Kathleen H. Hughes
Erste Ratgeberin in der FHV-Pr?sidentschaft
Christus im roten Gewand von Minerva Teichert ist wohl das perfekte Bild, um unser Motto f?r den heutigen Abend darzustellen: ?Ich bin auf ewig ringsum umschlossen von den Armen seiner Liebe? (2 Nephi 1:15). Christus sieht mit den zu uns ausgestreckten Armen so einladend aus. So, wie er die Nephiten einlud: ?Erhebt euch, und kommt her zu mir? (3 Nephi 11:15), so l?dt er auch jeden von uns ein, einer nach dem andern zu ihm zu kommen, damit auch wir wissen m?gen, dass er ?der Gott Israels und der Gott der ganzen Erde [ist] und f?r die S?nden der Welt get?tet worden [ist]? (3 Nephi 11:14). Wir erfahren, wie es sich anf?hlt, von seiner Liebe umschlossen zu sein, wenn wir diese Einladung annehmen.
Ich bin mir sicher, dass jeder von Ihnen sich irgendwann einmal von den Armen der Liebe Christi umschlossen f?hlte. Aber wenn es Ihnen so geht wie mir, dann gibt es Zeiten, in denen Sie Angst haben, in denen der Stress und die Gesch?ftigkeit des Lebens Sie zu ?berw?ltigen scheinen und Sie das Gef?hl haben, sich vom Geist zu entfernen. Vielleicht f?hlen Sie sich sogar im Stich gelassen. Wenn ich diese Gef?hle habe, ist das beste Gegenmittel meine Erinnerung an die Augenblicke, in denen mir der Frieden Christi zuteil wurde, um mich zu st?rken. Ich lade Sie daher heute Abend ein, sich zusammen mit mir daran zu erinnern, wie es ist, die Liebe des Herrn zu versp?ren und sich von seinen Armen umschlossen zu f?hlen.
Meine Mutter starb, als ich selbst eine junge Mutter war. Ich brauchte noch immer ihren Rat. Nachdem bei ihr Krebs festgestellt worden war, lebte sie nur noch sechs Wochen. Anfangs galt meine Sorge meinem Vater. Ich war dankbar, dass Mutter nicht lange gelitten hat und dass uns trotz ihres Todes auch gute Erfahrungen aus dieser Zeit geblieben sind. Aber ein paar Wochen sp?ter war Muttertag und ihr Geburtstag ? und ich fing an, sie schrecklich zu vermissen. Ich wollte, dass sie ihre Arme um mich legte, und ich wollte wissen, dass es ihr gut ging. Ich wollte ihr sagen, dass ich sie liebte und vermisste.
Eines Abends, als ich betete und weinte (was ich damals oft tat), sp?rte ich, wie mein K?rper pl?tzlich und machtvoll von einem Gef?hl des Trostes erf?llt wurde. Das Gef?hl gab mir Heilung und schenkte mir Frieden. Diese k?rperliche Empfindung w?hrte nicht lange, und doch war es ungemein tr?stlich. Ich wusste, was es war ? es war die Liebe des Herrn, die mich umschloss und mir Frieden und Kraft schenkte. Genauso wichtig ist aber, dass jener Augenblick als ein wunderbares Geschenk in meinem Ged?chtnis verblieben ist, das ich auspacken und an das ich mich erinnern kann, wenn das Leben gerade schwierig ist.
Manchmal kamen jene Augenblicke der Liebe und der daraus resultierende Friede auch unerwartet und wenn es nicht unbedingt n?tig war, wenn es keine speziellen Probleme oder Fragen gab. An einem sch?nen Sonntag im Herbst sa? ich in dem Sessel, in dem ich immer zum Schriftstudium sitze, und beobachtete, wie die gelben Bl?tter vom Aprikosenbaum unseres Nachbarn fielen. Ich sah von meinen heiligen Schriften auf und sp?rte ohne Vorwarnung, wie eine Woge des Friedens und der Zufriedenheit ?ber mich hinwegging. Ein fl?chtiger Augenblick, doch die Erinnerung an die Liebe, die ich versp?rt hatte, hielt an. Diese Erinnerung ist ein Geschenk, und ich kann sie mir ins Ged?chtnis rufen, wenn mein Leben gerade schwierig ist.
Aber jeden Tag ? wenn ich danach bestrebt bin ? erfahre ich die Liebe des Herrn und f?hle mich von seinen Armen umschlossen. Ich sehe Beweise der Liebe des Herrn bei meinen morgendlichen Spazierg?ngen, wenn die Luft klar ist und die ersten Lichtstrahlen im Osten zu sehen sind; ich sp?re seine Liebe, wenn mir pl?tzlich eine Schriftstelle in den Sinn kommt und auf neue Weise zu mir spricht. Ich erkenne seine Liebe, wenn ich von guten Frauen in der FHV oder von Besuchslehrerinnen belehrt werde, denen ich am Herzen liege. Ich sp?re seine Gegenwart, wenn mein Herz auf sch?ne Musik oder eine unvergessliche Ansprache reagiert. Schwestern, der Herr ist ?berall, wenn wir unsere Augen und unser Herz f?r seine Liebe ?ffnen.
Ich bin sicher, es gibt Frauen unter Ihnen, die jetzt denken: ?Wann habe ich Zeit f?r einen Morgenspaziergang? Wann hatte ich zuletzt zehn Minuten Ruhe, um in den heiligen Schriften zu lesen?? Oder: ?Wann hatte ich zuletzt einen Tag ohne Schmerzen? Ohne Sorgen? Ohne Kummer?? Und mir ist klar, dass sich das Leben wirklich oft anf?hlt, wie ein gro?er Berg Verpflichtungen, Frustrationen und Entt?uschungen. Aber der Herr ist da, immer der Gleiche: seine Arme immer noch ausgestreckt. Wenn wir das Gef?hl haben, dass uns alles ?ber den Kopf w?chst, m?ssen wir uns an den Frieden erinnern, den er uns bei fr?heren Anl?ssen zugesprochen hat. Sein Friede bringt Trost und Kraft; die Welt kann uns dies nicht geben.
Als glaubenstreue Frauen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind wir mit dem Heiligen Geist gesegnet. Wenn wir den Erretter in unser Leben bitten, gibt uns der Heilige Geist Zeugnis von der Liebe, die der Vater und sein Sohn, unser Erretter, f?r jeden von uns haben. Aber ob wir ihre Liebe versp?ren, h?ngt nicht nur von unserem Wunsch, sondern auch von unseren Taten ab. Und wir wissen, was wir tun sollen. Dazu geh?rt: Aufrichtiges Beten, das zielgerichtet und dem?tig ist, gefolgt von einem stillen Lauschen auf die Antworten des Herrn; regelm??iges Schriftstudium und Zeit, um ?ber das nachzudenken, was wir lesen; und schlie?lich die Bereitschaft, uns selbst zu pr?fen und auf die Verhei?ung des Herrn zu vertrauen, dass er Schwaches f?r uns stark werden l?sst (siehe Ether 12:27). Wenn wir studieren und nachsinnen, haben wir ein Anrecht auf die Eingebungen des Geistes, und wenn wir f?r diese Eingebungen empf?nglicher werden, werden wir jeden Tag das Wirken des Herrn in unserem Leben erkennen. Wir werden ihn ?in den Einzelheiten unseres Lebens? finden, wie Elder Neal A. Maxwell sagte (Neal A. Maxwell, ?Becoming a Disciple?, Ensign, Juni 1996, Seite 19). Und wenn wir zu dieser Erkenntnis gelangen, dann versp?ren wir seinen Frieden und erkennen, dass wir wahrhaftig von den Armen seiner Liebe umschlossen sind.
Im Januar 2004 ermahnte Pr?sident Hinckley die Frauen der Kirche, sich ?fest und unersch?tterlich? gegen das B?se zu stellen, das in der Welt zunimmt (?Ein fester und unersch?tterlicher Stand?, Weltweite F?hrerschaftsschulung, 10. Januar 2004, Seite 20). Schwestern, darum m?ssen wir danach trachten, die Liebe des Herrn zu kennen und zu sp?ren. Darum m?ssen wir uns an unsere eigenen Erfahrungen mit seinem Frieden und der damit einhergehenden Kraft erinnern und sie h?ten wie einen Schatz. Und darum m?ssen wir unsere Erfahrungen in Bezug auf Glauben und das Zeugnis an unsere Kinder und jene, die keine Eltern oder Angeh?rige haben, weitergeben.
Unsere Familien brauchen den Frieden Gottes, und wenn wir den Herrn nicht in unser Leben einladen k?nnen oder wollen, dann werden unsere Familien unseren eigenen inneren Aufruhr widerspiegeln. Frauen sind aufgefordert, sich um ihre Familie zu k?mmern, aber wir m?ssen auch standhaft sein ? wir m?ssen das felsenfeste Fundament sein, auf dem unser Zuhause stehen kann. Unsere Familie braucht es, dass wir ihr Frieden zusprechen, genau so, wie der Herr uns Frieden zuspricht. Unser Zuhause muss ein Ort sein, wo unsere Familie und Freunde sein wollen, ein Ort, wo alle, die eintreten, Kraft und Mut sch?pfen k?nnen, um sich den Herausforderungen des Lebens in einer zunehmend schlechten Welt stellen zu k?nnen. Unsere Kinder m?ssen h?ren, dass wir von Christus reden, uns ?ber Christus freuen und von Christus predigen (siehe 2 Nephi 25:26), damit sie wissen, von welcher Quelle sie den Frieden erlangen k?nnen, ?der alles Verstehen ?bersteigt? (Philipper 4:7).
Denken Sie daran, Schwestern, die Einladung des Erretters ist klar und direkt und ? was wesentlich f?r uns ist ? sie ist best?ndig: ?Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. ? Nehmt mein Joch auf euch ?; denn ? meine Last ist leicht? (Matth?us 11:28-30). Dies ist die Verhei?ung des Herrn an Sie und mich.
Ich bete darum, dass jeder von uns sich an die Augenblicke erinnert, in denen der Herr uns seinen Frieden zugesprochen und uns mit den Armen seiner Liebe umschlossen hat. Und was genauso wichtig ist: Wenn Sie diese Liebe seit einiger Zeit nicht versp?rt haben, streben Sie danach, sie zu sehen und zu sp?ren, w?hrend Sie ihren allt?glichen Aufgaben nachgehen. Wenn Sie dies tun, werden die Erinnerungen an jene Begegnungen mit dem Herrn ?ber die Tage, Monate und Jahre Ihres Lebens hinweg zu wunderbaren Geschenke werden, die Sie ein zweites Mal oder viele Male ?ffnen k?nnen, um eine St?tze zu erhalten, wenn das Leben schwierig ist.
?Frieden hinterlasse ich euch?, verhei?t der Herr, ?nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch? (Johannes 14:27). Friede. Kraft. Das ist es, wonach wir uns sehnen und was m?glich ist. Wir m?ssen uns nur seinen ausgestreckten Armen zuwenden. Im Namen Jesu Christi. Amen.