176th Semiannual General Conference, October 2006

Umschlossen von den Armen seiner Liebe

Pr?sident Gordon B. Hinckley

Dies ist die bedeutendste Frauenorganisation auf der Welt. Sie wurde von Gott ins Leben gerufen.

Meine lieben Schwestern, es ist wunderbar, dass ich die M?glichkeit habe, in dieser gro?en FHV-Konferenz zu Ihnen zu sprechen. Wir haben heute Abend wundervolle Ansprachen von glaubensstarken und f?higen Frauen geh?rt. Der FHV-Pr?sidentschaft m?chte ich sagen, dass wir volles Vertrauen zu ihr haben. Wir sch?tzen sie sehr. Wir sind dankbar f?r das Thema, das sie aus dem Buch Mormon, aus 2 Nephi, ausgew?hlt hat: ?auf ewig ? umschlossen von den Armen seiner Liebe? (2 Nephi 1:15). Die Frauen, die zur FHV geh?ren, sind wirklich auf ewig umschlossen von den Armen unseres Herrn.

Meiner Meinung nach ist dies die bedeutendste Frauenorganisation auf der Welt. Sie wurde von Gott ins Leben gerufen. Joseph Smith sprach und handelte als Prophet, als er 1842 die Frauenhilfsvereinigung gr?ndete. Damals sagte er: ?Die Kirche Christi war erst dann vollst?ndig organisiert, als die Frauen organisiert waren.? (Sarah M. Kimball, ?Early Relief Society Reminiscences?, 17. M?rz 1882, Relief Society Record, 1880-92, Archiv der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Seite 30.)

Heute hat die FHV in etwa f?nf Millionen Mitglieder. Sie ist in vielen L?ndern organisiert und wirkt in vielen Sprachen. Zu ihr geh?ren alle Frauen in der Kirche, die 18 Jahre oder ?lter sind. Darunter sind alleinstehende junge Frauen, Frauen, die nie geheiratet haben, Frauen, die verwitwet oder geschieden sind, Frauen, die Mann und Kinder haben, und auch ?ltere Frauen, deren Partner f?r die Ewigkeit oft schon von ihnen gegangen ist.

Ein Freund, der nicht unserer Kirche angeh?rt, hat einmal zu mir gesagt: ?HLT steht f?r Hingabe, Liebe und gute Taten.? Wof?r steht die Frauenhilfsvereinigung? Was f?r eine Bedeutung hat sie? Dar?ber m?chte ich gern sprechen.

Die FHV steht f?r Liebe. Es ist wirklich bemerkenswert zu sehen, mit welcher Liebe gute Frauen einander begegnen. Sie sind in Liebe und Freundschaft verbunden und achten einander. F?r viele Frauen ist diese Organisation sogar der einzige Ort, wo sie freundlichen Umgang finden.

F?r eine Frau ist es etwas ganz Nat?rliches, sich liebevoll um diejenigen zu k?mmern, die bedr?ckt oder in Not sind. Vom Wohlfahrtsprogramm der Kirche hei?t es, dass es auf dem Priestertum basiert, aber es k?nnte ohne die FHV nicht funktionieren.

Die FHV steht f?r Bildung. Jede Frau in der Kirche hat die Pflicht, sich so viel Bildung anzueignen, wie sie kann. Das bereichert ihr Leben und er?ffnet ihr mehr M?glichkeiten. Sie erwirbt dadurch Fertigkeiten, mit denen sie bei Bedarf Geld verdienen kann.

Letzte Woche erhielt ich einen Brief von einer alleinerziehenden Mutter. Einen Ausschnitt daraus m?chte ich Ihnen vorlesen. Sie schreibt Folgendes:

?Vor zehn Jahren, 1996, haben Sie bei der Herbst-Generalkonferenz meine Familie erw?hnt. ? Ihr Rat und Ihre aufmunternden Worte, die Sie an mich und andere alleinstehende Schwestern gerichtet haben, haben mir jeden Tag den Weg gewiesen. Vor allem die Aufforderung ?Tun Sie Ihr Bestes? ist mein Motto, meine Parole geworden. Meine S?hne und ich bem?hen uns, genau das zu tun.

Meine vier S?hne haben alle die Schule und das Seminar abgeschlossen. Zwei von ihnen haben eine Vollzeitmission erf?llt. Wir arbeiten alle, um f?r uns selbst zu sorgen, und wir leben weiterhin treu nach dem Evangelium. Es ist ein sch?nes Gef?hl zu wissen, dass wir es in den vergangenen Jahren allein geschafft haben. ? Man kann sp?ren, dass man etwas erreicht hat, wenn man wieder auf eigenen F??en steht und selbst f?r die Familie sorgen kann. ?

Ich wurde ermuntert, mein Studium fortzusetzen. ? Es ist wirklich eine Herausforderung, ganztags zu arbeiten und abends Kurse zu besuchen. Doch es hat meinen Horizont erweitert und mir geholfen, ein besserer Mensch zu werden. Meine Familie, die Mitglieder meiner Gemeinde und meine Kollegen haben mich alle sehr unterst?tzt. Im Dezember mache ich meinen Abschluss.

Als ich ?ber meinen Patriarchalischen Segen nachdachte und auch fastete und betete, konnte ich mir einige realistische Ziele f?r mein Leben setzen, die mir als Wegweiser dienen, damit ich im Einklang mit den Grunds?tzen des Evangeliums bleibe. Ich besuche die Versammlungen, bete t?glich und zahle den Zehnten. Ich ? nehme meine Berufung als Besuchslehrerin sehr ernst. ?

Die Kirche ist wahr. Es ist eine Ehre und ein Vorzug, zu den w?rdigen und gesegneten Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gez?hlt zu werden. Durch Inspiration f?hrt uns unser liebevoller himmlischer Vater, der uns kennt und m?chte, dass wir Fortschritt machen und wachsen. Ich danke Ihnen f?r Ihre freundlichen und aufmunternden Worte, die Sie vor zehn Jahren an uns gerichtet haben. Ebenso f?r die vielen inspirierenden Worte, die der Herr uns best?ndig durch seine Diener zukommen l?sst. Ich wei?, dass ich ein Kind Gottes bin. Die Mitgliedschaft in seiner Kirche ist ein gro?er Segen f?r mich.?

Die FHV steht f?r Selbst?ndigkeit. Der beste Lebensmittelvorrat befindet sich nicht im Getreidesilo einer Wohlfahrtseinrichtung, sondern in den Konserven und Flaschen, die bei unseren Mitgliedern zu Hause stehen. Es ist doch ein erfreulicher Anblick, wenn unter den Betten oder in der Speisekammer Dosen mit Weizen, Reis und Bohnen stehen. Das bedeutet, dass eine Frau selbst Vorsorge trifft. Solches Essen ist vielleicht nicht lecker, aber in einem Notfall ist es nahrhaft.

Die FHV bedeutet Opferbereitschaft. Dieses einfache Gedicht von Anne Campbell, das sie ihrem Kind widmete, bewegt mich immer wieder. Sie schrieb:

Du bist die Reise, auf die ich nie ging,
die nie getragenen Perlen, so rund,
mein Traum vom blauen Meeresgrund,
der ferne Himmel, der nie ?ber mir hing.
(?To My Child?, zitiert in: Charles L. Wallis, Hg., The Treasure Chest, 1965, Seite 54.)


Viele von Ihnen sind M?tter. Ihre Aufgabe ist es, Ihre Kinder zu umsorgen und zu erziehen. Wenn Sie ?lter werden und Ihr Haar wei? wird, fragen Sie nicht nach den modischen Kleidern, die Sie einmal getragen, nach dem Auto, das Sie gefahren, oder nach dem gro?en Haus, in dem Sie gelebt haben. Die brennende Frage wird sein: ?Was ist aus meinen Kindern geworden??

Wenn sie ein gutes Leben f?hren, werden Sie dankbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, wird kaum etwas Sie tr?sten.

Ich habe einmal geschrieben: ?Gott segne Sie, die M?tter. Wenn alle Siege und Niederlagen menschlicher M?hen aufgerechnet sind, wenn der Staub der K?mpfe des Lebens sich legt, wenn alles, wof?r wir in dieser Welt der Eroberungen so hart arbeiten, vor unseren Augen verblasst, dann werden Sie da sein, m?ssen Sie da sein, als die Kraft f?r eine neue Generation, die sich stets verbessernde Bewegung, die die Menschheit vorw?rts bringt.? (One Bright, Shining Hope, Seite 18.)

Vor einigen Jahren leitete Elder Marion D. Hanks im Tabernakel in Salt Lake City eine Podiumsdiskussion. Unter den Teilnehmern befand sich eine attraktive und begabte j?ngere Frau, geschieden, Mutter von sieben Kindern im Alter von sieben bis sechzehn Jahren. Sie erz?hlte, dass sie eines Abends ?ber die Stra?e gegangen war, um einer Nachbarin etwas zu bringen. H?ren Sie nun, was sie, wenn ich mich recht erinnere, gesagt hat:

?Als ich wieder zu unserem Haus ging, sah ich es hell erleuchtet. Ich hatte noch im Ohr, was meine Kinder vor ein paar Minuten gesagt hatten, als ich aus dem Haus ging. Sie fragten: ?Mutti, was gibt es heute zum Abendessen?? ?Kannst du mich zur Bibliothek fahren?? ?Ich brauche heute noch Zeichenpapier!? M?de und abgespannt, wie ich war, schaute ich das Haus an und sah Licht in jedem Zimmer. Ich dachte an alle diese Kinder, die darauf warteten, dass ich nach Hause kam und mich um sie k?mmerte. Meine Last schien mir viel zu schwer.

Ich wei? noch, dass ich durch Tr?nen hindurch zum Himmel aufsah und sagte: ?O Vater, ich kann das heute Abend nicht mehr schaffen. Ich bin zu m?de. Ich kann es einfach nicht. Ich kann nicht heimgehen und mich allein um diese Kinder k?mmern. Kann ich nicht zu dir kommen und nur f?r eine Nacht bei dir bleiben? Am Morgen gehe ich dann wieder nach Hause.?

Ich habe die Antwort nicht wirklich geh?rt, aber sie ist mir so in den Sinn gekommen: ?Nein, Kleines, du kannst jetzt nicht zu mir kommen. Du w?rdest dann nie mehr zur?ckkehren wollen. Aber ich kann zu dir kommen.??

Es gibt viele, sehr viele, denen es so geht wie dieser jungen Mutter, die einsam und verzweifelt war, doch zum Gl?ck an den Herrn glaubte, der ihr Liebe schenken und ihr helfen konnte.

Die FHV bedeutet Glauben. Sie bedeutet, das Wichtigste an die erste Stelle zu setzen. Sie bedeutet beispielsweise, den Zehnten zu zahlen.

Elder Lynn Robbins von den Siebzigern erz?hlt, was ein Pfahlpr?sident in Panama erlebt hat.

Als junger Mann, der k?rzlich von seiner Mission heimgekehrt war, fand er das M?dchen, das er heiraten wollte. Sie waren gl?cklich, aber sehr arm.

Dann kam eine besonders schwere Zeit. Sie hatten kein Geld mehr und nichts mehr zu essen. Es war Samstag und der Schrank war buchst?blich leer. Rene war verzweifelt, weil seine junge Frau hungern musste. Er beschloss, dass ihm keine andere Wahl blieb, als das Zehntengeld zu nehmen und Essen zu kaufen.

Als er das Haus verlassen wollte, fragte ihn seine Frau, wo er hinwolle. Er sagte ihr, er wolle etwas zu essen kaufen. Sie fragte ihn, wo er das Geld herhabe. Er sagte ihr, es sei das Zehntengeld. Sie sagte: ?Dieses Geld geh?rt dem Herrn ? du wirst damit kein Essen kaufen!? Ihr Glaube war st?rker als seiner. Er legte das Geld zur?ck und die beiden gingen an diesem Abend hungrig zu Bett.

Am n?chsten Morgen gab es kein Fr?hst?ck. Sie fasteten und gingen zur Kirche. Rene gab dem Bischof den Zehnten, aber er war zu stolz, um dem Bischof zu sagen, dass sie in Not waren.

Nach den Versammlungen verlie? er mit seiner Frau das Gemeindehaus und sie machten sich zu Fu? auf den Heimweg. Sie waren noch nicht weit gekommen, da rief ihnen ein neues Mitglied aus seinem Haus etwas zu. Der Mann war Fischer. Er sagte ihnen, er h?tte mehr Fisch, als er selbst verwenden k?nne. Er wickelte f?nf kleine Fische in eine Zeitung und gab sie ihnen. Sie dankten ihm. Sie gingen weiter. Da wurden sie von einem anderen Mitglied angehalten, das ihnen Tortillas gab. Jemand anders hielt sie an und gab ihnen Reis. Noch ein Mitglied sah sie und gab ihnen Bohnen.

Als sie zu Hause angekommen waren, hatten sie f?r zwei Wochen zu essen. Noch ?berraschter waren sie, als sie die Fische auswickelten und feststellten, dass es zwei sehr gro?e Fische waren, nicht die f?nf kleinen Fische, die sie doch gesehen hatten. Sie schnitten die Fische in St?cke und bewahrten sie im Gefrierschrank eines Nachbarn auf.

Beide haben immer wieder Zeugnis gegeben, dass sie seither nie mehr hungern mussten.

Meine lieben Schwestern, all diese wunderbaren Eigenschaften, f?r die die FHV steht, zeigen, was es hei?t, ?auf ewig umschlossen [zu sein] von den Armen seiner Liebe?.

Das w?nschen wir uns doch alle. Darauf hoffen wir doch alle. Darum beten wir doch alle.

Nun, meine lieben Schwestern, noch ein Wort zum Schluss. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie im Reich Gottes keine B?rger zweiter Klasse sind. Sie sind seine erhabenen Gesch?pfe. Die M?nner tragen das Priestertum. Sie haben eine andere Aufgabe, die aber auch immens wichtig ist. Ohne Sie w?re der Plan des Gl?cklichseins, den der Vater aufgestellt hat, zum Scheitern verurteilt und ohne wirkliche Bedeutung. Sie machen f?nfzig Prozent der Mitglieder der Kirche aus und Sie sind die M?tter der anderen f?nfzig Prozent. Niemand kann einfach ?ber Sie hinweggehen.

Gerade erst erhielt ich einen Brief von einer lieben Bekannten. Sie hei?t Helen und ihr Mann hei?t Charlie. Sie schreibt unter anderem:

?Heute haben Charlie und ich in der Abendmahlsversammlung gesprochen. In meiner Ansprache erz?hlte ich von dem Rat, den Sie mir gaben, als ich in Idaho Falls die Schule abgeschlossen hatte und vorhatte, aufs Ricks College zu gehen. Sie sagten mir damals, ich solle das College der Kirche auf Hawaii besuchen, denn dort h?tte ich eine bessere Chance, einen jungen Mann chinesischer Abstammung kennenzulernen.

Ich nahm Ihren Rat an und ging auf das College in Hawaii, wo ich Charlie kennenlernte und schlie?lich heiratete. Wir sind nun schon seit 37 Jahren verheiratet und haben f?nf Kinder. Alle f?nf waren auf Mission. ? Drei unserer Kinder haben im Hawaii-Tempel geheiratet. Wir haben zwei Kinder, die noch nicht verheiratet sind, und wir hoffen, dass sie bald einen w?rdigen Partner finden, mit dem sie in den Tempel gehen k?nnen. Wir haben sechs liebenswerte Enkel und zwei weitere sind unterwegs.

Es ist ein gro?er Segen, einen glaubenstreuen Mann zu haben. Er ehrt sein Priestertum und war w?rdig, dem Herrn als Bischof, Pfahlpr?sident und Missionspr?sident zu dienen. Ich durfte ihn in allen seinen Aufgaben in der Kirche unterst?tzen. Fast f?nf Jahre lang war ich Pfahl-FHV-Leiterin.

Wenn ich heute meine vielen Segnungen sehe, muss ich daran denken, welchen gro?en Einfluss Sie auf mein Leben ausge?bt haben. Sie sollen wissen, dass ich Ihren Rat befolgt habe. Und ich bin dadurch reich gesegnet worden. Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine Fortschritte mitzuverfolgen, als ich Hongkong verlie?, um nach Amerika zu kommen.?

Das ist es, was die FHV f?r eine Frau bewirkt! Sie gibt ihr die M?glichkeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Sie macht sie zur K?nigin in ihrer Familie. Sie gibt ihr einen Platz, eine bedeutende Stellung, wo sie wachsen und ihre Talente entfalten kann. Sie gibt ihr Selbstwertgef?hl und Anleitung f?r das Familienleben. Sie vertieft ihre Dankbarkeit f?r einen guten Mann, ihren Partner f?r die Ewigkeit, und f?r ihre Kinder.

Die FHV ist eine wunderbare Organisation. Auf der ganzen Welt gibt es nichts Vergleichbares.

M?ge der Herr jede von Ihnen mit diesen gro?artigen Eigenschaften segnen, die Sie erlangen, wenn Sie sich aktiv in der FHV engagieren. Darum bete ich dem?tig. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.