176th Semiannual General Conference, October 2006

Wie wir ein Werkzeug in der Hand Gottes werden

Elder Don R. Clarke
von den Siebzigern

Man braucht keine Berufung in der Kirche, keine Einladung, jemandem zu helfen, und nicht einmal Gesundheit, um ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein.

Mein Gro?vater m?tterlicherseits, Alma Benjamin Larsen, war erst 34 Jahre alt, als er eines Morgens aufwachte und feststellte, dass er nicht mehr klar sehen konnte. Kurze Zeit sp?ter erblindete er vollst?ndig. Gro?vater hatte eine Mission erf?llt und war ein glaubenstreues Mitglied der Kirche. Er war Farmer, hatte eine Frau und drei Kinder und konnte sich ein Leben ohne Augenlicht nicht vorstellen. Gro?vaters Frau und seine kleinen Kinder mussten nun zus?tzliche Arbeit auf der Farm ?bernehmen und das Geld wurde knapp.

W?hrend dieser Zeit buchst?blicher Finsternis wurden viele Menschen zu einem Werkzeug in Gottes Hand, um meinem blinden Gro?vater zu helfen. 1919 ereignete sich etwas, was die Familie sehr beeinflusste. Es war ein Jahr gro?er finanzieller Schwierigkeiten f?r alle Leute in Gro?vaters Heimatort. Farmen wurden gepf?ndet und Unternehmen gingen pleite. Gro?vaters Farm war mit einer betr?chtlichen Hypothek belastet und so wurde ihm mitgeteilt, dass er 195 Dollar zu zahlen h?tte, um die Hypothek um ein Jahr zu verl?ngern. Das war f?r ihn, als verlange man ein Pfund von seinem Fleisch. Nahezu jeder befand sich in der gleichen Lage, und es schien unm?glich, so viel Geld zusammenzubekommen. H?tte er alles auf der Farm zusammengerafft, sogar die Pferde, die K?he und die Ger?te, so h?tte er doch keine 195 Dollar daf?r bekommen. Mein Gro?vater bat einen Nachbarn, zwei oder drei seiner K?he zu schlachten, und er verkaufte sie zusammen mit einigen anderen Produkten. Er hatte seinen Nachbarn Geld geliehen, das sie ihm am Ende des Jahres zur?ckzahlen wollten, doch keiner seiner Schuldner konnte zahlen. Die wirtschaftliche Lage seiner Familie sah d?ster aus.

Gro?vater hielt in seinem Tagebuch fest: ?Ich werde niemals diesen einen kalten Abend kurz vor Weihnachten 1919 vergessen. Es sah so aus, als ob wir die Farm verlieren w?rden. Meine Tochter Gladys legte mir ein St?ck Papier in die Hand und sagte: ?Das ist heute mit der Post gekommen.? Ich zeigte es ihrer Mutter und fragte sie, was das sei. Meine Frau las mir Folgendes vor: ?Lieber Bruder Larsen, ich habe heute den ganzen Tag an Sie gedacht. Ich frage mich, ob Sie in finanziellen Schwierigkeiten sind. Wenn ja, k?nnen Sie 200 Dollar von mir haben.? Der Brief war unterschrieben mit ?Jim Drinkwater?. Jim war ein kleiner, verkr?ppelter Mann und er w?re der Letzte gewesen, von dem man vermutet h?tte, dass er so viel Geld zur Hand hatte. Ich ging an diesen Abend zu seinem Haus und er sagte:?Bruder Larsen, ich bekam heute morgen eine Funkbotschaft vom Himmel, und Sie gingen mir den ganzen Tag ?ber nicht aus dem Kopf. Ich war mir sicher, dass Sie finanzielle Schwierigkeiten haben.? Bruder Drinkwater gab mir 200 Dollar; 195 Dollar schickten wir an die Hypothekenbank und von den ?brigen 5 Dollar kauften wir Stiefel und Kleidung f?r die Kinder. In diesem Jahr kam der Weihnachtsmann tats?chlich zu uns.?

Mein Gro?vater f?hrt dann fort und gibt Zeugnis: ?Der Herr hat mich noch nie im Stich gelassen. Er hat das Herz anderer Menschen ber?hrt, so wie er das Herz von Bruder Drinkwater ber?hrte. Ich gebe Zeugnis, dass ich Schutz und Sicherheit allein dadurch gefunden habe, dass ich bem?ht war, die Gebote des Herrn zu halten und die F?hrer dieser Kirche zu unterst?tzen und anzuerkennen.?

Ich habe viele Male ?ber Jim Drinkwater nachgedacht und mich gefragt, wie er wohl zu jemandem geworden war, dem der Herr vertrauen konnte. Jim war ein kleiner, verkr?ppelter Mann, den Gott damit betraute, einem blinden Farmer mit einer schweren Schuldenlast und drei Kindern zu helfen. Ich habe eine ganze Menge aus Gro?vaters Erlebnis mit Jim Drinkwater gelernt. Ich habe gelernt, dass man keine Berufung in der Kirche, keine Einladung, jemandem zu helfen, und nicht einmal Gesundheit braucht, um ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein. Wie also werden Sie und ich zu einem Werkzeug in der Hand Gottes? Die Propheten und die heiligen Schriften lehren uns, wie das geht.

Zuallererst m?ssen wir f?r Gottes Kinder Liebe empfinden. Als ein Gesetzeslehrer den Erretter fragte: ?Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste??, erwiderte dieser:

?Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.

Das ist das wichtigste und erste Gebot.

Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen N?chsten lieben wie dich selbst.? (Matth?us 22:36-39.)

Joseph F. Smith hat gesagt: ?Liebe ist der gr??te Grundsatz, den es ?berhaupt gibt. Wenn wir den Unterdr?ckten die Hand hinstrecken k?nnen, wenn wir denen helfen k?nnen, die verzagt sind und Kummer haben, wenn wir die Menschen erheben und ihre Lage verbessern k?nnen, dann ist das unser Auftrag ? das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Religion.? (Generalkonferenz, April 1917.) Wenn wir f?r Gottes Kinder Liebe empfinden, werden uns Gelegenheiten gegeben, durch die wir ihnen auf ihrer Reise zur?ck in seine Gegenwart helfen k?nnen.

Was die S?hne Mosias auf Mission erlebt haben, macht auch uns deutlich, wie wir ein Werkzeug in der Hand Gottes werden k?nnen. ?Und es begab sich: Sie reisten viele Tage durch die Wildnis.? (Alma 17:9.) Wir m?ssen bereit sein, uns auf die Reise zu begeben. Die S?hne Mosias waren bereit, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen und etwas zu tun, was unbequem war. Wenn Ammon nicht bereit gewesen w?re, in ein fremdes Land zu reisen, in dem ein wildes, verstocktes und grausames Volk lebte, so h?tte er Lamoni und dessen Vater weder gefunden noch ihnen geholfen, und viele Lamaniten h?tten niemals etwas ?ber Jesus Christus erfahren. Gott fordert uns auf, uns auf die Reise zu begeben ? auf Mission zu gehen, eine Berufung anzunehmen, jemanden in die Kirche einzuladen oder jemandem zu helfen, der in Not ist.

In ihrem Bestreben, ihren lamanitischen Br?dern zu helfen, lernten die S?hne Mosias auch, wie wichtig das Fasten und Beten ist: ?Sie fasteten viel und beteten viel, damit der Herr ihnen ein Ma? seines Geistes gew?hre, sie zu begleiten und bei ihnen zu verbleiben, auf dass sie ein Werkzeug in den H?nden Gottes seien, um, wenn m?glich, ihre Br?der, die Lamaniten, zur Erkenntnis der Wahrheit zu f?hren.? (Alma 17:9.) W?nschen wir uns wirklich, ein Werkzeug in der Hand Gottes zu sein? Wenn ja, dann wird unser Wunsch der Inhalt unserer Gebete und der Mittelpunkt unseres Fastens sein.

Nachdem mein Gro?vater sein Augenlicht verloren hatte, fastete er und betete daf?r, dass der Herr ihm Frieden schenken m?ge, falls er weiterhin in Finsternis leben m?sse. Er schreibt, dass fast in derselben Stunde ?mir der Sinn erleuchtet wurde und die finstere Wolke von mir wich?. Er konnte wieder sehen ? nicht mit physischen, sondern mit geistigen Augen. Sp?ter wurde Alma Benjamin Larsen als Patriarch berufen und diente in dieser Berufung 32 Jahre lang. Wie die S?hne Mosias fastete und betete mein Gro?vater, und in der Folge wurde ihm die Gelegenheit gegeben, tausende Kinder Gottes zu segnen.

Wie Jim Drinkwater und mein Gro?vater m?ssen auch wir empf?nglich sein f?r die Eingebungen des Heiligen Geistes, denn wenn wir den Wunsch haben, ein Werkzeug in der Hand Gottes zu sein, k?nnen wir Offenbarung empfangen. Der Prophet Alma der J?ngere berichtet von den Offenbarungen, die er empfing: ?Ich wei?, was der Herr mir geboten hat, und ich frohlocke darin ?; ja, und dies ist mein Ruhm, dass ich vielleicht ein Werkzeug in den H?nden Gottes bin, um irgendeine Seele zur Umkehr zu f?hren; und dies ist meine Freude.? (Alma 29:9.) Alma war offenbart worden, was er tun sollte.

Ich habe ein kleines Buch, das ich bei mir trage und in das ich die Inspirationen und Gedanken eintrage, die ich durch den Geist empfange. Es sieht nicht nach viel aus, es nutzt sich ab und muss von Zeit zu Zeit ersetzt werden. Wenn mir Gedanken in den Sinn kommen, schreibe ich sie nieder, und dann bem?he ich mich, sie in die Tat umzusetzen. Viele Male habe ich dabei bemerkt: Wenn ich etwas von meiner Liste in die Tat umsetze, wird durch mein Handeln das Gebet eines anderen beantwortet. Es ist auch vorgekommen, dass ich etwas, was auf meiner Liste stand, nicht getan habe, und sp?ter fand ich heraus, dass ich jemandem h?tte helfen k?nnen, es aber nicht getan hatte. Wenn wir Eingebungen in Bezug auf Gottes Kinder bekommen, wenn wir die Gedanken und die Inspiration, die wir empfangen, niederschreiben und sie dann gehorsam in die Tat umsetzen, dann w?chst das Vertrauen, das Gott in uns setzt, und wir erhalten noch mehr Gelegenheiten, ein Werkzeug in seiner Hand zu sein.

Um mit Pr?sident Faust zu sprechen: ?Sie k?nnen ein machtvolles Werkzeug in den H?nden Gottes sein und mithelfen, dieses gro?e Werk zuwege zu bringen. ? Sie k?nnen etwas f?r einen anderen Menschen tun, was niemand sonst tun k?nnte.? (?Werkzeuge in der Hand Gottes?, Liahona, November 2005, Seite 115f.) Gott sch?tzt diejenigen sehr, die seinen Kindern helfen. Ich fordere uns alle auf, dem Rat der Propheten zu folgen und ein Werkzeug in der Hand Gottes zu werden und zu seinen ?Sch?tzen? zu geh?ren, weil wir seinen Kindern geholfen haben.

Im Namen Jesu Christi. Amen.