176th Semiannual General Conference, October 2006

Auf ewig von seiner Liebe umschlossen

Bonnie D. Parkin
FHV-Pr?sidentin

Ich wei?, dass der Vater im Himmel, wie auch sein Sohn Jesus Christus, uns Schwestern liebt. Diese Liebe ist unwandelbar ? sie bleibt immer gleich.

Als ich diese Berufung erhielt, bat ich den Herrn flehentlich, mir erkennen zu helfen, was die Schwestern in der Kirche brauchen. Ich empfing ein starkes Zeugnis davon, dass wir als seine T?chter wissen m?ssen, dass er uns liebt. Wir m?ssen wissen, dass er das Gute in uns sieht. Wenn wir seine Liebe f?hlen, werden wir ermutigt, voranzustreben, wir erhalten die Gewissheit, dass wir zu ihm geh?ren, und er best?tigt uns, dass er uns lieb hat, auch wenn wir stolpern und bisweilen R?ckschl?ge erleiden.

Dies wurde mir erneut vor Augen gef?hrt, als ich in der Sonntagnachmittagsversammlung der Fr?hjahrs-Generalkonferenz 2002 Zeugnis gab. An jenem Morgen sagte man mir, Elder David B. Haight k?nne eventuell nicht an der Konferenz teilnehmen. In diesem Fall h?tte ich f?nf Minuten Zeit, mein Zeugnis zu geben. An dem Tag habe ich besonders inst?ndig f?r Elder Haight gebetet! Am Sonntagmorgen sah ich ihn ins Konferenzzentrum kommen, und meine Anspannung lie? nach – aber nur, bis er w?hrend des gemeinsamen Liedes wieder ging. Als ich an dem Nachmittag am Pult stand, hatte ich einen leeren Teleprompter-Bildschirm vor mir. Eine Botschaft drang mir immer wieder in Herz und Sinn: Die Frauen m?ssen jeden Tag die Liebe des Herrn in ihrem Leben sp?ren. Ich wusste, dass dies die Botschaft war, die ich an dem Tag ?berbringen sollte, und es ist nach wie vor unsere Botschaft.

Wie feinf?hlig Sie auf diese Botschaft reagiert haben, hat mich dem?tig gestimmt. Vielen Dank, dass Sie uns mitgeteilt haben, was sie in Ihrem Leben bewirkt hat. Ihre Worte haben best?tigt, dass eine jede von uns berechtigt ist, die Liebe des Herrn im t?glichen Leben zu f?hlen, und dass wir das auch brauchen.

Unser himmlischer Vater hat uns geliebt, bevor wir auf diese Erde kamen. Ich wei?, dass er, wie auch sein Sohn Jesus Christus, uns Schwestern liebt. Diese Liebe ist unwandelbar – sie bleibt immer gleich. Sie k?nnen sich darauf verlassen. Wir k?nnen darauf vertrauen.

So, wie das Motto der Frauenhilfsvereinigung uns daran erinnert, dass „die Liebe ? niemals auf[h?rt]“, m?ssen wir glauben, dass Christi Liebe zu uns nie vergeht. Alles, was wir in der Frauenhilfsvereinigung tun, sollte die Liebe unseres Erretters und die Liebe unseres himmlischen Vaters widerspiegeln. Diese gro?e Liebe sollte der Ursprung unserer Motivation sein, anderen zu dienen. Sie muss sowohl unser Ausgangspunkt als auch unser Ziel sein!

Ich kenne eine junge Mutter von f?nf kleinen Kindern, die einmal eine ?ltere Schwester, zu der sie bewundernd aufblickte, anrief und fragte: „Wollen wir nicht wandern gehen?“ Ihre Freundin wusste, was das hie?: Sie musste mit jemandem reden. Ihre Strecke war dreizehn Kilometer lang und auf halbem Weg sagte die junge Mutter schlie?lich: „Ich kann einfach nicht glauben, dass der himmlische Vater mich liebt. Ich habe in meinem Leben so viel falsch gemacht. Es will sich einfach nicht das Gef?hl einstellen, dass ich seiner Liebe w?rdig bin. Wie kann er mich blo? lieben?“ Schwestern, diese Frau hatte B?ndnisse im Tempel geschlossen und war ein aktives Mitglied der Kirche. Dennoch f?hlte sie sich immer noch seiner Liebe unw?rdig. Die ?ltere Schwester erwiderte schnell: „Nat?rlich liebt er dich. Du bist seine Tochter.“

Weisen wir die Liebe des Herrn vielleicht allzu oft zur?ck, weil er sie reichlicher ?ber uns ausgie?t, als wir sie anzunehmen bereit sind? Glauben wir, wir m?ssten vollkommen sein, um seine Liebe zu verdienen? Wenn wir uns gestatten, uns „auf ewig ringsum umschlossen von den Armen seiner Liebe“1 zu f?hlen, dann f?hlen wir uns sicher, und wir erkennen, dass wir nicht gleich vollkommen sein m?ssen. Wir m?ssen akzeptieren, dass die Vollkommenheit ein Vorgang ist. Beim Evangelium geht es um ewigen Fortschritt, und wir m?ssen immer daran denken, f?r diese Reise dankbar zu sein. Ewig bedeutet ohne Anfang und Ende, der Herr umfasst uns also Tag f?r Tag mit seiner Liebe. Bedenken Sie auch: Sie ist best?ndig – selbst, wenn wir das nicht erkennen. Mir gef?llt, wie Nephi diese gro?e Gabe beschreibt: „Die Liebe Gottes [ergie?t] sich ?berall den Menschenkindern ins Herz ?; darum ist sie das Begehrenswerteste von allem ? und die gr??te Freude f?r die Seele.“2 Ich bezeuge, dass das stimmt.

Ich wei?, dass es einigen vielleicht schwer f?llt, sich vorzustellen, wie seine Liebe sich anf?hlt. Denken Sie an eine Mutter mit einem neugeborenen Baby. Mit welcher W?rme und Geborgenheit, wie liebevoll und friedlich eine Mutter ihr Kind im Arm h?lt – das kann uns verst?ndlich machen, was f?r ein Gef?hl es ist, von den Armen seiner Liebe umschlossen zu sein. Eine junge FHV-Schwester schrieb: „Nur in der Liebe meiner Mutter wird mir ann?hernd das Ausma? und die Macht der Liebe des Erretters begreiflich.“

M?tter, sehen Sie, wie wichtig Sie dabei sind, dass Ihre Kinder diese Wahrheit erkennen? Wenn Sie Ihre Kinder mit Ihrer Liebe umschlie?en, bekommen sie einen Eindruck von der Liebe Christi. Pr?sident Gordon B. Hinckley h?lt uns an: „Lieben Sie den Herrn, Ihren Gott, und lieben Sie seinen Sohn, und seien Sie immer dankbar daf?r, dass sie uns lieben. Wenn auch jede andere Liebe dahinschwindet – Gottes strahlende, erhabene, immerw?hrende Liebe und die Liebe seines Sohnes, der sein Leben f?r uns hingegeben hat, bleibt bestehen.“3

Eine Mutter, die ihre Beziehung zu Gott kennt, hilft ihren Kindern, mit ihm vertraut und von seiner Liebe umschlossen zu sein. Es hat mich ber?hrt, was eine Tochter bei der Beerdigung ihrer 100 Jahre alten Mutter sagte: „Wenn ich als Teenager meinen Stundenplan zusammenstellen wollte, ging ich in die K?che, wo Mutter b?gelte. Ich legte ihr m?gliche F?cherkombinationen vor ? und sie h?rte sich alle an. Wir sprachen die Varianten durch ? und dann sagte sie immer: ?Sch?n, Cathy. Hast du dar?ber gebetet?? Das war mir irgendwie peinlich, und ich sagte dann z?gerlich: ?Muss man denn ?ber alles beten?? Sie erwiderte einfach: ?Ich mache es jedenfalls.?“4

Diese Mutter h?rte zu. Sie gab ihren Glauben an den Herrn weiter. Sie gab ihrer Tochter ein Beispiel und gab ihr zu verstehen, dass sie von ihr erwartete, dass sie sich stets an den Herrn wendet. Wenn wir uns dem Herrn n?hern, f?hlen wir, wie seine Liebe uns ihm n?her bringt. M?tter, lehren Sie Ihre Kinder, dass sie den Herrn immer in ihr Leben einbeziehen, und helfen Sie ihnen, seinen liebevollen Einfluss zu erkennen.

Meine Mutter und ich haben unseren Patriarchalischen Segen gemeinsam empfangen. Ich war 20 und meine Mutter 49. Ich werde diesen Tag nie vergessen – wie der Patriarch Mutter seine H?nde auflegte und ihr sagte, wie oft ihr Leben in Zeiten, in denen sie rheumatisches Fieber, eine Herzerkrankung oder manch andere Krankheit hatte, bewahrt worden war. Er lie? ihr Leben Revue passieren und z?hlte auf, wie oft sie anderen schon Gutes getan hatte. Er sprach von dem, was der Herr f?r sie bereithielt, und gab ihr Hinweise, was sie zu tun habe. Ich kannte das Leben meiner Mutter und h?rte zu, wie dieser Patriarch, der sie nicht kannte, ihr Leben beschrieb. Das war f?r mich ein Zeugnis, dass Gott lebt, dass er uns liebt und dass er jeden Einzelnen von uns pers?nlich kennt. An diesem denkw?rdigen Tag f?hlte ich, wie sehr der Herr meine Mutter – und mich – liebt.

Der gr??te Beweis daf?r, wie sehr der Erretter uns liebt, ist sein S?hnopfer. Seine Liebe str?mt ?ber an Gnade, Geduld, Langmut, Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft.

Als Gro?m?tter haben wir die heilige Pflicht, unsere Enkelkinder mit Liebe zu umschlie?en. Ein dreij?hriges M?dchen wurde, als es etwas frech war, von seiner Gro?mutter belehrt: „Sprich nicht so mit deiner Gro?mutter – wir werden n?mlich f?r Abermillionen von Jahren Freundinnen sein.“ Ist Gro?mutter sein nicht das Beste? Schwestern, denken Sie daran: Liebe und B?ndnisse verbinden uns zu ewigen Familien.

Oft wird die Liebe des Herrn durch andere ?berbracht, indem sie den Eingebungen des Geistes folgen. H?ren wir diese Stimme, und folgen wir ihr?

Eine Schwester musste wegen Geldschwierigkeiten aus ihrem sch?nen Haus ausziehen und ihre geliebte Gemeinde verlassen, nachdem sie dort 22 Jahre gewohnt hatte. Das war schmerzlich. ?ber den ersten Sonntag in ihrer neuen Gemeinde sagte sie: „Ich f?hlte mich sehr einsam, obwohl ich einige Leute kannte. Ich war an diesem Morgen als eine der Ersten in der FHV. Ich sa? dort und beobachtete, wie die Schwestern nacheinander hereinkamen und ihren Platz einnahmen. Sie schienen alle ihre eigene Reihe zu brauchen, nicht nur ihren eigenen Sitzplatz. Sie sa?en nicht beieinander und auch nicht bei mir. Ich kam mir vor wie eine Insel.“ Schwestern, warum tun wir einander so etwas an?! Die Schwester fuhr fort: „Dann kam Lisa herein. Ihr Gesicht strahlte, als sie mich sah, und sie kam auf mich zu, setzte sich neben mich, legte ihren Arm um mich und dr?ckte mich herzlich. Es ist erstaunlich, wie viel so eine kleine Geste bedeuten kann. Ihre W?rme“ – und ich m?chte hinzuf?gen: ihre Liebe – „wischte meine Einsamkeit einfach fort.“

Ich bef?rchte, dass wir die Liebe des Herrn manchmal nur in den gro?en Ereignissen im Leben erkennen. Wir m?ssen sie aber auch in ganz kleinen Dingen sehen. Untersch?tzen Sie nicht Ihre F?higkeit, seine Liebe durch einfache, aufrichtige Gesten weiterzugeben, zum Beispiel, wenn Sie sich neben eine andere Schwester setzen und ihr damit das Gef?hl geben, willkommen zu sein.

Sp?ren Sie die Liebe des Herrn in Ihrem Leben? Ich sp?re seine Liebe vielleicht auf ganz andere Weise als Sie. Das Entscheidende ist, dass Sie erkennen, wie Sie diese Liebe f?hlen. Und wenn Sie sie einmal gesp?rt haben, seien Sie bereit, sie weiterzugeben.

Wir haben als Pr?sidentschaft nach dem Hurrikan Katrina die verw?stete K?ste am Golf von Mexiko besucht. Eines Abends stand ich w?hrend einer Fireside am Rednerpult. Da hatte ich das Gef?hl, dass jede der anwesenden Schwestern jemanden brauchte, der ihr buchst?blich die Hand reichte und sie st?rkte. Nach der Versammlung standen Schwester Hughes, Schwester Pingree und ich jede an einer anderen T?r und umarmten jede Schwester, die den Raum verlie?. Wir wollten ihnen einfach zeigen, wie lieb wir sie hatten. Falls eine dieser Schwestern heute Abend zuh?rt: Wir haben die Kapelle mit neuer Kraft verlassen, weil Sie uns an der Liebe Gottes teilhaben lie?en. Danke, dass Sie f?reinander gesorgt haben – und f?r uns drei!

Wenn ich morgens bete, bitte ich den himmlischen Vater, mich mit seiner Liebe zu erf?llen, damit ich sein Werk noch besser tun kann. Ich wei?, dass ich wegen dieser t?glichen Bitte gesegnet worden bin. Als FHV-Schwestern m?ssen wir uns bem?hen, die Liebe Christi widerzuspiegeln. Er war stets darauf bedacht, seinen Vater zu erfreuen, indem er dessen Willen tat. Schwestern, wir m?ssen alles tun, um seinem ?berragenden Beispiel zu folgen – um bei allem, was wir tun und sind, solche Liebe in Gedanken, Wort und Tat auszudr?cken. Wir d?rfen nicht zulassen, dass Stolz, Eitelkeit, Selbstsucht oder unser Terminplan verhindern, dass wir anderen liebevoll die Hand reichen. Wir m?ssen uns schlicht und einfach zuerst selbst gestatten, uns von Gottes Liebe umschlie?en zu lassen. Das geht am besten, indem wir das ewige S?hnopfer des Erretters freudig annehmen. Wir k?nnen dann unsere Familie und andere Menschen in den Kreis der Liebe aufnehmen. Ein solcher Kreis ist wirklich der Himmel.

Meine lieben Schwestern, m?ge der Herr Sie segnen, dass Sie t?glich seine Liebe f?hlen, Ihre B?ndnisse halten, N?chstenliebe ?ben und die Familie st?rken. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. 2 Nephi 1:15
  2. 1 Nephi 11:22,23; Hervorhebung hinzugef?gt
  3. „Worte des lebenden Propheten“, Der Stern, Dezember 1996, Seite 8
  4. Privatkorrespondenz