Elaine S. Dalton
Zweite Ratgeberin in der JD-Pr?sidenschaft
Als unser erster Enkel geboren war, eilte die ganze Familie ins Krankenhaus. Ich fand es einfach umwerfend, als ich sah, wie unser ?ltester Sohn, Matthew, diesen kleinen Schatz im Arm hielt. Als wir mit unserem j?ngsten Sohn, Chad, am Fenster des S?uglingszimmers standen, blickten wir staunend in die Augen dieses neuen kleinen Geistes, der so sauber, rein und frisch vom Himmel gekommen war. Es war, als sei die Zeit stehen geblieben und als k?nnten wir f?r einen Augenblick den gro?en Plan der Ewigkeit sehen. Es war ?berdeutlich, dass das Leben heilig ist, und ich fl?sterte Chad zu: „Verstehst du, warum es so wichtig ist, rein zu bleiben?“ Er erwiderte and?chtig: „O ja, Mutti. Ich verstehe.“
Dieser Augenblick war so ?berw?ltigend, dass ich jedem Jungen Mann und jeder Jungen Dame, jedem jungen Erwachsenen, ja einem jeden von uns w?nsche, er m?ge f?hlen und erkennen, wie wichtig es ist, ein w?rdiges und reines Leben zu f?hren. Es ist die eigene W?rdigkeit, die uns bef?higt, unseren speziellen Auftrag auf Erden zu erf?llen.
Unsere eigene Mission begann lange bevor wir auf der Erde ankamen. Im vorirdischen Leben wurden wir „berufen und vorbereitet“, zu einer Zeit st?rkster Versuchungen und Herausforderungen auf der Erde zu leben. Das geschah „aufgrund [unseres] au?erordentlichen Glaubens und [unserer] guten Werke“ und weil wir „das Gute erw?hlt“1 hatten. Wir verstanden den Plan unseres Vaters und wussten, dass er gut war. Wir haben uns nicht nur daf?r entschieden, sondern ihn auch verteidigt. Wir wussten, dass unsere Mission auf der Erde von Versuchungen, Herausforderungen und M?hsal erf?llt sein w?rde. Wir wussten aber auch, dass wir mit der F?lle des Evangeliums, mit lebenden Propheten und mit der F?hrung des Heiligen Geistes gesegnet sein w?rden. Wir wussten und verstanden, dass unser Erfolg auf dieser Erde von unserer W?rdigkeit und Reinheit abh?ngen w?rde.
Was bedeutet es, w?rdig zu sein? Im Buch Mormon flehte Lamonis Vater: „Was soll ich tun, dass ich dieses ewige Leben habe, von dem du gesprochen hast?“2 Dann verpflichtete sich der K?nig dem Herrn, indem er sagte: „Ich werde alle meine S?nden aufgeben, um dich zu erkennen.“3 Sobald Lamonis Vater verstand, wer er war, und er den gro?en Plan, zu dem er geh?rte, kannte, w?nschte er sich von ganzem Herzen W?rdigkeit.
Um w?rdig zu werden, treffen wir Entscheidungen, die uns bef?higen, in die Gegenwart unseres himmlischen Vaters zur?ckzukehren. Wir tun das, was uns dazu bef?higen wird, alle Segnungen, die er f?r uns bereith?lt, in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grund sind wir hier auf der Erde – um zu „sehen, ob [wir] alles tun werden, was auch immer der Herr ? gebietet.“4 Durch unseren Glauben an den Herrn Jesus Christus k?nnen wir der Versuchung widerstehen.5 Unser Glaube wird uns bef?higen, das B?se zu verabscheuen. Es wird uns absto?en, denn „Licht h?lt fest an Licht“ und „Tugend liebt Tugend“.6
Um nicht l?nger von der Welt befleckt zu sein, braucht man nicht nur Glauben, sondern auch Umkehr und Gehorsam. Wir m?ssen nach den Grunds?tzen leben und das tun, was uns berechtigt, den Heiligen Geist als st?ndigen Begleiter und als F?hrung zu haben –denn der Geist kann nicht in einem unheiligen Tempel wohnen.7
Ein junger Mann, den ich kenne, sagte mir einmal: „Das ist einfach zu schwierig. In meiner Welt nach den Grunds?tzen leben zu wollen, ist unrealistisch. Es ist einfach zu schwierig.“ Da wir wissen, dass wir S?hne und T?chter Gottes sind, m?ssen wir uns dennoch um W?rdigkeit bem?hen. Ich kenne andere Jugendliche, die sich zum Motto gemacht haben: „Ich schaffe auch das, was schwer ist.“ Sie wissen, wer sie sind. Sie kennen ihre Mission und die Quelle, woher sie F?hrung bekommen, und sie erhalten Kraft, weil sie ihren B?ndnissen treu sind. Au?erdem wissen sie, dass sie sich ?ndern k?nnen, wenn sie Fehler machen! Der Satan m?chte uns glauben machen, wir k?nnten nicht umkehren. Aber das stimmt nicht. Der Erretter hat Vergebung verhei?en.8 Jede Woche erm?glicht die w?rdige Teilnahme am Abendmahl einem jeden von uns, rein zu werden, wenn wir versprechen, „immer an [den Erretter] zu denken und seine Gebote ? zu halten“.9 Das Evangelium ist einfach und verst?ndlich – und uns wurden die Mittel, die den Weg geradlinig und schmal machen, gegeben. Der Weg ist klar: „Denn mein Joch dr?ckt nicht, und meine Last ist leicht.“10
Vor 38 Jahren wurden mein Mann und ich im Salt-Lake-Tempel von Pr?sident Gordon B. Hinckley getraut. Der Rat und die Weisung, die er uns an jenem Tag gab, sind zum Leitstrahl f?r unser Leben geworden. Als wir als Mann und Frau den Tempel verlie?en, gingen wir in einen Park in der N?he des Tempelgel?ndes und notierten in einem Tagebuch die weisen Worte, die er uns mitgegeben hatte. Er hatte uns geraten, immer an das Gebet zu denken – abends und morgens als Ehepaar und als Familie zu beten. Er hatte uns geraten, den Zehnten immer voll und ehrlich zu zahlen. Er hatte uns geraten, t?glich in den heiligen Schriften zu lesen und ihre Grunds?tze in unserem Leben anzuwenden. Und er hatte uns geraten, w?rdig zu bleiben. Er sagte: „Lebt immer so, dass ihr den Herrn bitten k?nnt, wenn ihr seine Segnungen braucht, und dass ihr sie empfangt, weil ihr w?rdig seid.“ Er sagte: „Es wird Zeiten in eurem Leben geben, in denen ihr unverz?glich Segnungen braucht, und eure Lebensf?hrung muss so sein, dass sie euch gew?hrt werden – nicht aus Gnade, sondern weil ihr w?rdig seid.“ Ich habe damals nicht verstanden, was das bedeutete, aber in den folgenden 38 Jahren haben wir viele „unverz?gliche Segnungen“ vom himmlischen Vater erbeten. Dass wir uns so heilige Gewohnheiten aneigneten und regelm??ig das Richtige taten, half uns Tag f?r Tag, unseren Kurs auf dem Pfad zu festigen, der in die Gegenwart unseres Vaters zur?ckf?hrt. Heute sage ich: „Wir danken, o Gott, f?r den Propheten, den du, uns zu f?hren, gesandt.“11
Die pers?nliche W?rdigkeit ist unumg?nglich, um in Gottes heiligen Tempel zu gehen und letztendlich Erben all dessen zu werden, was der Vater hat.12 Der Herr hat gesagt: „Lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden.“13 Wenn wir das tun, k?nnen wir zuversichtlich und in dem Wissen in die heiligen Tempel Gottes gehen, dass wir w?rdig genug sind, dorthin zu gehen, wohin der Herr selbst geht. Wenn wir w?rdig sind, werden nicht nur wir in den Tempel eingelassen, sondern wir lassen den Tempel in uns ein. Die Verhei?ungen der Errettung und des Gl?cklichseins, die der Herr gegeben hat, werden uns geh?ren – und unsere Mission auf der Erde wird ihm geh?ren.
Vorigen Monat erst ist unser j?ngster Sohn, Chad, mit einer sch?nen, w?rdigen jungen Frau in den Tempel gegangen, um f?r Zeit und alle Ewigkeit getraut zu werden. Als er ihre Hand nahm und am Altar kniete, schaute ich auf beiden Seiten in den Spiegel. Und wieder wollte ich fl?stern: „Verstehst du, warum es so wichtig ist, rein zu sein?“ Diesmal aber musste ich ihn nicht daran erinnern, denn der Geist ?bernahm das Fl?stern.
Ihr Jugendlichen von edler Geburt: Schaut in die Fenster der Ewigkeit! Seht euch selbst in den heiligen Tempeln des Herrn. Seht euch, wie ihr ein w?rdiges und reines Leben f?hrt. Generationen sind auf euch angewiesen! Ich bezeuge, dass W?rdigkeit durch die erl?sende und befreiende Macht des S?hnopfers Jesu Christi m?glich ist. Ich bete darum, dass von einem jeden von uns gesagt werden kann: „Sie werden mit mir in wei?en Gew?ndern gehen, denn sie sind es wert.“14 Im Namen Jesu Christi. Amen.