176th Semiannual General Conference, October 2006

Wir wollen M?nner sein!

Elder D. Todd Christofferson
von der Pr?sidentschaft der Siebziger

Wir, die wir das Priestertum Gottes tragen, m?ssen uns aus dem Staub der Genusssucht erheben und M?nner sein!

Vor vielen Jahren, als meine Br?der und ich noch Jungen waren, musste sich unsere Mutter einer Radikaloperation wegen Krebs unterziehen. Sie w?re beinahe gestorben. Ein Gro?teil ihres Hals- und Schultergewebes musste entfernt werden, und f?r eine lange Zeit war es sehr schmerzhaft f?r sie, den rechten Arm zu gebrauchen.

Eines Morgens, als die Operation etwa ein Jahr zur?cklag, ging mein Vater mit meiner Mutter in ein Haushaltsgesch?ft und bat den Verk?ufer, ihr zu zeigen, wie man die B?gelmaschine bediente, die man dort kaufen konnte. Es war eine Ironrite-B?gelmaschine. Sie wurde von einem Stuhl aus bedient: Man dr?ckte mit den Knien gegen Pedale, dadurch senkte sich eine gepolsterte Walze auf eine erhitzte Metallfl?che und drehte sich, sodass Hemden, Hosen, Kleider und andere W?schest?cke eingezogen wurden. Das B?geln (das in unserer Familie mit f?nf Jungen reichlich anfiel) wurde dadurch erheblich einfacher, besonders f?r eine Frau, die ihren Arm nur eingeschr?nkt gebrauchen konnte. Mutter war schockiert, als Vater dem Verk?ufer sagte, sie w?rden die Maschine kaufen, und sie dann in bar bezahlte. Mein Vater hatte als Tierarzt ein gutes Einkommen, aber trotzdem hatten Mutters Operation und die medikament?se Behandlung ihnen eine schwierige finanzielle Lage beschert.

Auf dem Weg nach Hause war meine Mutter aufgebracht: „Wie k?nnen wir uns das leisten; woher kommt das Geld; wie sollen wir jetzt zurechtkommen?“ Schlie?lich sagte Vater ihr, dass er fast ein Jahr lang auf das Mittagessen verzichtet hatte, um genug Geld zu sparen. „Wenn du jetzt b?gelst“, sagte er, „musst du nicht mehr aufh?ren und ins Schlafzimmer gehen und weinen, bis der Schmerz in deinem Arm vergeht.“ Sie hatte nicht gewusst, dass er davon wusste. Damals wusste ich nichts von dem Opfer, das mein Vater gebracht hatte, von dieser liebevollen Tat f?r meine Mutter, aber jetzt, wo ich es wei?, sage ich mir: „Das ist ein Mann!“

Der Prophet Lehi bat seine widerspenstigen S?hne inst?ndig: „Erhebt euch aus dem Staub, meine S?hne, und seid M?nner.“ (2 Nephi 1:21; Hervorhebung hinzugef?gt.) Dem Alter nach waren Laman und Lemuel M?nner, aber was ihren Charakter und ihre geistige Reife anging, waren sie noch immer wie Kinder. Sie murrten und beklagten sich, wenn sie aufgefordert wurden, etwas Schwieriges zu tun. Sie erkannten keinerlei Autorit?t und Zurechtweisung an. Geistiges bedeutete ihnen nichts. Sie wandten schnell Gewalt an und verstanden sich darauf, das Opfer zu spielen.

Einige solcher Verhaltensweisen sehen wir auch heute. Manche verhalten sich so, als ob das eigene Vergn?gen das h?chste Ziel eines Mannes sei. Freiz?gige Moralvorstellungen haben M?nner sozusagen aus der Verantwortung genommen, sodass viele es f?r akzeptabel halten, uneheliche Kinder zu zeugen und ohne Trauschein zusammenzuleben, anstatt zu heiraten.1 Verpflichtungen zu umgehen gilt als schick, aber zum Wohl anderer Opfer zu bringen als naiv. Manche halten es nicht f?r zwingend notwendig, zu arbeiten und etwas zu erreichen. Ein Psychologe, der ein zunehmendes Ph?nomen untersucht, das er „junge M?nner im Leerlauf“ nennt, beschreibt dieses Szenario:

„Justin geht f?r ein oder zwei Jahre fort aufs College, verschwendet tausende Dollar vom Geld seiner Eltern, findet das dann langweilig und kommt nach Hause, um wieder in sein altes Zimmer einzuziehen, genau dasselbe, das er hatte, als er noch zur Schule ging. Jetzt arbeitet er 16 Stunden pro Woche als Aushilfe oder in Teilzeit in irgendeinem Billigjob.

Seine Eltern raufen sich die Haare. ?Justin, du bist 26 Jahre alt. Du machst keine Ausbildung. Du hast kein berufliches Ziel. Du hast noch nicht einmal eine Freundin. Was hast du vor? Wann nimmst du dein Leben in die Hand??

?Was habt ihr denn??, fragt Justin. ?Ich bin noch nie festgenommen worden. Ich habe euch nicht einmal um Geld gebeten. Warum regt ihr euch so auf??“2

Ein sch?nes Beispiel f?r Ehrgeiz, nicht wahr?

Wir, die wir das Priestertum Gottes tragen, k?nnen es uns nicht leisten, uns treiben zu lassen. Wir haben eine Arbeit zu verrichten (vgl. Moroni 9:6). Wir m?ssen uns aus dem Staub der Genusssucht erheben und M?nner sein! Es ist ein wunderbares Bestreben f?r einen Jungen, ein Mann zu werden – stark und f?hig; jemand, der etwas aufbauen, etwas schaffen, etwas bewegen kann; jemand, der etwas ver?ndert in der Welt. Es ist ein wunderbares Bestreben f?r die ?lteren unter uns, in unserem Leben zu verwirklichen, was einen wahren Mann ausmacht, und denen, die in uns ein Vorbild suchen, auch eines zu sein.

Zum Gro?teil wird das, was einen wahren Mann ausmacht, durch seine Beziehung zur Frau bestimmt. Die Erste Pr?sidentschaft und das Kollegium der Zw?lf Apostel haben das Ideal, das wir anstreben sollen, so formuliert:

„Die Familie ist von Gott eingerichtet. Die Ehe zwischen Mann und Frau ist wesentlich f?r seinen ewigen Plan. Das Kind hat ein Recht darauf, im Bund der Ehe geboren zu werden und in der Obhut eines Vaters und einer Mutter aufzuwachsen, die den Ehebund in v?lliger Treue einhalten. ? Gott hat es so vorgesehen, dass der Vater in Liebe und Rechtschaffenheit ?ber die Familie pr?sidiert und dass er die Pflicht hat, daf?r zu sorgen, dass die Familie alles hat, was sie zum Leben und f?r ihren Schutz braucht.“3

Im Laufe der Jahre habe ich Mitglieder der Kirche in vielen L?ndern besucht. Trotz unterschiedlicher Lebensumst?nde und gesellschaftlicher Verh?ltnisse war ich ?berall davon beeindruckt, was f?r glaubensstarke, f?hige Frauen wir in der Kirche haben, auch unter den sehr jungen Frauen. So viele von ihnen verf?gen ?ber einen beachtlichen Glauben und gro?e Tugenden. Sie kennen die heiligen Schriften. Sie sind ausgeglichen und voller Zuversicht. Ich frage mich: Haben wir M?nner, die zu diesen Frauen passen? Entwickeln unsere jungen M?nner sich zu w?rdigen Partnern, zu denen solche Frauen aufschauen und die sie achten k?nnen?

Pr?sident Gordon B. Hinckley richtete in der Priestertumsversammlung im April 1998 diesen Rat an die Jungen M?nner:

„Das M?dchen, das du heiratest, geht mit dir ein schreckliches Risiko ein. ? [Du wirst] im Gro?en und Ganzen den Rest ihres Lebens bestimmen. ?

Bem?ht euch um eure Ausbildung. Nehmt an Schulung mit, was ihr nur k?nnt. Die Welt zahlt euch in der Regel das, was ihr vermutlich wert seid. Paulus drosch keine Phrasen, als er Timotheus schrieb: ?Wer aber f?r seine Verwandten, besonders f?r die eigenen Hausgenossen, nicht sorgt, der verleugnet damit den Glauben und ist schlimmer als ein Ungl?ubiger.? (1 Timotheus 5:8.)“4

Redlichkeit ist wesentlich, um ein Mann zu sein. Redlichkeit bedeutet Ehrlichkeit, aber auch, dass man Verantwortung ?bernimmt und Verpflichtungen und B?ndnisse einh?lt. Pr?sident N. Eldon Tanner, ein fr?herer Ratgeber in der Ersten Pr?sidentschaft, der selbst ein redlicher Mann war, erz?hlte einmal von jemandem, der ihn um Rat fragte.

„Vor kurzem kam ein junger Mann zu mir und sagte: ?Ich habe mit einem Mann eine Vereinbarung getroffen, die mich verpflichtet, ihm jedes Jahr eine bestimmte Summe zu zahlen. Ich bin im R?ckstand und kann den Betrag nicht zahlen, denn sonst w?rde ich mein Haus verlieren. Was soll ich tun??

Ich sah ihn an und sagte: ?Halten Sie sich an die Abmachung.?

?Selbst wenn ich mein Haus dabei verliere??

Ich sagte: ?Ich spreche nicht von Ihrem Haus. Ich spreche von Ihrer Vereinbarung, und ich kann mir vorstellen, dass Ihre Frau lieber einen Mann hat, der sein Wort h?lt und seinen Verpflichtungen nachkommt ? und zur Miete wohnen muss, als ein Eigenheim und einen Mann, der sich nicht an seine B?ndnisse und Versprechen h?lt.?“5

Gute M?nner machen manchmal Fehler. Ein redlicher Mann stellt sich seinen Fehlern und berichtigt sie. Das ist ein Vorbild, das wir achten k?nnen. Manchmal bem?ht man sich und scheitert dennoch. Nicht alle ehrenwerten Ziele werden erreicht, selbst wenn man sich aufrichtig anstrengt und sein Bestes gibt. Was einen wahren Mann ausmacht, misst sich nicht immer an den Fr?chten seiner Arbeit, sondern an der Arbeit selbst – an seinen Bem?hungen.6

Obwohl er einiges opfert und auf manches Vergn?gen verzichtet, w?hrend er seinen Verpflichtungen nachkommt, f?hrt der wahre Mann ein lohnendes Leben. Er gibt viel, aber er erh?lt noch mehr, und er lebt zufrieden, weil sein himmlischer Vater sein Leben guthei?t. Das Leben als wahrer Mann ist ein gutes Leben.

Wenn wir ?ber die Ermahnung nachdenken, dass wir M?nner sein sollen, m?ssen wir vor allem an Jesus Christus denken. Pilatus brachte Jesus, der eine Dornenkrone trug, hinaus und verk?ndete: „Seht, da ist der [Mann]!“ (Vgl. Johannes 19:4,5.) Pilatus mag die Bedeutung seiner eigenen Worte nicht v?llig verstanden haben, aber damals stand der Herr tats?chlich, so wie heute auch, als das Ideal eines wahren Mannes vor den Menschen: Seht, da ist der Mann! [Das englische Wort ?man?, das die King-James-Bibel verwendet, bedeutet sowohl ?Mensch? als auch ?Mann? – Anm. d. ?.] Seht, da ist der Mann!

Der Herr fragte seine J?nger, was f?r M?nner sie sein sollten, und antwortete dann: „Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin.“ (3 Nephi 27:27; siehe auch 3 Nephi 18:24.) Das ist unser h?chstes Bestreben. Was hat er getan, worin wir ihm als Mann nacheifern k?nnen?

Jesus wies Versuchung zur?ck. Als er sich dem gro?en Versucher pers?nlich gegen?bersah, gab Jesus „der Versuchung nicht nach“ (Mosia 15:5). Er hielt die Schrift dagegen: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Matth?us 4:4.) Die Gebote und Ma?st?be des Evangeliums sind auch unser Schutz, und so wie der Erretter k?nnen wir Kraft aus den heiligen Schriften ziehen, um Versuchung zu widerstehen.

Der Erretter war gehorsam. Er legte den „nat?rlichen Menschen“ g?nzlich ab (Mosia 3:19) und ordnete seinen Willen dem Vater unter (siehe Mosia 15:7). Er lie? sich taufen, um zu zeigen, „dass er sich gem?? dem Fleische vor dem Vater dem?tigt und dem Vater bezeugt, dass er ihm im Halten seiner Gebote gehorsam sein will“ (2 Nephi 31:7).

Jesus zog umher und tat Gutes (siehe Apostelgeschichte 10:38). Er setzte die g?ttliche Macht des heiligen Priestertums ein, um die Bed?rftigen zu segnen: Er heilte Kranke, weckte Tote auf, bewirkte, dass Lahme gingen, Blinde ihr Augenlicht empfingen und Taube h?rten, und heilte allerart Leiden (siehe Mosia 3:5). Jesus sagte seinen Aposteln: „Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als L?segeld f?r viele.“ (Markus 10:44,45.) Als seine Mitknechte k?nnen wir in seinem Reich bedeutend werden, wenn wir unseren N?chsten lieben und ihm dienen.

Der Erl?ser stellte sich S?nde und Irrtum furchtlos entgegen. „Jesus ging in den Tempel und trieb alle H?ndler und K?ufer aus dem Tempel hinaus; ? und sagte: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber macht daraus eine R?uberh?hle.“ (Matth?us 21:12,13.) Er rief alle zur Umkehr auf (siehe Matth?us 4:17) und stellte ihnen Vergebung in Aussicht (siehe Johannes 8:11; Alma 5:33). Bleiben wir also unersch?tterlich dabei, Heiliges zu verteidigen und die warnende Stimme zu erheben.

Er gab sein Leben, um die Menschheit zu erl?sen. Gewiss k?nnen wir Verantwortung ?bernehmen f?r diejenigen, die er uns anvertraut.

Br?der, lassen Sie uns M?nner sein, wie Jesus einer war. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Siehe zum Beispiel James E. Faust, „Herausforderungen, vor denen die Familie steht“, Weltweite F?hrerschaftsschulung, 10. Januar 2004, Seite 1f.; Eduardo Porter und Michelle O’Donnell, „Middle-aged, No Degree, No Wife“, New York Times, ver?ffentlicht in The Atlanta Journal-Constitution, 6. August 2006, Seite A7; Peg Tyre, „The Trouble with Boys“, Newsweek, 30. Januar 2006, Seite 44-51
  2. Leonard Sax, „Project Aims to Study Young Men Stuck in Neutral“, The Washington Post, ver?ffentlicht in Deseret Morning News, 3. April 2006, Seite A13. Laut der amerikanischen Beh?rde f?r Bev?lkerungsstatistik lebt ein Drittel aller jungen M?nner zwischen 22 und 34 Jahren noch zu Hause bei den Eltern, das sind etwa 100 Prozent mehr als vor zwanzig Jahren.
  3. „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“, Liahona, Oktober 2004, Seite 49
  4. „Seid des M?dchens w?rdig, das ihr eines Tages heiraten werdet“, Der Stern, Juli 1998, Seite 55f.
  5. Improvement Era, Dezember 1966, Seite 1137
  6. In den sp?ten drei?iger Jahren des 19. Jahrhunderts, nachdem die Heiligen Kirtland bereits verlassen hatten, berief der Herr einen Mann namens Oliver Granger, zur?ckzugehen und zu versuchen, einige unerledigte Angelegenheiten f?r die Erste Pr?sidentschaft zu regeln. In einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith sagte der Herr: „Darum soll [Oliver Granger] ernstlich f?r die Erl?sung der Ersten Pr?sidentschaft meiner Kirche k?mpfen, spricht der Herr; und wenn er f?llt, so wird er sich wieder erheben, denn sein Opfer wird mir heiliger sein als sein Zuwachs, spricht der Herr. Darum lasst niemanden meinen Knecht Oliver Granger verachten, sondern lasst die Segnungen meines Volkes auf ihm sein f?r immer und immer.“ (LuB 117:13,15; Hervorhebung hinzugef?gt.)