ausgebessert und mit einem wundersch?nen neuen Anstrich versehen wurde.

Diese alten Mauern w?rden sich bedanken, dass sie jetzt durch ein gl?nzendes, neues Aluminiumdach gesch?tzt und versch?nert sind, und w?rden sich gemeinsam mit den B?nken ?ber das L?cheln der Besucher freuen, wenn diese feststellen, dass die Sitze geringf?gig ver?ndert wurden und mehr Beinfreiheit bieten.

Die neuen Einrichtungen, die die Kl?nge inspirierender Musik noch besser zur Geltung kommen lassen, w?rden von diesen alten Mauern begr??t und gew?rdigt werden.

Man kann nur erahnen, woran sich diese alten Mauern erinnern k?nnten ? aus den vielen Ansprachen, denen sie ?ber die Jahre hinweg aufmerksam gelauscht haben.

Diese alten Mauern w?rden, wenn sie reden k?nnten, ausrufen: ?Wir sind dabei gewesen!?, als Pr?sident Joseph F. Smith sich nach langer Krankheit erhob, um an einer Versammlung der Generalkonferenz im Oktober 1918 teilzunehmen. In der ersten Versammlung sagte er mit bewegter Stimme: ?Ich will nicht versuchen ? und wage es auch gar nicht ?, auf vieles einzugehen, was mich heute Morgen bewegt. Meinen Versuch, euch etwas von dem mitzuteilen, was mich bewegt und was ich im Herzen habe, werde ich auf die Zukunft verschieben, wenn der Herr es will.? Weiter sagte er: ?Ich habe diese f?nf Monate nicht allein verbracht. Ich verweilte im Geist des Gebets, des Flehens, des Glaubens und der Entschlossenheit; und ich hatte fortw?hrende Verbindung mit dem Geist des Herrn.?3 Sp?ter erfuhren wir, dass Pr?sident Smith am Tag vor Beginn der Konferenz eine Kundgebung empfangen hatte, die als Vision von der Erl?sung der Toten niedergeschrieben und sp?ter Abschnitt 138 im Buch Lehre und B?ndnisse wurde.

Wenn diese alten Mauern sprechen k?nnten, w?rden sie uns an die trostlosen, dunklen Tage der Weltwirtschaftskrise erinnern. Sie w?rden sich daran erinnern, wie Pr?sident Heber J. Grant bei der Generalkonferenz im April 1936 bekannt gab, dass die Kirche einen Sicherheitsplan einf?hren werde, der sp?ter als Wohlfahrtsplan der Kirche bekannt wurde. Sechs Monate sp?ter erkl?rte er: ?Es [war] unser vornehmstes Ziel, ? ein System zu schaffen, das den Fluch des M??iggangs und die Nachteile von staatlichen Almosen beseitigt und bei unseren Leuten wieder Unabh?ngigkeit, Flei?, Sparsamkeit und Selbstachtung entstehen l?sst. Das Ziel der Kirche besteht darin, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Arbeit muss f?r unsere Mitglieder wieder zum beherrschenden Grundsatz werden.?4

Im Oktober 1964 sprach Elder Harold B. Lee im Auftrag von Pr?sident David O. McKay ?ber die Aufgaben der Eltern. Diese alten Mauern wissen noch, dass Elder Lee sagte, er werde etwas aus einem Brief an die Kirche aus dem Jahre 1915 vorlesen, der von der Ersten Pr?sidentschaft unterschrieben worden war. Zuvor bemerkte er jedoch: ?Ich glaube, es ist ein wenig so wie das, was Mark Twain ?ber das Wetter gesagt hat: ?Wir reden viel ?ber das Wetter, aber keiner scheint etwas zu unternehmen.?? Elder Lee las dann aus dem 50 Jahre alten Brief vor:

?Wir raten eindringlich dazu, dass in der ganzen Kirche der ?Familienabend? eingef?hrt wird, an dem die V?ter und M?tter ihre Jungen und M?dchen zu Hause um sich scharen und sie das Wort des Herrn lehren.?

Und dann diese Verhei?ung:

?Wir verhei?en den Heiligen: Wenn sie diesen Rat befolgen, werden sie sehr gesegnet. Die Liebe in der Familie und der Gehorsam gegen?ber den Eltern werden zunehmen. Die Jugend Israels wird im Herzen st?rkeren Glauben haben, und sie werden die Kraft haben, sich dem b?sen Einfluss und den Versuchungen, die ihnen zu schaffen machen, zu widersetzen.?5

Diese alten Mauern erinnern sich an die tiefe Stille, die sich 1985 ?ber das Tabernakel legte, als angek?ndigt wurde, dass Elder Bruce R. McConkie zu den Versammelten sprechen werde. Diese alten Mauern waren ganz und gar von Ehrfurcht erf?llt, als Elder McConkie seine Ansprache mit diesen elektrisierenden Worten abschloss:

?Und nun, das vollkommene S?hnopfer betreffend, das durch das Vergie?en des Blutes Gottes zustande gekommen ist, bezeuge ich, dass es sich in Getsemani und auf Golgota zugetragen hat. Was Jesus Christus betrifft, bezeuge ich, dass er der Sohn des lebendigen Gottes ist und f?r die S?nden der Welt gekreuzigt wurde. Er ist unser Herr, unser Gott und unser K?nig. Das wei? ich aus mir selbst heraus, unabh?ngig von irgendeinem anderen.

Ich bin einer seiner Zeugen, und an einem k?nftigen Tag werde ich die N?gelmale in seinen H?nden und F??en f?hlen und seine F??e mit meinen Tr?nen benetzen.

Aber dann wei? ich auch nicht gewisser als jetzt, dass er der allm?chtige Sohn Gottes ist, unser Erretter und Erl?ser, und dass die Errettung nur durch sein s?hnendes Blut zustande gebracht wird und auf keine andere Weise.?6

1995 sagte Pr?sident Gordon B. Hinckley den Frauen der Kirche: ?Wir wissen, dass wir warnen und ermahnen m?ssen, weil es heute auf der Welt so viele falsche Lehren gibt, die als Wahrheit dargestellt werden, so viele falsche Ansichten in Bezug auf Ma?st?be und Wertvorstellungen und so viele Verlockungen, sich nach und nach von der Welt beflecken zu lassen.? Und dann verlas er Folgendes:

?Wir, die Erste Pr?sidentschaft und der Rat der Zw?lf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, verk?nden feierlich, dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und dass im Plan des Sch?pfers f?r die ewige Bestimmung seiner Kinder die Familie im Mittelpunkt steht. ?

Mann und Frau tragen die feierliche Verantwortung, einander und ihre Kinder zu lieben und zu umsorgen. ?Kinder sind eine Gabe des Herrn.? (Psalm 127:3.) Die Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen, f?r ihre physischen und geistigen Bed?rfnisse zu sorgen, sie zu lehren, dass sie einander lieben und einander dienen, die Gebote Gottes befolgen und gesetzestreue B?rger sein sollen, wo immer sie leben. Mann und Frau ? Vater und Mutter ? werden vor Gott dar?ber Rechenschaft ablegen m?ssen, wie sie diesen Verpflichtungen nachgekommen sind.?7

Ich bin dankbar f?r dieses au?ergew?hnliche Geb?ude. Es ist ein heiliges Denkmal unserer Vergangenheit und ein herrliches Banner der Hoffnung f?r die Zukunft. Ich gebe Zeugnis von der g?ttlichen Natur unseres Vaters im Himmel und von der ?bergro?en Liebe, die der Erretter f?r jeden einzelnen von uns empfindet. Es ist ein gro?er Segen f?r uns, dass wir von einem Propheten Gottes gef?hrt werden. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. ?Tabernacle Renovation Press Briefing ? Remarks by President Gordon B. Hinckley?, 1. Oktober 2004; siehe www.newsroom.lds.org
  2. Alma 46:36; 62:4
  3. Herbst-Generalkonferenz 1918
  4. Herbst-Generalkonferenz 1936; siehe Lehren der Pr?sidenten der Kirche: Heber J. Grant, Seite 126
  5. Herbst-Generalkonferenz 1964
  6. ?The Purifying Power of Gethsemane?, Ensign, Mai 1985, Seite 11
  7. ?Stellt euch der Schlauheit der Welt entgegen?, Der Stern, Januar 1996, Seite 91f.; siehe auch ?Die Familie ? eine Proklamation an die Welt?, Liahona, Oktober 2004, Seite 49