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176th Semiannual General Conference, October 2006

Er heilt alle, die schwere Lasten zu tragen haben

Elder Dallin H. Oaks
vom Kollegium der Zw?lf Apostel

Die heilende Macht des Herrn Jesus Christus kann f?r jedes irdische Leid in Anspruch genommen werden.

Der Erretter hat gesagt: ?Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen? (Matth?us 11:28).

Viele haben schwere Lasten zu tragen. Einige haben einen geliebten Menschen durch den Tod verloren, andere versorgen jemanden, der behindert ist. Einige haben von einer Scheidung Wunden davongetragen. Andere sehnen sich nach einer ewigen Ehe. Einige sind im festen Griff von s?chtig machenden Stoffen oder Verhaltensweisen gefangen, wie Alkohol, Tabak, Drogen oder Pornografie. Andere sind durch k?rperliche oder geistige Leiden eingeschr?nkt. Manche ringen damit, dass sie sich zum eigenen Geschlecht hingezogen f?hlen. Einige haben schlimme Depressionen oder f?hlen sich unzul?nglich. Auf die eine oder andere Weise haben viele schwere Lasten zu tragen.

Der Erretter richtet an uns alle diese liebevolle Einladung:

?Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin g?tig und von Herzen dem?tig; so werdet ihr Ruhe finden f?r eure Seele.

Denn mein Joch dr?ckt nicht, und meine Last ist leicht.? (Matth?us 11:28-30.)

Die heiligen Schriften enthalten viele Berichte, in denen der Erretter diejenigen heilt, die schwere Lasten zu tragen haben. Er machte Blinde sehend, Taube h?rend, stellte die Gel?hmten, Verdorrten und Versehrten wieder her, lie? Auss?tzige rein werden und trieb unreine Geister aus. Wir lesen viel dar?ber, wie Menschen von k?rperlichen Leiden geheilt oder gesund gemacht wurden (siehe Matth?us 14:36, 15:28; Markus 6:56, 10:52; Lukas 17:19; Johannes 5:9).

Jesus heilte viele Menschen von k?rperlichen Krankheiten und versagte auch denjenigen, die von anderen Leiden ?gesund gemacht? werden wollten, die Heilung nicht. Matth?us schreibt, dass Jesus alle Krankheiten und Leiden im Volk heilte (siehe Matth?us 4:23; 9:35). ?Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken.? (Matth?us 12:15.) Dabei wurden sicher auch Leiden emotionaler, mentaler oder geistiger Natur geheilt. Er heilte alle Kranken.

In seiner Predigt in der Synagoge am Anfang seines Wirkens las Jesus aus dieser Prophezeiung Jesajas vor: ?Der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verk?nde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze.? (Lukas 4:18.) Jesus erkl?rte, dass er gekommen sei, um diese Prophezeiung zu erf?llen, und bekr?ftigte damit ausdr?cklich, dass er diejenigen mit k?rperlichen Leiden heilen und auch die Gefangenen entlassen, die Zerschlagenen freisetzen und diejenigen heilen w?rde, die ein gebrochenes Herz haben.

Das Lukasevangelium enth?lt viele Beispiele dieses Wirkens. Es berichtet von Situationen, in denen ?die Menschen von ?berall herbeistr?mten. Sie alle wollten [Jesus] h?ren und von ihren Krankheiten geheilt werden? (Lukas 5:15). An anderer Stelle lesen wir, dass Jesus ?viele Menschen von ihren Krankheiten [heilte]? (Lukas 7:21) und ?alle [heilte], die seine Hilfe brauchten? (Lukas 9:11). Es beschreibt auch, dass viele Menschen aus ganz Jud?a und Jerusalem und dem K?stengebiet von Sidon in die Ebene str?mten, um ihn zu h?ren und geheilt zu werden (siehe Lukas 6:17).

Als der Erretter den Rechtschaffenen in der neuen Welt erschien, forderte er diejenigen, die lahm oder blind waren oder andere k?rperliche Leiden hatten, auf, zu ihm zu kommen. Er richtete diese Aufforderung auch an diejenigen, die ?in irgendeiner Weise bedr?ngt sind? (3 Nephi 17:7). ?Bringt sie her?, sagte er, ?und ich werde sie heilen.? (Ebda.) Das Buch Mormon berichtet, wie die Menge alle zu ihm brachte, ?die auf irgendeine Weise bedr?ngt waren? (Vers 9). Dazu m?ssen auch diejenigen geh?rt haben, die unter jeder Art k?rperlicher, seelischer oder geistiger Bedr?ngnis gelitten haben, und die Schriftstelle bezeugt, dass Jesus ?sie [heilte], jeden Einzelnen? (Vers 9).

Der Erretter lehrt, dass wir in der Welt in Bedr?ngnis sind, aber Mut haben sollen, denn er hat ?die Welt besiegt? (Johannes 16:33). Sein S?hnopfer ist weitreichend und machtvoll genug, um nicht nur den Preis f?r die S?nde zu zahlen, sondern auch jedes irdische Leid zu heilen. Im Buch Mormon steht: ?Er wird hingehen und Schmerzen und Bedr?ngnisse und Versuchungen jeder Art leiden; und dies, damit sich das Wort erf?lle, das da sagt, er werde die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen? (Alma 7:11; siehe auch 2 Nephi 9:21).

Er kennt unsere Qual, und er ist f?r uns da. Er ist wie der barmherzige Samariter in seinem Gleichnis: Wenn er uns verwundet am Wegesrand findet, verbindet er unsere Wunden und sorgt f?r uns (siehe Lukas 10:34). Br?der und Schwestern, die heilende Macht seines S?hnopfers erstreckt sich auf Sie, auf uns, auf alle.

In den gebetartigen Worten unseres Liedes ?Meister, es toben die Winde? wird seine allumfassende, heilende Macht herbeigesehnt:

Meister, voll Unruh im Herzen
ruf heute ich laut zu dir.
Die Tiefen sind in mir erreget,
komm rette mich, hilf auch mir!

St?rme von schwerer Versuchung
treten an mich heran;
ich verderbe, o Herr, ich verderbe,
hilf mir als mein Steuermann!
(Gesangbuch, Nr. 66.)


Wir k?nnen durch die Vollmacht des Melchisedekischen Priestertums geheilt werden. Jesus gab seinen Aposteln die Macht, ?alle Krankheiten und Leiden zu heilen? (Matth?us 10:1; siehe auch Markus 3:15; Lukas 9:1,2), und sie machten sich auf den Weg und ?verk?ndeten das Evangelium und heilten ?berall die Kranken? (Lukas 9:6; siehe auch Markus 6:13; Apostelgeschichte 5:16). Auch die Siebziger wurden mit der Macht und dem Gebot ausgesandt, die Kranken zu heilen (siehe Lukas 10:9; Apostelgeschichte 8:6,7).

Der Erretter konnte jeden heilen, den er wollte, auf diejenigen, die seine Priestertumsvollmacht tragen, trifft dies allerdings nicht zu. Wenn Menschen auf der Erde diese Vollmacht aus?ben, sind sie durch den Willen des Herrn, dessen Priestertum es ist, eingeschr?nkt. Folglich wird uns gesagt, dass einige, die von den ?ltesten gesegnet werden, nicht geheilt werden, weil sie ?f?r den Tod bestimmt? sind (LuB 42:48). Ebenso verweigerte der Herr dem Apostel Paulus die Heilung, als dieser darum bat, von dem Stachel im Fleisch, der ihn mit F?usten schlug (siehe 2 Korinther 12:7), geheilt zu werden. Paulus schrieb sp?ter, dass der Herr erkl?rte: ?Meine Gnade gen?gt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit? (Vers 9). Paulus nahm dies gehorsam auf: ?Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit r?hmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt ?; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark? (Vers 9,10).

Heilende Segnungen kommen auf vielerlei Weise, immer auf unsere individuellen Bed?rfnisse abgestimmt, die ihm, der uns am meisten liebt, bekannt sind. Manchmal befreit uns eine ?Heilung? von unserer Krankheit oder Last. Aber manchmal werden wir ?geheilt?, indem uns die Kraft, die Einsicht oder die Geduld gegeben wird, die Lasten zu tragen, die uns auferlegt werden.

Die Menschen, die Alma folgten, waren in der Knechtschaft schlechter Unterdr?cker. Als sie um Freiheit beteten, sagte der Herr ihnen, dass er sie letztendlich befreien werde. F?r die Zwischenzeit aber wollte er ihnen ihre Lasten ?leicht machen, sodass ihr sie nicht mehr auf eurem R?cken sp?ren k?nnt, selbst nicht, w?hrend ihr in Knechtschaft seid; und das werde ich tun, damit ihr ? als Zeugen f?r mich auftretet ?, dass ich, der Herr, Gott, mich meinem Volk in seinen Bedr?ngnissen annehme? (Mosia 24:14). In diesem Fall wurde den Menschen die Last nicht genommen, aber der Herr st?rkte sie, sodass ?sie ihre Lasten m?helos tragen konnten, und sie unterwarfen sich frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn? (Vers 15).

Dieselbe Verhei?ung und ihr Resultat gelten auch f?r die M?tter, die verwitwet oder geschieden sind, f?r die Alleinstehenden, die einsam sind, f?r diejenigen, die eine schwere Last zu tragen haben, weil sie jemanden pflegen m?ssen, f?r diejenigen, die unter einer Sucht leiden, und f?r uns alle, was unsere Last auch sein mag. ?Kommt zu Christus?, sagt der Prophet, ?und werdet in ihm vollkommen? (Moroni 10:32).

Manchmal verzweifeln wir vielleicht, weil unsere Last zu gro? ist. Wenn es so scheint, als tobten die Winde in unserem Leben, f?hlen wir uns m?glicherweise verlassen und rufen wie die J?nger im Sturm: ?Meister, k?mmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?? (Markus 4:38.) Denken wir in solchen Zeiten daran, was er geantwortet hat: ?Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?? (Vers 40.)

Die heilende Macht des Herrn Jesus Christus ? ob sie nun die Last von uns nimmt oder uns die Kraft gibt, sie zu ertragen und mit ihr zu leben wie der Apostel Paulus ? kann f?r jedes irdische Leid in Anspruch genommen werden.

Nachdem ich eine Generalkonferenz-Ansprache ?ber die ?bel der Pornografie gehalten hatte (?Pornografie?, Liahona, Mai 2005, Seite 87-90), erhielt ich viele Briefe von Menschen, die mit dieser Sucht belastet sind. Einige dieser Briefe stammen von M?nnern, die die Pornografie ?berwunden haben. Einer schrieb:

?Ich habe mehrere Lehren aus der Erfahrung gezogen, aus der Dunkelheit einer S?nde herauszukommen, die das Leben derer, die sie in ihren Bann zieht, ganz beherrscht: 1.) Dies ist ein immenses Problem, das unglaublich schwierig zu ?berwinden ist. ? 2.) Die wichtigste Quelle f?r Unterst?tzung und Kraft w?hrend des Umkehrprozesses ist der Erretter. ? 3.) Intensives, t?gliches Schriftstudium, regelm??iger Tempelbesuch und die aufrichtige, bewusste Teilnahme am Abendmahl sind unerl?ssliche Elemente eines wahren Umkehrprozesses. Ich nehme an, das ist so, weil all das dazu dient, die Beziehung zum Erretter, die Erkenntnis ?ber sein S?hnopfer und den Glauben an seine heilende Macht zu vertiefen und zu st?rken.? (Brief vom 24. Oktober 2005.)

?Kommt alle zu mir?, hat der Erretter gesagt, ?ich werde euch Ruhe verschaffen? (Matth?us 11:28,29). Dieser schwer beladene Mann wandte sich an den Erretter, und das kann auch jeder von uns.

Eine Frau, deren Ehe durch die Pornografiesucht ihres Mannes in Gefahr war, schrieb, wie sie ihm f?nf Jahre lang beigestanden hat. Nun sagt sie: ?Dank des herrlichen S?hnopfers unseres kostbaren Erretters, das uns geschenkt wurde, und dank dessen, was er mich ?ber Vergebung gelehrt hat, ist [mein Mann] endlich frei ? und ich bin es auch.? Als jemand, der sich nicht von S?nde hatte reinigen m?ssen, sondern nur bestrebt gewesen war, einen geliebten Menschen aus der Knechtschaft zu befreien, gab sie diesen Rat:

?Sprechen Sie mit dem Herrn. ? Er ist Ihr bester Freund! Er kennt Ihren Schmerz, weil er ihn bereits f?r Sie gelitten hat. Er ist bereit, diese Last zu tragen. Vertrauen Sie ihm so sehr, dass Sie sie zu seinen F??en ablegen und ihm gestatten, sie f?r Sie zu tragen. Dann nimmt in den Tiefen Ihrer Seele sein Frieden den Platz ein, an dem zuvor Ihr Leid war.? (Brief vom 18. April 2005.)

Ein Mann schrieb einer Generalautorit?t, wie die Macht des S?hnopfers ihm bei dem Problem geholfen hat, dass er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen f?hlte. Er war wegen schwerwiegender ?bertretungen, mit denen er gegen seine Tempelb?ndnisse versto?en und seine Pflichten gegen?ber seinen Kindern missachtet hatte, aus der Kirche ausgeschlossen worden. Er musste entscheiden, ob er versuchen wollte, nach dem Evangelium zu leben, oder weiterhin einen mit dessen Lehren unvereinbaren Weg gehen wolle.

?Ich wusste, es w?rde schwer werden?, schrieb er, ?aber mir war nicht klar, was ich da durchmachen muss.? Sein Brief beschreibt die Leere und die Einsamkeit sowie den unbeschreiblichen Schmerz, den er tief in seiner Seele sp?rte, w?hrend er versuchte, zur?ckzukommen. Er betete inst?ndig um Vergebung, manchmal ?ber mehrere Stunden hinweg. Das Schriftstudium, der regelm??ige Kontakt zu einem liebevollen Bischof und Priestertumssegen waren ihm eine St?tze. Den Ausschlag gab jedoch die Hilfe des Erretters. Dieser Mann erkl?rt:

?Ich verdanke das allein dem Herrn und seinem S?hnopfer. ? Jetzt versp?re ich ?berw?ltigende Dankbarkeit. Mein Schmerz war manchmal fast gr??er, als ich ertragen konnte, und dennoch war er im Vergleich zu dem, was der Herr gelitten hat, so gering. Wo in meinem Leben einst nur Finsternis herrschte, ist nun Liebe und Dankbarkeit.?

Er schreibt weiter: ?Einige behaupten, dass man sich ?ndern kann, und dass eine Therapie die einzige L?sung ist. Sie kennen sich mit dem Thema ausgezeichnet aus und k?nnen jemandem, der damit zu k?mpfen hat, viel geben, ? aber ich f?rchte, dass sie vergessen, den himmlischen Vater einzubeziehen. Wenn man sich ?ndert, geschieht das im Einklang mit dem Willen Gottes. Es beunruhigt mich auch, dass viele Leute sich auf die Ursachen [daf?r] konzentrieren, [dass man sich zum eigenen Geschlecht hingezogen f?hlt]. ? Es ist nicht n?tig, herauszufinden, warum ich [diese Schwierigkeit] habe. Ich wei? nicht, ob ich damit geboren wurde oder ob Umweltfaktoren dazu beitrugen. Tatsache ist, dass ich damit zu k?mpfen habe, und es kommt darauf an, wie ich von nun an damit umgehe.? (Brief vom 25. M?rz 2006.)

Diejenigen, die diese Briefe geschrieben haben, wissen, dass das S?hnopfer Jesu Christi und die Heilung, die es bietet, noch viel mehr bewirken als die M?glichkeit, von S?nden umzukehren. Das S?hnopfer gibt uns auch die Kraft, ?Schmerzen und Bedr?ngnisse und Versuchungen jeder Art? zu ertragen, weil unser Erretter ja auch ?die Schmerzen und die Krankheiten seines Volkes? auf sich genommen hat (Alma 7:11). Br?der und Schwestern, wenn Ihr Glaube, Ihre Gebete und die Macht des Priestertums Sie von einem Leiden nicht heilen, wird die Macht des S?hnopfers Ihnen gewiss die Kraft geben, die Last zu tragen.

?Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt?, hat der Erretter gesagt. ?Ich werde euch Ruhe [f?r eure Seele] verschaffen.? (Matth?us 11:28,29.)

W?hrend wir mit den Herausforderungen des Erdenlebens zu k?mpfen haben, bete ich f?r jeden von uns so, wie der Prophet Mormon f?r seinen Sohn Moroni gebetet hat: ?M?ge Christus dich erheben, und m?gen seine Leiden und sein Tod ? und seine Barmherzigkeit und Langmut und die Hoffnung auf seine Herrlichkeit und auf ewiges Leben immerdar in deinem Sinn verbleiben.? (Moroni 9:25.)

Ich gebe Zeugnis von Jesus Christus, unserem Erretter, der uns alle einl?dt, zu ihm zu kommen und in ihm vollkommen gemacht zu werden. Er wird unsere Wunden verbinden und alle heilen, die schwere Lasten zu tragen haben. Im Namen Jesu Christi. Amen.