176th Semiannual General Conference, October 2006

Der Erl?sungsplan

Elder L. Tom Perry
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Wir m?ssen nicht auf uns allein gestellt durch das irdische Dasein irren, ohne den Masterplan zu kennen, den der Herr f?r seine Kinder entworfen hat.

Als ich w?hrend der Sommermonate eine Abendmahlsversammlung besuchte, durfte ich die Botschaften dreier Studenten h?ren, die w?hrend der Sommerferien zu Hause waren. Eine dieser Ansprachen interessierte mich besonders.

Diese Studentin hatte w?hrend der Sommerferien in einem Restaurant gearbeitet, das h?ufig von LKW-Fahrern besucht wurde. Ein Fahrer, der immer die gleiche Tour hatte, kam jede Woche am gleichen Tag zum Essen ins Restaurant. Da er regelm??ig dort war, kamen die beiden ab und zu ins Gespr?ch. Er fragte die junge Frau, wo sie wohnte. Sie erz?hlte, dass sie den Sommer zu Hause verbringe und Geld verdiene, bis im Herbst die Ausbildung wieder beginne. Seine n?chste Frage war: ?Welche Schule besuchen Sie denn?? Voller Stolz erwiderte Sie: ?Die BYU Idaho.? Er wollte mehr ?ber diese Schule wissen, was zu einem Gespr?ch ?ber das Evangelium f?hrte. Die Frau begann damit, das Wort der Weisheit zu erkl?ren. Mit Erfolg. Sie ?berzeugte den Mann davon, mit dem Rauchen aufzuh?ren.

Dann wurde ihr Schichtplan ge?ndert, und sie hatte keine Gelegenheit mehr, ihn zu bedienen; also schrieb sie ihm eine Nachricht, der sie die Missionarsbrosch?re der Kirche ?ber den Erl?sungsplan beilegte. Einige Tage sp?ter erhielt sie eine Nachricht von dem Fahrer. Darin stand lediglich: ?Etwas Ungeheuerliches geschieht mit meinem Leben.? Dank dieser jungen Frau hatte der Fahrer etwas erfahren, was ihn dazu veranlasst hatte, ?ber die ?nderungen nachzudenken, die in seinem Leben stattfinden mussten. Das Endergebnis dieser Begegnung zwischen einer Kellnerin und einem LKW-Fahrer kenne ich nicht, aber offensichtlich wurde sein Leben beeinflusst.

Sie erkl?rte dann, wie einfach es ist, andere an der Sch?nheit des Evangeliums teilhaben zu lassen. Im normalen Ablauf unseres Lebens bieten sich jeden Tag Gelegenheiten, unseren Mund aufzutun und Menschen ?ber die Evangeliumswahrheiten zu berichten, die ihnen hier und jetzt und bis in die Ewigkeit Segnungen bringen.

Viele fragen sich: Woher komme ich? Warum sind wir hier? Wohin gehe ich? Unser ewiger Vater hat uns nicht auf eine Reise ohne Ziel und Bedeutung auf die Erde geschickt. Er hat uns einen Plan gegeben, dem wir folgen k?nnen. Er selbst ist der Urheber dieses Plans. Er wurde aufgestellt, um den Fortschritt des Menschen und dessen endg?ltige Errettung und Erh?hung zuwege zu bringen. Ich zitiere aus der Anleitung Verk?ndet mein Evangelium! f?r Missionare:

?Gott ist der Vater unseres Geistes. Wir sind buchst?blich seine Kinder. Er liebt uns. Bevor wir zur Erde gekommen sind, gab es uns schon als Geistkinder des himmlischen Vaters. Wir waren jedoch nicht so wie der himmlische Vater. Wir konnten auch nicht so werden wie er und alle Segnungen genie?en, die er hat. Dazu mussten wir erst einen K?rper erhalten und die Erfahrungen des Erdenlebens durchmachen.

Die Absicht Gottes ? sein Werk und seine Herrlichkeit ? besteht darin, uns in die Lage zu versetzen, dass wir alle Segnungen empfangen, deren auch er sich erfreut. Zu diesem Zweck hat er einen vollkommenen Plan aufgestellt. Bevor wir zur Erde gekommen sind, haben wir diesen Plan verstanden und angenommen.? (Seite 55f.)

Und doch gibt es viele Menschen in der heutigen Welt, die darum ringen, Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens zu finden. Die Rufe ?Seht, hier ist es!? und ?Dort ist es!? werden nur lauter und noch viel verwirrender. Die Technik hat dieses Durcheinander nur noch verst?rkt, weil sie diese Botschaften ?ber den ?ther und durch die riesige Menge an Kabel schickt, die inzwischen die Erde bedeckt. Es gibt so viele Wege, immer mehr und immer unterschiedlichere Botschaften auszusenden; ich glaube, es sollte uns nicht ?berraschen, dass die Menschen verwirrt sind. Vor Jahrhunderten hat Paulus vorhergesagt:

?Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht ertr?gt, sondern sich nach eigenen W?nschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Geh?r schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.? (2 Timotheus 4:3,4.)

Wir brauchen aber nicht verwirrt zu sein. Die Menschheit hat zu ihrer Orientierung abermals die Antworten auf die r?tselhaften Fragen ?ber den Zweck des Lebens erhalten.

Zum ersten Mal haben wir vom Erl?sungsplan geh?rt, ehe wir geboren waren, in unserem ersten Stand, wie er in der Schrift genannt wird (siehe Abraham 3:26). Was in diesem ersten Stand genau geschehen ist, wissen wir nicht, aber wir wissen, dass wir dort als Geister, als Kinder unseres himmlischen Vaters, lebten und gewisse Fortschritte machten, um uns daf?r bereitzumachen, dass unser ewiger Geist in einem irdischen K?rper wohnen konnte. Wir wissen auch, dass unser Vater einen gro?en Rat abhielt, um den Zweck des Erdenlebens zu erkl?ren. Wir hatten die M?glichkeit, den Erl?sungsplan anzunehmen oder abzulehnen. Er wurde uns nicht aufgezwungen. Das Wesentliche des Plans war, dass der Mensch die M?glichkeit bekommen sollte, sich mit Gottes Hilfe auf der Erde seine eigene Errettung zu erarbeiten. Ein F?hrer wurde ausgew?hlt, der uns lehren sollte, wie wir dem Plan folgen k?nnen, und der uns von S?nde und Tod erl?sen sollte. Wie der Herr dem Mose erkl?rte: ?Aber siehe: Mein geliebter Sohn, der mein Geliebter und Erw?hlter von Anfang an war, sprach zu mir: Vater, dein Wille geschehe, und die Herrlichkeit sei dein immerdar.? (Mose 4:2.)

Jesus Christus, unser ?lterer Bruder, trat als Erster f?r den Plan ein, den der Vater aufgestellt hatte, und wir nahmen den Plan und seine Bedingungen an. Mit dieser Wahl erwarben wir das Recht, auf die Erde zu kommen und in unseren zweiten Stand einzutreten.

Gott schuf Adam und Eva als sein Abbild, mit einem K?rper aus Fleisch und Gebein, und brachte sie in den Garten von Eden. Dort konnten sie w?hlen, ob sie im Garten bleiben oder von der Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und B?se essen wollten, um so die M?glichkeit zu bekommen, sterblich zu werden. Sie nahmen die Herausforderung an, a?en von der Frucht und wurden so sterblich und dem physischen Tod unterworfen. Aufgrund ihrer Wahl mussten sie alle Pr?fungen und M?hen des sterblichen Daseins durchleben.

Das Leben in Sterblichkeit bezweckt zweierlei. Erstens sollen wir Erfahrung sammeln, die wir auf keine andere Weise bekommen k?nnten. Zweitens brauchen wir einen sterblichen K?rper aus Fleisch und Gebein. Beides ist unerl?sslich im Dasein des Menschen. Wir werden hier gepr?ft und erprobt, damit sich zeigt, ob wir alles tun werden, was der Herr uns geboten hat. Diese Gebote sind die Grunds?tze und Verordnungen des Evangeliums, und sie bilden das Evangelium Jesu Christi. Jeder Grundsatz und jede Verordnung tr?gt dazu bei, dass wir den eigentlichen Zweck unserer Pr?fung erf?llen, n?mlich uns darauf vorzubereiten, zu unserem himmlischen Vater zur?ckzukehren und ihm ?hnlicher zu werden. Elder Bruce R. McConkie hat Folgendes ?ber den engen und schmalen Pfad gesagt:

?Ich denke, jeder von uns muss herausfinden, was er bez?glich der verschiedenen Aspekte des irdischen Daseins glaubt. Dann treffen wir auf der Grundlage des allgemeinen Gesamtkonzepts, das klar und einfach ist, die Entscheidung, wie wir unser Leben auf diesem oder jenem Gebiet f?hren wollen, um den Zustand der Bew?hrung und die Pr?fung des irdischen Lebens zu bestehen. Wenn wir das Richtige w?hlen, werden wir ewigen Lohn erhalten, und wenn nicht, dann werden wir einen niedrigeren oder geringeren Platz in einem der Reiche einnehmen, die daf?r bereitet sind. ...

Jedermann in der Kirche, der sich auf dem engen und schmalen Pfad befindet, der sich anstrengt und abm?ht und zu tun w?nscht, was recht ist, auch wenn [er] in diesem Leben noch lange nicht vollkommen ist, wird, wenn er aus diesem Leben tritt, w?hrend er sich auf dem engen und schmalen Pfad befindet, seinen ewigen Lohn im Reich seines Vaters erhalten.? (The Probationary Test of Mortality, Ansprache anl?sslich einer Andacht am Religionsinstitut von Salt Lake City, 10. Januar 1982, Seite 8f.)

All das hat Jesus Christus erm?glicht. Er ist die Schl?sselfigur im ewigen Plan des Vaters, der Erretter, der als L?segeld f?r die Menschheit bereitet war. Gott sandte seinen geliebten Sohn, um den Fall Adams und Evas zu ?berwinden. Jesus kam zur Erde als unser Erretter und Erl?ser. Er ?berwand f?r uns das Hindernis des k?rperlichen Todes, indem er sein eigenes Leben gab. Als er am Kreuz starb, trennte sich sein Geist von seinem K?rper. Am dritten Tag wurden sein Geist und sein Leib auf ewig vereinigt, um nie mehr getrennt zu werden.

Das Leben auf der Erde ist von begrenzter Dauer. F?r jeden von uns kommt die Zeit, wenn sich der Geist und der K?rper im Tod trennen. Aber wegen der Auferstehung Jesu Christi werden wir alle auferstehen, ungeachtet dessen, ob wir Gutes oder B?ses im Leben vollbracht haben. Unsterblichkeit ist ein Geschenk unseres Vaters im Himmel an jedes seiner sterblichen Kinder. Der Tod muss als Tor zu einem neuen und besseren Leben angesehen werden. Durch die herrliche Auferstehung werden K?rper und Geist wieder vereinigt. Wir werden einen vollkommenen, unsterblichen K?rper aus Fleisch und Gebein haben, der niemals mehr Schmerzen oder den Tod erleiden wird. Aber die Herrlichkeit, die wir im n?chsten Leben erlangen werden, h?ngt von unserem Verhalten in diesem Leben ab. Nur durch die Gabe des S?hnopfers und unseren Gehorsam gegen?ber dem Evangelium k?nnen wir zu Gott zur?ckkehren und wieder bei ihm leben.

Nach der Auferstehung Jesu gingen die Zw?lf hinaus, um den Nationen der Erde diese herrliche Botschaft kundzutun. Sie reisten weit, als sie die Mission des Erretters verk?ndeten. Das Christentum breitete sich langsam ?ber viele L?nder aus. Aber ganz allm?hlich bewegte sich die Kirche auf einen allgemeinen Abfall vom Glauben zu, in dessen Verlauf die Nachfolge im Priestertum unterbrochen wurde. Die Vollmacht, heilige Handlungen zu vollziehen, war auf Erden nicht mehr zu finden.

Mit der Zeit begannen inspirierte M?nner, eine Reformation einzuleiten. Pr?sident Gordon B. Hinckley hat das als das D?mmerung eines sch?nen Tages bezeichnet. Er hat gesagt:

?Doch irgendwie wurde in der langen, finsteren Zeit eine Kerze angez?ndet. Die Renaissance brachte eine Bl?te der Bildung, der Kunst und der Wissenschaften hervor. Es gab eine Bewegung k?hner und mutiger M?nner und Frauen, die zum Himmel aufblickten und Gott und seinen g?ttlichen Sohn anerkannten. Das bezeichnen wir als Reformation.

Und dann, nachdem viele Generationen ?ber die Erde gegangen waren ? so viele von ihnen erlebten Konflikte, Hass, Finsternis und Schlechtigkeit ?, kam der gro?e, neue Tag der Wiederherstellung. Der erste Schritt zur Wiederherstellung dieses herrlichen Evangeliums war, dass der Vater und der Sohn dem jungen Joseph erschienen. Auf der Welt brach die Evangeliumszeit der F?lle an. Zu dieser besonderen Zeit wurde alles, was in s?mtlichen vorangegangenen Evangeliumszeiten gut, sch?n und g?ttlich gewesen war, wiederhergestellt.? (Liahona, Mai 2004, Seite 82.)

Nachdem die erste Vision, dieses herrliche Ereignis, stattgefunden hatte, wurde dem Propheten Joseph Smith ein heiliger Bericht ?bergeben, das Buch Mormon. Damit erhielten die V?lker der Welt ein neues Zeugnis von unserem Herrn und Erretter und seiner Mission.

So erkennen wir durch den ewigen Plan unseres Vaters, dass seine Liebe keine Grenzen kennt. Jedes seiner Kinder ist mit eingeschlossen. Alle Menschen haben denselben Ursprung und die gleiche M?glichkeit, ihre ewige Bestimmung zu verwirklichen.

Der Prophet Amulek, der im Buch Mormon bezeugt, dass die Worte Christi uns Errettung bringen, sagt:

?Und nun, meine Br?der, m?chte ich, nachdem ihr so viele Zeugnisse empfangen habt und in Anbetracht dessen, dass die heiligen Schriften davon zeugen, dass ihr vortretet und Frucht bringt zur Umkehr.

Ja, ich m?chte, dass ihr vortretet und euer Herz nicht l?nger verh?rtet; denn siehe, jetzt ist die Zeit und der Tag f?r eure Errettung, und darum, wenn ihr umkehrt und euer Herz nicht verh?rtet, wird der gro?e Plan der Erl?sung sogleich f?r euch zuwege gebracht werden.

Denn siehe, dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen: Ja, siehe, der Tag dieses Lebens ist der Tag, da der Mensch seine Arbeiten verrichten soll.? (Alma 34:30-32.)

Lassen Sie uns nicht mehr ein Spiel der Wellen sein, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen (siehe Epheser 4:14). Wir erkl?ren der Welt, dass die Himmel offen sind und die Wahrheit von Gottes ewigem Plan der Menschheit erneut offenbart worden ist. Wir leben in der Evangeliumszeit der F?lle. Wir leben in einer Zeit, in der wir durch die heiligen Schriften das Zeugnis von dem gro?artigen Plan haben, den der Herr seinen Kindern vom Anfang der Zeit bis zur gegenw?rtigen, letzten Evangeliumszeit gegeben hat. Der Beweis ist gut dokumentiert; wir m?ssen nicht, auf uns alleine gestellt, durch das irdische Dasein irren, ohne den Masterplan zu kennen, den der Herr f?r seine Kinder entworfen hat. Er hat sich selbst durch einen feierlichen Bund verpflichtet, uns gem?? unserem Gehorsam gegen?ber seinem Gesetz die Segnungen des Himmels zu geben. O denkt daran, denkt daran, dass dies wahr ist, denn Gott, der Herr, hat uns diese ewigen Wahrheiten offenbart. Im Namen Jesu Christi. Amen.