176th Semiannual General Conference, October 2006

Geistige N?hrstoffe

Pr?sident James E. Faust
Zweiter Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft

Wir m?ssen mehr geistige N?hrstoffe zu uns nehmen ? N?hrstoffe, die wir durch die Erkenntnis der F?lle des Evangeliums und die M?chte des heiligen Priestertums erhalten.

Mein Gro?vater lie? seine Rinder jeden Sommer in den sch?nen, saftigen Bergt?lern grasen, ?stlich unseres Wohnorts mitten in Utah. Die K?he ben?tigten jedoch zus?tzliche N?hrstoffe, die sie erhielten, indem sie Steinsalz leckten. Das Steinsalz kam aus einer Salzmine, die sich in einiger Entfernung befand. Wenn Gro?vater das Salz an den Salzlecken wieder auff?llen musste, legte er einem kr?ftigen Pferd einen Packsattel auf und belud ihn mit Steinsalz. Ich nannte das Pferd aus gutem Grund Slowpoke (Langweiler). Gro?vater setzte mich auf den mit Steinsalz beladenen Slowpoke. Er gab mir die Z?gel, damit ich das Pferd hinter ihm den Berg hinauff?hren konnte.

Mein Pferd Slowpoke war langsam, aber weil es eine so schwere Last trug, dr?ngte ich es nicht. Es dauerte einen ganzen Tag, zu den Salzleckstellen zu reiten und das Salz von dem Packtier abzuladen. Als es w?rmer wurde, fingen meine schwei?nassen Beine an zu brennen, weil sie sich an den Steinsalzklumpen im Packsattel wund rieben. Ich war froh, wenn wir einen Bach ?berquerten und ich vom Pferd steigen und meine Beine abwaschen und wieder trocknen konnte, sodass sie nicht mehr brannten.

Gro?vater sang fast den ganzen Tag. Meistens waren es Zionslieder. Aber eines seiner Lieder, das mich sehr beeindruckte, lautete: „Zeig mir deine Gef?hrten, und ich sage dir, wer du bist.“ R?ckblickend war es eine sch?ne Erfahrung, Salz in das Bergtal zu bringen, und zudem kr?ftigten die zus?tzlichen N?hrstoffe aus dem Steinsalz die Rinder.

N?hrstoffe sind Bestandteile der Nahrung, die bei Mensch und Tier Wachstum und Heilung f?rdern. Die Rinder meines Gro?vaters ben?tigten die in dem Steinsalz enthaltenen N?hrstoffe, doch der Mensch braucht mehr. Der Mensch muss immer wieder geistig gen?hrt werden, weil „das Leben ? wichtiger [ist] als die Nahrung“1 und es einen „Geist im Menschen [gibt], des Allm?chtigen Hauch, der ihn verst?ndig macht“.2 Der menschliche Geist braucht Liebe. Er muss auch „in den Worten des Glaubens und der guten Lehre“3 erzogen werden.

Geistige Nahrung bereitet uns auf die Taufe vor. Zu dieser Vorbereitung geh?rt, dass wir uns vor Gott dem?tigen, ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist haben, von all unseren S?nden umkehren und „willens sind, den Namen Jesu Christi auf [uns] zu nehmen“, und durch unsere Werke kundtun, dass wir vom Geist Christi empfangen haben.4

Unser wichtigster geistiger N?hrstoff ist ein Zeugnis davon, dass Gott unser ewiger Vater ist, dass Jesus unser Erretter und Erl?ser und der Heilige Geist unser Tr?ster ist. Dieses Zeugnis wird uns durch die Gabe des Heiligen Geistes zuteil. Aus diesem Zeugnis ziehen wir die geistigen N?hrstoffe des Glaubens und Vertrauens in Gott, die die Segnungen des Himmels hervorbringen. Geistige N?hrstoffe erhalten wir aus verschiedenen Quellen, aufgrund der begrenzten Zeit m?chte ich jedoch nur drei erw?hnen.

Vor ein paar Jahren beschloss ein junger Mann, der gerade sein letztes Jahr an der Highschool begann, sich zu n?hren, indem er jeden Tag eine halbe Stunde in den heiligen Schriften las. Als er anfing, das Neue Testament zu lesen, traf er auf ein Hindernis. Er versp?rte nicht das erwartete geistige Hochgef?hl und er gewann auch keinerlei neue Einblicke. Also fragte er sich: Was mache ich falsch? Dann kam ihm ein Erlebnis in der Schule in den Sinn. Er und einige seiner Freunde hatten sich Witze erz?hlt – einige davon waren nicht gerade lustig gewesen, sondern absolut unanst?ndig. Er hatte sich nicht nur daran beteiligt, sondern sogar einige geschmacklose Kommentare dazu abgegeben. Gerade in dem Augenblick, als er daran dachte, fiel sein Blick auf diese Worte in Matth?us: „Ich sage euch: ?ber jedes unn?tze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen m?ssen.“5 Er wusste, dass der Geist ihn zu diesen Worten gef?hrt hatte. Er legte seine Bibel beiseite und sprach ein reum?tiges Gebet.

Die Antwort auf seine Frage, „was mache ich falsch?“, war einfach. Er las die heiligen Schriften, markierte sie und hatte auch Freude daran, aber er lebte nicht nach dem Rat, der darin gegeben wurde. Als er sein Schriftstudium wieder aufgriff und sich bem?hte, dem Beispiel Christi zu folgen, bemerkte er bald, wie verschiedene Bereiche in seinem Leben zu gedeihen begannen.6 Indem er die heiligen Schriften in sein Leben einbezog, hatte er einen wichtigen geistigen N?hrstoff hinzugef?gt.

In unserem unsicheren physischen Umfeld m?ssen wir mehr geistige N?hrstoffe zu uns nehmen – N?hrstoffe, die wir durch die Erkenntnis der F?lle des Evangeliums und die M?chte des heiligen Priestertums erhalten. Wenn diese Erkenntnis unsere Seele durchdringt, kommen wir nicht nur Gott n?her, sondern haben auch den Wunsch, ihm und unseren Mitmenschen zu dienen.

Vor einigen Jahren beschloss ein Priesterkollegium, als Dienstprojekt Lebensmittel f?r die Bed?rftigen zu sammeln. Jim, einer der Priester, freute sich sehr darauf und war entschlossen, mehr Lebensmittel zu sammeln als alle anderen. Die Priester trafen sich also am Gemeindehaus. Sie gingen alle zur gleichen Zeit los und kehrten sp?ter am Abend zur vereinbarten Zeit zur?ck. Zu jedermanns ?berraschung war Jims Wagen leer. Er schien sehr ernst zu sein, und einige der Jungen machten sich ?ber ihn lustig. Der Berater bemerkte es, und da er wusste, dass Jim sich f?r Autos interessierte, sagte er: „Komm mit nach drau?en, Jim. Sieh dir einmal mein Auto an. Es l?uft nicht richtig.“

Als sie drau?en waren, fragte der Berater, ob Jim traurig sei. Jim sagte: „Eigentlich nicht. Ich zog los und sammelte recht viele Lebensmittel. Mein Wagen war voll. Als ich zum Gemeindehaus zur?ckging, ging ich auch zum Haus einer Frau, die kein Mitglied unserer Kirche ist, aber in unserem Gemeindegebiet lebt. Sie ist geschieden. Ich klopfte an die T?r und erkl?rte, was wir taten, und sie bat mich herein. Sie fing an, nach etwas zu suchen, was sie mir geben konnte. Sie ?ffnete den K?hlschrank, und ich konnte sehen, dass kaum etwas darin war. Die Schr?nke waren leer. Schlie?lich fand sie eine kleine Dose Pfirsiche.

Ich konnte es kaum glauben. Da rannten so viele kleine Kinder herum, die etwas zu essen brauchten, und sie gab mir diese Dose Pfirsiche. Ich nahm sie, legte sie in meinen Wagen und ging weiter. Ich war ungef?hr einen halben H?userblock weit gegangen, als sich ein Gef?hl in mir ausbreitete und ich wusste, dass ich zu diesem Haus zur?ckgehen musste. Ich habe ihr die ganzen Lebensmittel gegeben.“

Der Berater sagte: „Jim, vergiss nie, wie du dich heute gef?hlt hast, genau darum geht es n?mlich.“7 Jim hatte den N?hrstoff des selbstlosen Dienens gekostet.

Viele geistige N?hrstoffe erh?lt man auf Mission – wenn man v?llig im Werk des Herrn aufgeht. Man erh?lt sie, wenn man Menschen hilft, geistig zu erwachen, sodass sie das Evangelium annehmen k?nnen. Vor mehr als einem Jahrhundert, als Elder J. Golden Kimball ?ber die S?dstaatenmission pr?sidierte, berief er eine Versammlung f?r die Missionare ein. Sie wollten sich an einer abgeschiedenen Stelle im Wald treffen, um ungest?rt zu sein. Einer der Missionare hatte Probleme mit seinem Bein. Es war wund und geschwollen und mindestens doppelt so dick wie das andere Bein. Aber der Missionar bestand darauf, an dieser besonderen Priestertumsversammlung im Wald teilzunehmen. Also trugen ihn zwei Missionare zum Versammlungsort.

Elder Kimball fragte die Missionare: „Br?der, was predigen Sie??

Sie sagten: „Wir predigen das Evangelium Jesu Christi.“

„Erz?hlen Sie den Leuten, dass Sie die Macht und Vollmacht haben, durch Glauben die Kranken zu heilen?“, fragte er.

Sie sagten: „Ja.“

„Warum“, fuhr er fort, „glauben Sie es dann nicht??

Der junge Mann mit dem geschwollenen Bein ?u?erte sich und sagte: „Ich glaube es.“ H?ren Sie nun den Rest der Geschichte in Elder Kimballs Worten: „[Der Missionar] setzte sich auf einen Baumstumpf, und die anderen Missionare scharten sich um ihn. Er wurde gesalbt, ich gab ihm einen Segen, und er wurde direkt in ihrer Gegenwart geheilt. Es war ein ziemlicher Schock; jeder andere Missionar, der krank war, bekam ebenfalls einen Segen – und sie wurden alle geheilt. Wir beendeten die Priestertumsversammlung, und die Missionare erhielten ihre Auftr?ge; es herrschte eine Freude, die sich nicht beschreiben l?sst.“8 Sie hatten reichlich N?hrstoffe f?r ihren Glauben erhalten, und ihr Eifer f?r die Missionsarbeit wurde neu belebt.

Geistige N?hrstoffe, die uns geistig gesund erhalten, k?nnen ihre Wirksamkeit und Kraft verlieren, wenn wir nicht so leben, dass wir der g?ttlichen F?hrung, die wir brauchen, w?rdig sind. Der Erretter hat uns gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“9 Wir m?ssen unseren Sinn und unseren K?rper rein halten und jegliche Abh?ngigkeit und Verunreinigung vermeiden. Wir w?rden nie verdorbenes oder verunreinigtes Essen zu uns nehmen. In gleicher Weise sollen wir kritisch darauf achten, dass wir nichts Geschmackloses lesen oder ansehen. Ein Gro?teil des geistigen Schmutzes kommt durch das Internet, Computerspiele, Fernsehshows und Filme, die nur die niederen menschlichen Neigungen ansprechen oder auch darstellen. Da wir in einem solchen Umfeld leben, m?ssen wir unsere geistige Kraft st?rken.

Enos spricht davon, dass seine Seele hungerte und er den ganzen Tag bis in die Nacht hinein um seiner Seele willen im Gebet zum Herrn schrie.10 Er verlangte nach den geistigen N?hrstoffen, die den Durst nach geistiger Wahrheit stillen. Wie der Erretter der Welt der Samariterin am Brunnen sagte: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“11

Heute Abend sind wir als das Priestertum Gottes hier und an anderen Orten zu dieser gro?en Versammlung zusammengekommen – hoffentlich, weil wir geistig gen?hrt werden wollen. Ich hoffe, dass wir immer nach dem Wort des Herrn durch seine Diener, die Propheten, hungern und d?rsten, und dass wir jede Woche, wenn wir die Abendmahlsversammlung besuchen und unsere B?ndnisse erneuern, ges?ttigt werden.

Jeder von euch Jungen M?nnern im Aaronischen Priestertum tr?gt in sich alle wesentlichen Elemente f?r seine ewige Bestimmung. Diese Elemente, die teilweise noch ruhen, m?ssen von au?en gest?rkt und gen?hrt werden. Einige sind physischer Art, andere geistig. Der menschliche Geist muss um seine ewige Reise wissen – er muss wissen, woher er kam, warum er hier auf der Erde lebt und wo er letztlich hingehen muss, um Freude und Gl?ck zu erlangen und seine Bestimmung zu erf?llen. Wenn wir unseren Geist mit geistigen N?hrstoffen f?llen, dann kann das etwas Immerw?hrendes sein, was uns bis in die Ewigkeit hinein begleitet. Wie Amulek lehrte: „Der gleiche Geist, der euren K?rper zu der Zeit beherrscht, da ihr aus diesem Leben scheidet, dieser selbe Geist wird die Macht haben, euren K?rper in jener ewigen Welt zu beherrschen.“12

Br?der, wir sch?tzen Ihre Hingabe und Rechtschaffenheit. Sie f?hren Ihre Berufungen in den Kollegien, Zweigen, Gemeinden und Pf?hlen so gut aus, dass die Kirche w?chst und das ganze Werk Gottes ?berall in der Welt voranschreitet. Durch Ihr Priestertum k?nnen Sie Ihre Familie und andere, die sich an Sie wenden oder die zu segnen Sie beauftragt werden, im Namen des Herrn segnen. Das geschieht durch die g?ttliche Vollmacht, die der Herr uns anvertraut hat, denn er hat verhei?en: „Wen auch immer du segnest, den werde ich segnen.“13

Br?der, ich hoffe, dass wir all unseren B?ndnissen treu sind. Ich bete darum, dass wir in all unseren famili?ren Beziehungen voll engagiert sein m?gen, vor allem f?r unseren Ehepartner, aber auch f?r unsere Eltern, Kinder und Enkelkinder. M?gen wir alle Tage unseres Lebens Zeugnis von der Wahrheit dieses Werkes geben. M?gen wir in Rechtschaffenheit als dem?tige Diener des Herrn vorangehen, das erbitte ich im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Lukas 12:23
  2. Ijob 32:8
  3. 1 Timotheus 4:6
  4. Siehe LuB 20:37
  5. Matth?us 12:36
  6. Carl Houghton, „What Am I Doing Wrong?“, New Era, September 1987, Seite 12
  7. Robert B. Harbertson, „The Aaronic Priesthood: What’s So Great About It“, New Era, Mai 1990, Seite 49
  8. In Max Nolan, „J. Golden Kimball in the South“, New Era, Juli 1985, Seite 10
  9. Matth?us 5:13
  10. Siehe Enos 1:4
  11. Johannes 4:14
  12. Alma 34:34
  13. LuB 132:47