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176th Semiannual General Conference, October 2006

Ein J?nger sein

Pr?sident James E. Faust
Zweiter Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft

Eine der gr??ten Segnungen im Leben und in der Ewigkeit ist es, zu den ergebenen J?ngern des Herrn Jesus Christus gez?hlt zu werden.

Eine gro?e Menschenmenge folgte dem Erretter, als er am Ufer des Sees von Galil?a wirkte. Damit mehr Menschen ihn h?ren konnten, bestieg er Petrus’ Fischerboot und bat darum, ein St?ck weit vom Ufer weggefahren zu werden. Nachdem er zu Ende gesprochen hatte, wies er Petrus, der die ganze Nacht lang erfolglos gefischt hatte, an, auf den See hinauszufahren und seine Netze im tiefen Wasser auszuwerfen. Petrus gehorchte, und er fing so viele Fische, dass die Netze rissen. Petrus rief nach seinen Gef?hrten, Jakobus und Johannes, damit sie kamen und mithalfen. Alle waren ?ber die Zahl der gefangenen Fische erstaunt. Jesus sagte zu Petrus: „F?rchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ Lukas berichtet uns dann: „Und sie zogen die Boote an Land, lie?en alles zur?ck und folgten ihm nach.“1 Sie wurden die J?nger des Herrn.

Das englische Wort f?r J?nger und das Wort Disziplin gehen beide in ihrer Bedeutung auf die gleiche lateinische Wurzel zur?ck – discipulus, was „Sch?ler“ bedeutet. Es besagt, wie wichtig Anwendung oder ?bung sind. Selbstdisziplin und Selbstbeherrschtheit sind gleichbleibende und st?ndige Charaktereigenschaften der Nachfolger Jesu, wie es uns Petrus, Jakobus und Johannes vorgelebt haben, die in der Tat „alles zur?cklie?en und ihm nachfolgten.“

Was bedeutet es, ein J?nger zu sein? Es bedeutet vor allem Gehorsam gegen?ber dem Erretter. Ein J?nger zu sein beinhaltet Vieles. Keuschheit. Der Zehnte. Der Familienabend. Das Halten aller Gebote. Das Aufgeben all dessen, das nicht gut f?r uns ist. Alles im Leben hat einen Preis. In Anbetracht der gro?en Verhei?ung des Erretters, uns Frieden in diesem Leben und ewiges Leben im n?chsten Leben zu geben, ist die Entscheidung, ein J?nger zu sein, ein Preis, den zu zahlen sich lohnt. Es ist ein Preis, den nicht zu zahlen wir uns nicht leisten k?nnen. Im Vergleich sind die Anforderungen an uns als J?nger viel, viel geringer als die verhei?enen Segnungen.

Die J?nger Christi sind aufgerufen, nicht nur dem Streben nach Weltlichem zu entsagen, sondern t?glich das Kreuz zu tragen. Das Kreuz zu tragen bedeutet, seine Gebote zu befolgen und seine Kirche auf der Erde aufzubauen. Es bedeutet auch Selbstbeherrschung.2 Wie Jesus von Nazaret uns lehrte: „Wer mein J?nger sein will, der verleugne sich selbst, nehme t?glich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“3 „Wer nicht sein Kreuz tr?gt und mir nachfolgt, der kann nicht mein J?nger sein.“4

Die Worte eines beliebten PV-Liedes klingen in all jenen an, die dem Herrn nachfolgen:

Ich m?chte so sein wie Jesus,
will folgen ihm jeden Tag,
will liebevoll sein wie Jesus, was immer ich tu und sag.5

Betrachten wir einige der Taten Jesu, die wir alle nachahmen k?nnen.

<dl><dd>1. Jesus zog umher „und tat Gutes?6. Wir alle k?nnen jeden Tag etwas Gutes tun – f?r einen Angeh?rigen, einen Freund, oder gar einen Fremden – wenn wir nach diesen Gelegenheiten Ausschau halten. </dd><dd>2. Jesus war der gute Hirt, der ?ber seine Schafe wachte und sich um die sorgte, die verloren waren.7 Wir k?nnen diejenigen finden, die einsam oder weniger aktiv in der Kirche sind und ihnen ein Freund sein. </dd><dd>3. Jesus zeigte vielen Mitleid, auch einem armen Auss?tzigen.8 Auch wir k?nnen Mitgef?hl zeigen. Im Buch Mormon werden wir daran erinnert, dass wir „mit den Trauernden trauern“9 sollen. </dd><dd>4. Jesus gab Zeugnis von seiner g?ttlichen Mission und dem gro?en Werk seines Vaters. Wir f?r unseren Teil k?nnen alle „allzeit ? als Zeugen Gottes auftreten“.10</dd><dd>5. Jesus lud die Kinder ein, zu ihm zu kommen.11 Unsere Kinder bed?rfen unserer Aufmerksamkeit und Liebe genauso wie unserer F?rsorge. </dd></dl>

Wahre Nachfolger des Erretters m?ssen bereit sein, ihr Leben niederzulegen, und einige durften dies auch tun. In Lehre und B?ndnisse wird uns gesagt:

„Keiner soll Angst davor haben, um meinetwillen sein Leben niederzulegen; denn wer auch immer sein Leben um meinetwillen niederlegt, der wird es wiederfinden.

Und wer auch immer nicht willens ist, um meinetwillen sein Leben niederzulegen, der ist nicht mein J?nger.“12

Wir lesen im Buch Apostelgeschichte den Bericht des J?ngers Stephanus, der „voll Gnade und Kraft ? Wunder und gro?e Zeichen unter dem Volk“ tat.13 Stephanus traf in Jerusalem auf feindselige Zuh?rer, die ihn f?lschlicherweise der Gottesl?sterung anklagten, sogar obwohl er vor ihren Augen verkl?rt wurde. Stephanus gab Zeugnis vom g?ttlichen Wesen des Erretters, und als er die Menge zur Umkehr aufrief, wandten einige in der Menge sich gegen ihn. „Er aber, erf?llt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen.“14 Selbst als er zu Tode gesteinigt wurde, waren die letzten Worte auf Stephanus’ Lippen: „Herr, rechne ihnen diese S?nde nicht an!?15

In den Anfangstagen der Kirche in Mexiko wurden zwei glaubenstreue F?hrer der Kirche, die J?nger Christi waren, aufgrund ihres Glaubens ermordet. Diese beiden, denen das Leben genommen wurde, waren Rafael Monroy und Vincente Morales.

W?hrend der mexikanischen Revolution war Rafael Monroy der Pr?sident des kleinen Zweigs San Marcos in Mexiko, und Vincente Morales war sein Erster Ratgeber. Am 17. Juli 1915 wurden sie von den Zapatistas festgenommen. Ihnen wurde gesagt, dass sie verschont w?rden, wenn sie ihre Waffen aush?ndigen und ihrer fremdartigen Religion abschw?ren w?rden. Bruder Monroy teilte seinen F?ngern mit, dass er keine Waffen h?tte und zog einfach seine Bibel und sein Buch Mormon aus seiner Tasche. Er sagte: „Meine Herren, dies sind die einzigen Waffen, die ich je bei mir trage; es sind die Waffen der Wahrheit gegen den Irrtum.“

Als keine Waffen zu finden waren, wurden die Br?der grausam gefoltert, um sie zu zwingen preiszugeben, wo Waffen versteckt l?gen. Aber es gab keine Waffen. Sie wurden dann unter Bewachung an den Rand der kleinen Stadt gebracht, wo ihre F?nger sie bei einer gro?en Esche vor ein Erschie?ungskommando stellten. Der verantwortliche Offizier bot ihnen die Freiheit an, falls sie ihrer Religion entsagten, und sich den Zapatistas anschlossen, aber Bruder Monroy erwiderte: „Meine Religion ist mir teurer als mein Leben, und ich kann ihr nicht entsagen.“

Man sagte ihnen, dass man sie erschie?en w?rde und fragte sie, ob sie noch irgendeinen Wunsch h?tten. Bruder Rafael bat darum beten zu d?rfen, bevor er hingerichtet wurde. Dort, in der Gegenwart seiner Scharfrichter, kniete er nieder und betete mit einer Stimme, die f?r alle h?rbar war, dass Gott diejenigen, die er liebte, segnen und sch?tzen und f?r den kleinen, sich abm?henden Zweig sorgen w?rde, der nun ohne einen F?hrer auskommen musste. Als er sein Gebet beendete, verwendete er die Worte des Erretters, als dieser am Kreuz hing, und betete f?r seine Scharfrichter: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“16 Daraufhin erschoss das Exekutionskommando Bruder Monroy und Bruder Morales.17

Vor einigen Jahren ging ich nach Mexiko, um eine neue Pfahlpr?sidentschaft einzusetzen. Als ich die Interviews durchf?hrte, hatte ich die Ehre, einen Nachfahren Rafael Monroys kennenzulernen. Ich war von dem tiefen Zeugnis dieses Mannes und seinem Engagement f?r das Evangelium sehr beeindruckt. Als ich ihn fragte, was aus den restlichen Nachkommen Bruder Monroys geworden war, erz?hlte er mir, dass viele von ihnen auf Mission gewesen und der Kirche weiterhin treu geblieben sind.

In den Anfangstagen der Kirche legten neben Joseph Smith und Hyrum Smith auch andere J?nger ihr Leben f?r das Evangelium Jesu Christi nieder. Die Glaubenstreue von Edward Partridge, dem ersten Bischof der Kirche, ist in Lehre und B?ndnisse festgehalten.18 Am 20. Juli 1833 sa? Edward bei seiner geschw?chten Frau, die gerade ein Kind geboren hatte, zu Hause. Drei M?nner eines P?bels st?rmten herein und zerrten ihn in das Durcheinander auf der Stra?e und dann auf den Platz, auf den sie bereits Charles Allen gebracht hatten. Ein etwa 300 Mann starker P?bel forderte durch seinen Wortf?hrer, dass Edward und Charles entweder ihrem Glauben an das Buch Mormon abschw?ren oder den Landkreis verlassen sollten. Edward Partridge erwiderte: „Wenn ich f?r meine Religion leiden muss, ist das nicht mehr, als andere vor mir getan haben. Mir ist nicht bewusst, irgendjemandem im Landkreis Schaden zugef?gt zu haben, und ich erkl?re mich daher nicht bereit zu gehen. Ich habe nichts getan, was jemanden von Ihnen kr?nken k?nnte. Wenn Sie mir Gewalt antun, verletzen Sie einen unschuldigen Mann.“ Daraufhin beschmierte der P?bel Edward und Charles von Kopf bis Fu? mit hei?em Teer, der Perlasche, eine Fleisch zerfressende S?ure, enthielt, und bewarfen sie dann mit Federn, die am brennenden Teer kleben blieben.19

Der Prophet Joseph Smith beschrieb Edwards Tod einige Jahre sp?ter, im Alter von 46 mit folgenden Worten: „Er starb infolge der Verfolgungen in Missouri, und er ist einer aus jener Schar, deren Blut von ihren H?nden gefordert werden wird.“20 Edward Partridge hinterlie? ein Verm?chtnis, das in einer gro?en und rechtschaffenen Nachkommenschaft weiterlebt.

Von den meisten von uns wird jedoch gefordert, nicht f?r die Kirche zu sterben, sondern f?r sie zu leben. F?r viele mag es sogar schwieriger sein, jeden Tag ein wahrhaft christliches Leben zu f?hren, als sein Leben niederzulegen. Ich habe in Kriegszeiten erfahren, dass viele Menschen zu gro?en Taten der Selbstlosigkeit, des Heldentums und des Edelmuts f?hig sind, ohne R?cksicht auf das eigene Leben. Aber als der Krieg vorbei war, und sie nach Hause kamen, konnten sie den gew?hnlichen t?glichen Lebensbelastungen nicht standhalten und wurden Sklaven von Tabak, Alkohol, Drogen und Ausschweifungen, was am Ende dazu f?hrte, dass sie ihr Leben verwirkten.

Manch einer sagt vielleicht: „Ich bin ein einfacher Mensch. Ich bin kein Mensch von Gestalt oder hoher Stellung. Ich bin neu in der Kirche. Meine Talente und F?higkeiten sind beschr?nkt. Mein Beitrag ist nur klein.“ Oder er mag sagen: „Ich bin zu alt, um mich zu ?ndern. Ich habe mein Leben schon gelebt. Warum sollte ich es ?berhaupt versuchen?“ Es ist niemals zu sp?t, um sich zu ?ndern. Ein J?nger zu sein hat nichts mit einer herausragenden Stellung, Wohlstand oder gro?em Wissen zu tun. Die J?nger Jesu kamen aus allen Gesellschaftsschichten. Allerdings wird von uns als J?ngern erwartet, dass wir von schweren ?bertretungen ablassen und uns an dem erfreuen, was Pr?sident Spencer W. Kimball als „Wunder der Vergebung?21 bezeichnete. Dies kann nur durch Umkehr zustande kommen, was bedeutet, dass wir von S?nde ablassen und jeden Tag den Vorsatz fassen, Nachfolger von Wahrheit und Rechtschaffenheit zu sein. Wie Jesus lehrte: „Was f?r M?nner sollt ihr sein? Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin.“22

Viele glauben, der Preis, den es als J?nger zu zahlen gilt, ist zu hoch oder zu beschwerlich. F?r einige hei?t es, zu viel aufzugeben. Aber das Kreuz ist nicht so schwer, wie es scheint. Durch Gehorsam erhalten wir viel mehr Kraft, um es zu tragen.

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin g?tig und von Herzen dem?tig; so werdet ihr Ruhe finden f?r eure Seele.

Denn mein Joch dr?ckt nicht und meine Last ist leicht.“23

Wir k?nnen dann mit Recht f?r uns beanspruchen, J?nger zu sein, wenn wir mit Sicherheit sagen k?nnen, dass seine Wege unsere Wege geworden sind.

Die einem J?nger verhei?enen Segnungen stehen einem jeden offen, der bereit ist, den Preis zu zahlen. Als J?nger erh?lt unser Leben einen Sinn, sodass wir statt ziellos umherzuwandern stetig auf dem schmalen und geraden Weg gehen, der uns zum himmlischen Vater zur?ckf?hrt. Als J?nger erhalten wir Trost in Zeiten des Kummers, ein ruhiges Gewissen und Freude am Dienen, und all dies hilft uns dabei, mehr wie Christus zu werden.

Als J?nger des Erretters gelangen wir in unserem Herz und Sinn zu Erkenntnis und Glauben an die errettenden Grunds?tze und Verordnungen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Als J?nger lernen wir die tief greifende Mission des Propheten Joseph Smith sch?tzen, n?mlich diese rettenden Grunds?tze in unserer Zeit wiederherzustellen. Wir freuen uns dar?ber, dass die Schl?ssel und Vollmacht des Priestertums vom Propheten Joseph Smith ?ber die Pr?sidenten der Kirche bis zu unserem heutigen Propheten, Pr?sident Gordon B. Hinckley, weitergereicht worden sind.

Wir sind dankbar, dass wir uns als J?nger des Erretters mit Zufriedenheit, Gl?ck und Erf?llung an seiner Verhei?ung des Friedens auf dieser Welt24 erfreuen k?nnen. Als J?nger sind wir f?hig, die geistige Kraft zu empfangen, die wir brauchen, um mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden.

Eine der gr??ten Segnungen im Leben und in der Ewigkeit ist es, zu den ergebenen J?ngern des Herrn Jesus Christus gez?hlt zu werden. Ich habe ein tiefes Zeugnis von dieser Wahrheit, und lege dies vor Ihnen ab, im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Siehe Lukas 5:1-11
  2. Vgl. Alma 39:9 (im Englischen auch Fu?note „b“ zum Vers)
  3. Lukas 9:23
  4. Lukas 14:27
  5. „Ich m?chte so sein wie Jesus“, Liederbuch f?r Kinder, Seite 40f.
  6. Apostelgeschichte 10:38
  7. Siehe Matth?us 15:24; Johannes 10:1-12
  8. Siehe Markus 1:40-42
  9. Siehe Mosia 18:9
  10. Mosia 18:9
  11. Siehe Markus 10:14
  12. LuB 103:27,28
  13. Apostelgeschichte 6:8
  14. Apostelgeschichte 7:55
  15.  Apostelgeschichte 7:60
  16. Lukas 23:34
  17. Siehe Rey L. Pratt, „A Latter-day Martyr“, Improvement Era, Juni 1918, Seite -726
  18. Siehe LuB 124:19
  19. Siehe B. H. Roberts, A Comprehensive History of the Church, 1:333; Andrew Jenson, Latter-day Saint Biographical Encyclopedia, 4 Bde., 1:220
  20. History of the Church, 4:132
  21. Siehe The Miracle of Forgiveness, Seite 362
  22. 3 Nephi 27:27
  23. Matth?us 11:28-30
  24. LuB 59:23