Pr?sident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft
Meine lieben Br?der und Schwestern, die ich hier sehe oder die sich ?berall in der Welt versammelt haben, bitte ?ben Sie Ihren Glauben aus und beten Sie f?r mich, wenn ich jetzt meinem Auftrag nachkomme und zu Ihnen spreche.
1959, nicht lange nachdem ich meinen Dienst als Pr?sident der Kanadischen Mission mit Sitz in Toronto in Ontario angetreten hatte, traf ich N. Eldon Tanner, einen bekannten Kanadier, der einige Monate sp?ter als Assistent des Kollegiums der Zw?lf Apostel berufen werden sollte, dann ins Kollegium der Zw?lf Apostel und dann als Ratgeber von vier Pr?sidenten der Kirche.
Als ich ihn traf, war Pr?sident Tanner sowohl Pr?sident der gro?en Firma Trans-Canada Pipelines Ltd. als auch Pr?sident des Pfahles Calgary. Er war in ganz Kanada f?r seine Redlichkeit bekannt. Bei diesem ersten Treffen besprachen wir unter anderem die kalten kanadischen Winter, in denen St?rme toben, die Temperaturen sich ?ber Wochen unter dem Gefrierpunkt halten und eisige Winde diese Temperaturen noch weiter senken. Ich fragte Pr?sident Tanner, warum die Stra?en und Autobahnen im Westen Kanadas w?hrend solcher Winter weitgehend intakt blieben und wenig oder keine Anzeichen von Rissen oder Br?chen aufwiesen, w?hrend doch in vielen Gebieten, in denen der Winter weniger kalt und streng sei, die Stra?en Risse, Br?che und Schlagl?cher bek?men.
Er sagte: ?Die Antwort liegt darin, wie tief das Fundament des Stra?enbelags gelegt wird. Wenn der Belag solide bleiben und nicht br?chig werden soll, m?ssen die unteren Tragschichten sehr tief gelegt werden. Wenn das Fundament nicht tief genug ist, kann die Oberfl?che extremer Witterung nicht standhalten.?
Im Laufe der Jahre habe ich oft ?ber dieses Gespr?ch und Pr?sident Tanners Erkl?rung nachgedacht, denn ich erkannte in seinen Worten eine tiefe Bedeutung f?r unser t?gliches Leben. Einfach ausgedr?ckt: Wenn wir kein tiefes Fundament des Glaubens und kein solides Zeugnis von der Wahrheit haben, mag es uns schwerfallen, den rauen St?rmen und eisigen Winden der Widrigkeiten zu trotzen, die jedem von uns unweigerlich entgegenschlagen werden.
Das Erdenleben ist eine Zeit der Pr?fung, eine Zeit, in der wir uns w?rdig erweisen m?ssen, in die Gegenwart unseres himmlischen Vaters zur?ckzukehren. Um gepr?ft werden zu k?nnen, m?ssen wir mit Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert werden. Diese k?nnen uns brechen und bewirken, dass unsere Seele an der Oberfl?che Risse bekommt und br?ckelt ? jedenfalls dann, wenn das Fundament unseres Glaubens und unser Zeugnis von der Wahrheit nicht tief in uns verankert sind.
Auf den Glauben und das Zeugnis anderer k?nnen wir nur kurz bauen. Letztlich m?ssen wir selbst ein stabil und tief verankertes Fundament haben, sonst werden wir nicht imstande sein, den St?rmen des Lebens zu trotzen, die gewiss kommen. Diese St?rme k?nnen in vielerlei Form erscheinen. Vielleicht erleben wir Schmerz und Kummer wegen eines ungeratenen Kindes, das es vorgezogen hat, den Pfad zu verlassen, der zu ewiger Wahrheit f?hrt, und stattdessen auf rutschigen Abh?ngen unterwegs ist, wo Irrt?mer und Entt?uschungen lauern. Vielleicht werden wir oder ein geliebter Mensch von einer Krankheit heimgesucht, die Leid oder gar den Tod mit sich bringt. Vielleicht hinterl?sst ein Unfall grausame Male in der Erinnerung oder l?scht ein Leben aus. Der Tod kommt zu den Alten, die auf wankenden Beinen gehen. Sein Ruf ergeht an diejenigen, die kaum die H?lfte ihres Lebenswegs beschritten haben, und oft l?sst er das Lachen kleiner Kinder verstummen.
Manchmal erstrahlt kein Licht am Ende des Tunnels, und kein Morgengrauen folgt dem Dunkel der Nacht. Wir w?hnen uns umgeben von Schmerz, weil ein Herz gebrochen ist, von Entt?uschung, weil ein paar Tr?ume geplatzt sind, und von Verzweiflung, weil die Hoffnung geschwunden ist. Wir stimmen in die flehentliche Frage aus der Bibel ein: ?Gibt es denn keinen Balsam in Gilead?? (Jeremia 8:22.) Wir neigen dazu, unser eigenes Ungl?ck durch das verzerrte Prisma des Pessimismus zu betrachten. Wir f?hlen uns verlassen, untr?stlich, allein.
Wie k?nnen wir ein Fundament legen, das stabil genug ist, derartigen Wechself?llen des Lebens standzuhalten? Wie k?nnen wir uns den Glauben und das Zeugnis bewahren, die wir brauchen, um die Freude erfahren zu k?nnen, die den Glaubenstreuen verhei?en ist? Wir m?ssen uns unabl?ssig und best?ndig bem?hen. Die meisten von uns haben schon Inspiration versp?rt, die so eindringlich war, dass sie uns zu Tr?nen r?hrte und uns entschlossen stimmte, dem Glauben immer treu zu bleiben. Ich habe Leute sagen h?ren: ?Wenn ich dieses Gef?hl immer haben k?nnte, dann h?tte ich nie M?he, das zu tun, was ich tun sollte.? Derartige Gef?hle sind jedoch verg?nglich. Die Inspiration, die wir w?hrend Konferenzversammlungen wie dieser versp?ren, kann verblassen und dahinwelken, wenn der Montag kommt und wir wieder mit dem gewohnten Trott konfrontiert sind ? Arbeit, Schule, den Haushalt und die Familie f?hren. Dergleichen kann unseren Sinn m?helos vom Heiligen auf das Weltliche lenken, von dem, was erhebt, auf das, was ? wenn wir es zulassen ? unser Zeugnis und unser stabiles geistiges Fundament unterh?hlt.
Nat?rlich leben wir nicht in einer Welt, in der wir ausschlie?lich Geistiges erleben; aber wir k?nnen unser Fundament des Glaubens, unser Zeugnis von der Wahrheit festigen, damit wir nicht ins Wanken geraten, nicht den Halt verlieren. Wie, m?gen Sie fragen, kann man am besten das Fundament erlangen und sich bewahren, das man braucht, um in der Welt, in der wir leben, in geistiger Hinsicht zu ?berleben?
Ich m?chte Ihnen drei Ratschl?ge mitgeben, die uns in unserem Streben helfen k?nnen.
Erstens: Festigen Sie Ihr Fundament durch das Gebet. ?Der Seele Wunsch ist das Gebet, in Freude wie in Schmerz.? (?Der Seele Wunsch ist das Gebet?, Gesangbuch, Nr. 94.)
Pflegen wir im Gebet doch wirklich Zwiesprache mit unserem Vater im Himmel! Wir k?nnen mit unseren Gebeten schnell der Wiederholung verfallen und st?ndig Worte sagen, ?ber die wir uns kaum oder gar keine Gedanken gemacht haben. Wenn wir uns vor Augen halten, dass jeder von uns buchst?blich ein Geistsohn, eine Geisttochter Gottes ist, f?llt es uns nicht schwer, uns ihm im Gebet zu nahen. Er kennt uns; er liebt uns; er wei?, was f?r uns am besten ist. Sprechen wir doch aufrichtige Gebete, die eine Bedeutung haben; sprechen wir unseren Dank aus und bitten wir um das, was wir nach unserem Gef?hl brauchen. H?ren wir gut zu, damit wir seine Antworten erkennen, wenn sie gegeben werden. Wenn wir dies tun, werden wir gest?rkt und gesegnet. Wir lernen Gott kennen und erfahren, was er sich f?r uns w?nscht. Wenn wir ihn kennen, wenn wir seinem Willen vertrauen, dann wird unser Fundament des Glaubens gefestigt. Wenn jemand von uns sich den Rat, immer zu beten, noch nicht so zu Herzen genommen hat, ist jetzt der beste Zeitpunkt, damit zu beginnen. Von William Cowper stammt der Satz: ?Es bebt der Satan, wenn er sieht: Ein schwaches Menschlein betend kniet.? (In William Neil, Hg. Concise Dictionary of Religious Quotations, Seite 144.)
Vernachl?ssigen wir nicht das Familiengebet! Es ist ein wirksames Mittel gegen S?nde und beschert uns folglich Freude und Gl?ck im ?berma?. Wie das alte Sprichwort sagt: ?Betet die Familie zusammen, so bleibt sie auch zusammen.? Wenn wir unseren Kindern Beispiel geben, was das Beten betrifft, helfen wir ihnen damit auch, f?r sich selbst ein tiefes Fundament des Glaubens zu legen und das Zeugnis zu entwickeln, das sie ihr Leben lang brauchen werden.
Mein zweiter Ratschlag: Befassen wir uns mit den heiligen Schriften und sinnen wir ?Tag und Nacht dar?ber [nach]?, wie der Herr uns im Buch Josua auffordert (Josua 1:8).
2005 kamen hunderttausende Heilige der Letzten Tage Pr?sident Gordon B. Hinckleys Aufforderung nach, das Buch Mormon bis zum Ende des Jahres zu lesen. Ich glaube, im Dezember 2005 wurde ein noch nie da gewesener Rekord aufgestellt, was die Stunden betrifft, die daf?r aufgewendet wurden, dieses Ziel p?nktlich zu erreichen. Als wir diese Aufgabe erf?llten, wurden wir gesegnet; unser Zeugnis wurde gefestigt, unsere Erkenntnis vertieft. Ich m?chte uns allen ans Herz legen, weiterhin in den heiligen Schriften zu lesen und sie zu studieren, damit wir sie verstehen und das, was wir aus ihnen lernen, im Leben anwenden k?nnen. Ich wandele die Worte des Dichters James Phinney Baxter etwas ab:
Wer ewig lernt und doch niemals etwas wei?,
gleicht dem, der ewig pfl?gt und doch niemals s?t.
(?The Baxter Collection?, Baxter Memorial Library, Gorham, Maine.)
Wenn wir dem Schriftstudium jeden Tag Zeit widmen, festigt das zweifellos unser Fundament des Glaubens und unser Zeugnis von der Wahrheit.
Rufen Sie sich mit mir in Erinnerung, welche Freude Alma sp?rte, als er vom Land Gideon auf dem Weg nach S?den in das Land Manti war und die S?hne Mosias traf. Alma hatte sie eine Weile nicht gesehen und war ?bergl?cklich, als er feststellte, dass ?sie ? noch immer seine Br?der im Herrn [waren]; ja, und sie waren in der Erkenntnis der Wahrheit stark geworden; denn sie waren M?nner mit gesundem Verst?ndnis, und sie hatten eifrig in den Schriften geforscht, um das Wort Gottes zu kennen? (siehe Alma 17:1,2).
M?gen auch wir das Wort Gottes kennen und unser Leben danach ausrichten!
Meine dritter Ratschlag, was ein stabiles Fundament des Glaubens und das Zeugnis betrifft, hat mit Dienen zu tun.
Eines Morgens fuhr ich auf dem Weg ins B?ro an einer chemischen Reinigung vorbei, bei der ein Schild im Fenster stand. Darauf war zu lesen: ?Auf den Service kommt es an.? Diese Botschaft auf dem Schild wollte mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Pl?tzlich erkannte ich, warum. Es kommt tats?chlich auf den Service an ? den Dienst, den wir leisten, den Dienst f?r den Herrn!
Im Buch Mormon lesen wir vom gro?m?tigen K?nig Benjamin. Mit der wahren Demut eines inspirierten F?hrers spricht er dar?ber, dass es immer sein Wunsch war, seinem Volk zu dienen und es auf den Pfaden der Rechtschaffenheit zu f?hren. Dann verk?ndet er ihnen:
?Weil ich zu euch gesagt habe, dass ich meine Tage in eurem Dienst verbracht habe, [w?nsche ich] nicht damit zu prahlen ?; denn ich habe nur im Dienste Gottes gestanden.
Und siehe, ich sage euch dies, damit ihr Weisheit lernt, damit ihr lernt, dass, wenn ihr im Dienste eurer Mitmenschen seid, ihr nur im Dienste eures Gottes seid.? (Mosia 2:16,17.)
Das ist der Dienst, auf den es ankommt, der Dienst, zu dem wir alle berufen sind: der Dienst f?r den Herrn Jesus Christus.
Auf Ihrem Lebensweg werden Sie feststellen, dass Sie nicht der einzige Reisende sind. Es sind noch andere unterwegs, die Ihre Hilfe brauchen. Da muss F??en Halt gegeben, eine Hand ergriffen, einem Verstand Mut zugesprochen, ein Herz inspiriert, eine Seele errettet werden.
Vor dreizehn Jahren hatte ich die Ehre, einem wunderh?bschen 12- j?hrigen M?dchen, Jami Palmer, einen Segen zu geben. Man hatte gerade Krebs bei ihr festgestellt, und sie war ver?ngstigt und best?rzt. Sie wurde sp?ter operiert und machte eine schmerzhafte Chemotherapie durch. Heute ist sie vom Krebs geheilt und eine aufgeweckte, h?bsche Frau von 26 Jahren, die in ihrem Leben viel erreicht hat. Vor einiger Zeit habe ich erfahren, dass die finsterste Stunde, als alle Zukunft irgendwie trostlos schien, die war, als sie erfuhr, dass ihr vom Krebs befallenes Bein mehrfach operiert werden m?sse. Eine seit langem geplante Wanderung mit ihrer JD-Klasse, die ?ber einen beschwerlichen Weg zur Timpanogos-H?hle in den Wasatch-Bergen etwa 60 Kilometer s?dlich von Salt Lake City f?hren sollte, kam f?r sie nicht mehr in Frage, dachte sie. Jami sagte ihren Freundinnen, dass sie die Wanderung ohne sie machen m?ssten. Ich bin sicher, dass ihre Stimme br?chig und ihr Herz voller Entt?uschung war. Doch dann erwiderten die anderen Jungen Damen mit Nachdruck: ?Nein, Jami, du kommst mit!?
?Aber ich kann nicht gehen?, kam gequ?lt die Antwort.
?Dann tragen wir dich eben bis nach oben, Jami!? Und das taten sie auch.
Heute ist diese Wanderung Geschichte, aber in Wirklichkeit ist sie viel mehr. Der schottische Dichter James Barrie schrieb einmal: ?Gott schenkt uns Erinnerungen, damit wir im Dezember des Lebens noch Rosen aus dem Juni haben.? (Nach James Barrie, in Laurence J. Peter, Hg., Peter?s Quotations: Ideas for Our Time, Seite 335.) Keines dieser netten jungen M?dchen wird jemals den denkw?rdigen Tag vergessen, als der Vater im Himmel liebevoll und zustimmend l?chelnd herabschaute und Wohlgefallen an dem hatte, was er sah.
Wenn Gott uns zu seinem Werk beruft, fordert er uns auf, uns ihm zu nahen, und wir versp?ren in unserem Leben seinen Geist.
M?gen wir bei unserem Bem?hen, ein stabiles Fundament f?r unser Leben zu legen, an diese herrliche Verhei?ung Gottes denken:
Sei ruhig, ich bin bei dir; drum f?rchte dich nicht,
denn ich bin dein Gott, geb dir Hilfe und Licht.
Ich gebe dir St?rke und sicheren Stand
und halt dich an meiner allm?chtigen Hand.
(?How Firm a Foundation?, Hymns, Nr. 85.)
M?ge sich ein jeder von uns f?r diesen Segen bereitmachen, darum bete ich dem?tig im Namen Jesu Christi, unseres Erl?sers. Amen.